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Unterwegs auf der neuen Seidenstraße

In der Hauptstadt Aschgabat hatten die Delegationsmitglieder unter Leitung von Michael Harms (Bildmitte) die Gelegenheit, die für ihre jeweilige Branche zuständigen stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerkabinetts zu treffen. Foto: Turkmenisches Ministerkabinett
20.07.2026
Große Ost-Ausschuss-Delegation bereist Turkmenistan / Zu den Stationen gehören neben der Hauptstadt Aschgabat auch die Hafenstadt Turkmenbaschi und das Agrarzentrum Mary

Volkswagen, MAN, Claas – auf einigen Häusern der modernen Hauptstadt Aschgabat stehen bereits weltbekannte deutsche Marken in Großbuchstaben, doch die Zahl der Unternehmen aus Deutschland im Wüstenland Turkmenistan am Kaspischen Meer ist rekordverdächtig niedrig: Von nur 22 registrierten deutschen Unternehmen spricht das Finanzministerium des Landes. Rekordverdächtig groß fiel hingegen mit 30 Personen die Wirtschaftsdelegation aus, die der Ost-Ausschuss in Kooperation mit Commit Projekt Partners vom 13. bis 17. Juli 2026 ins Land führte. Mit dabei Ost-Ausschuss Mitglieder verschiedenster Branchen und zwei Experten des Bundeswirtschaftsministeriums.

Möglich wurde die Reise durch eine persönliche Einladung des turkmenischen Außenministers Rashid Meredov an den Ost-Ausschuss. Nachdem es sowohl 2023 in Berlin als auch 2025 in Frankfurt unter Beteiligung des Ost-Ausschusses erfolgreiche Deutsch-Turkmenische Wirtschaftsforen gegeben hatte, löste der Ost-Ausschuss mit der Delegationsreise das Versprechen eines Gegenbesuchs ein.

Turkmenistan liegt mit seinen etwa sieben Millionen Einwohnern unter den 29 Ost-Ausschuss-Ländern in der Handelstabelle knapp vor Montenegro und Tadschikistan auf dem 27. Platz, es gibt also deutliches Potenzial nach oben. Der bilaterale Handel erreichte 2025 ein Volumen von 287 Millionen Euro, wuchs dabei aber immerhin um 16 Prozent, wobei allein 250 Millionen Euro auf deutsche Warenlieferungen zurückgehen. Wichtigste Exportgüter Turkmenistans sind Öl und Gas, die meisten Exporte gehen nach China (76 Prozent), die Türkei folgt mit weitem Abstand (7 Prozent).

Mit den viertgrößten förderbaren Erdgasreserven der Erde wird Turkmenistan auch noch in den kommenden Jahrzehnten signifikante Handelsüberschüsse erzielen können. Das Geld fließt in den Bau ambitionierter Gebäude- und Infrastrukturprojekte, bei denen erkennbar auf international höchste Standards wertgelegt wird, wie unsere Gesprächspartner immer wieder betonten. Dies eröffnet Möglichkeiten für Produkte „Made in Germany“.

Weiße Hauptstadt Aschgabat

Der Besuch der Ost-Ausschuss-Delegation unter Leitung des Geschäftsführers Michael Harms begann in der Hauptstadt Aschgabat nahe der iranischen Grenze, in der rund eine Million der – je nach Schätzung - fünf bis sieben Millionen Turkmenen leben sollen. Aschgabat wurde in den drei Jahrzehnten seit Erlangung der Unabhängigkeit quasi neu errichtet, wobei bestehende Bauten aus der Sowjetzeit abgetragen wurden und zahlreiche Wohnhochhäuser, Repräsentativbauten, Moscheen, Denkmäler und kilometerlange Boulevards entstanden. Den Anstoß dazu gab der erste Präsident des Landes – Sapamurat Nijasow (1992-2006) – der auch „Vater der Turkmenen“ (Turkmenbaschi) genannt wurde. Dessen Nachfolger, der Leibzahnarzt des Präsidenten und ehemalige Gesundheitsminister Gurbanguly Berdymuchammedow initiierte zusätzlich das Projekt der Planstadt Arkadag, die seit 2019 für geschätzte fünf Milliarden Dollar einige Kilometer nordwestlich der Hauptstadt für bis zu 70.000 Menschen errichtet wird. 2022 hat Berdymuchammedow die Macht teilweise an seinen inzwischen 41-jährigen Sohn Serdar weitergegeben, er nimmt aber weiterhin Termine wahr und ist im staatlichen Fernsehen stark präsent. Insbesondere seiner Begeisterung für edle Pferde werden viele Programmminuten gewidmet, sie sind zu einem Symbol des Landes geworden.

Laut Gesetz müssen neben den Autos auch alle Gebäude in der Hauptstadt Aschgabat und in Arkadak weiß sein. Das macht die Orientierung in der Stadt schwierig. Außenwerbung gibt es in der Hauptstadt praktisch keine, um den einheitlich weißen Eindruck zu erhalten, nachts hingegen sind viele Gebäude mit Neonlichtern bunt beleuchtet. Die meisten Gebäude, die vor allem von französischen Baukonzernen errichtet wurden, sind aufwändig mit Marmor verkleidet. Auch in den großen Shopping-Malls läuft man über den weißen Stein, oft in Kombination mit vergoldeten Geländern. Zu den großzügigen Grundrissen gehören auch weitläufige Park- und Denkmalanlagen, in denen Millionen von Bäumen verschiedenster Sorten angepflanzt wurden. Bei Temperaturen von über 40 Grad im Sommer ist deren Pflege eine gigantische Aufgabe. Sollte aber die Anpflanzung dauerhaft gelingen, dürfte sich dies in ein- bis zwei Jahrzehnten mit einem deutlich besseren Stadtklima auszahlen.
Auch wenn die Temperaturen im Frühjahr und Herbst milder sind und im Winter auf den über 2000 Meter hohen Bergen, die südlich von Aschgabat die Grenze zum Iran bilden, sogar Schnee liegt, ist Wasser generell knapp. Es stammt im Wesentlichen aus dem 1.445 Kilometer langen Karakum-Kanal, der sich aus dem Fluss Amudarja im Osten Turkmenistans an der Grenze zu Afghanistan und Usbekistan speist und zu Sowjetzeiten in den 1950er Jahren quer durch die Karakum-Wüste Richtung Kaspisches Meer gebaut wurde. Der Wasserzufluss trägt dazu bei, dass etwa vier Prozent der turkmenischen Landfläche, die etwa dem Umfang Spaniens entspricht, landwirtschaftlich genutzt werden können. In der Landwirtschaft, die einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 14 Prozent erreichen soll und damit hinter dem dominanten Rohstoffsektor der wichtigste Industriezweig ist, sind nach verschiedenen Statistiken über 40 Prozent der turkmenischen Bevölkerung beschäftigt.

Dominanz der Staatsbetriebe

Das Bruttoinlandsprodukt wird im Wesentlichen von Staatsunternehmen erwirtschaftet. Dass für ausländische Privatunternehmen das stark reglementierte Turkmenistan kein einfaches Land ist, wurde für die Delegation bereits bei der Einreise deutlich. Trotz der offiziellen Einladung wurden für den Aufenthalt Visa-Gebühren erhoben, die ohne nähere Erläuterung zwischen 75 Euro und 130 Euro für ein 20-Tagesvisum schwankten. Einige Delegationsteilnehmer wurden am Flughafen sogar zum Corona-Test aufgefordert, der für Einzelreisende aus dem Ausland immer noch obligatorisch ist und etwa 30 Dollar kosten soll. Wer Dollar in Manat wechseln möchte, muss in staatlichen Banken einen Kurs von etwa eins zu vier akzeptieren. Der inoffizielle Kurs, der in Geschäften angeboten wird, liegt dagegen bei eins zu 19. 
Wer sein Geschäftsmodell auf das Internet aufgebaut hat, wird in Turkmenistan nicht glücklich werden: Westliche Internet-Seiten sind in Turkmenistan außerhalb teurer Hotels weitgehend gesperrt, die üblichen Social-Media-Kanäle funktionieren nicht. Der Privatsektor spielt generell eine untergeordnete Rolle. Da überrascht es dann allerdings, dass in der gigantischen Shopping-Mall „Berkarar“ ein Warenangebot zu finden ist, das mit Dubai mithalten kann. Malls sind in Turkmenistan Staatseigentum, private Geschäfte können die Verkaufsflächen mieten.

Zu den strukturellen Markthindernisse gehören der eingeschränkte Zugang zu Devisen, die starke Rolle des Staates bei Investitionsentscheidungen sowie teilweise schwer vorhersehbare Beschaffungs- und Zahlungsprozesse. In internationalen Indizes für Medienfreiheit, politische und wirtschaftliche Freiheit, belegt Turkmenistan hinterste Plätze, wobei der oftmals herangezogene Vergleich mit Nordkorea eher in die Irre führt. Turkmenistan bemüht sich als erklärtermaßen strikt neutrales Land um eine Rolle als Friedensstifter in internationalen Konflikten, spielt in Zentralasien eine ausgleichende Rolle und ist Sitz des UN Regional Centre for Preventive Diplomacy for Central Asia. Aktuell bewirbt sich das Land um Mitgliedschaft in der WTO, was den vorsichtigen Öffnungskurs der vergangenen Jahre unterstreicht, der zur Delegationsreise beigetragen hat.

Wirtschaftspolitische Gespräche

Gleich zu Beginn des Programms hatten die Delegationsteilnehmer die Gelegenheit, sich in hochrangigen Gesprächen mit mehreren stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerkabinetts über den wirtschaftspolitischen Kurs des Landes zu informieren. Die Gespräche deckten nahezu alle für die bilaterale Wirtschaftskooperation relevanten Bereiche ab: Industrie und Bauwirtschaft, Energie, Transport und Logistik, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, Gesundheitswesen und Bildung, Handel und Privatwirtschaft sowie Banken und Finanzierung.

Die turkmenische Seite äußerte dabei ein deutliches Interesse an einer stärkeren Beteiligung deutscher Unternehmen an der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes. Besonders gefragt sind deutsche Technologien, Maschinen, medizinische Ausrüstung, Engineering-Leistungen sowie Lösungen für die Modernisierung bestehender Produktionsanlagen. Zu den in Turkmenistan geplanten Großprojekten gehört der Ausbau der Solarleistung von aktuell zehn auf etwa 100 Megawatt, der Aufbau eines Zementwerks mit einer Produktionskapazität von rund 1.000 Tonnen pro Tag und die Modernisierung eines bestehenden Zementwerks unter Einsatz umweltfreundlicherer Technologien. Dabei soll auch die energetische oder stoffliche Nutzung von Siedlungsabfällen geprüft werden. Die turkmenische Seite bekundete zudem Interesse am Ausbau einer modernen Glasproduktion.

Turkmenbaschi: Schwerpunkt Energie und Transport

Am dritten Reisetag wurden – je nach Interessenlage – Exkursionen in die Provinzhauptstädte Turkmenbaschi oder Mary angeboten. In Turkmenbaschi am Kaspischen Meer befindet sich mit der staatlichen Ölgesellschaft Türkmennebit der größte Industriekomplex des Landes, in dem 4.000 Personen beschäftigt sind. Bei einem Treffen mit der Werksleitung betonte diese ihr Interesse an deutscher Anlagentechnik. Mit Siemens habe man in der Vergangenheit beste Erfahrungen gemacht. Man verwende bewusst nur Originalteile, betonte der Werksleiter und verknüpfte dies mit Kritik an der oftmals günstigeren aber qualitativ schlechteren Konkurrenz aus Fernost. Überhaupt gehörte es zu den Erkenntnissen der Reise, dass sich Turkmenistan zu chinesischen Unternehmen eher auf Abstand hält.

Dennoch versucht das Land zumindest vom Transitverkehr über den Mittleren Korridor zu profitieren. Durch den sanktionsbedingten Rückgang der Transporte durch Russland auf der Nordroute erhofft sich auch Turkmenistan ein wachsendes Logistikgeschäft und will Teil multimodaler Routen entlang der neuen Seidenstraße zwischen China, Zentralasien, dem Kaspischen Meer, dem Südkaukasus und Europa werden. So ist geplant, die neue Eisenbahnverbindung China-Kirgisistan-Usbekistan mit dem turkmenischen Schienennetz bis zum Kaspischen Meer und zum Hafen Turkmenbaschi zu verlängern.

Der Hafen ist in den vergangenen Jahren bereits sehr modern und großzügig ausgebaut worden, davon konnten sich die Delegationsmitglieder bei einer mehrstündigen Besichtigung überzeugen. Ein großer Bahnanschluss und entsprechende Krananlagen von Liebherr sind vorhanden. In einer dazugehörigen Schiffswerft wird an neuen Fähren gebaut. Allerdings ist der Hafen per Fährverkehr bislang nur mit Baku am benachbarten Ufer des Kaspischen Meeres verbunden. Die Auslastung des Hafens liegt nach offiziellen Angaben derzeit nur bei 20 Prozent.

Turkmenbaschi steht dabei in Konkurrenz zum 300 Kilometer weiter nördlich gelegenen kasachischen Hafen Aktau. Kasachstan hat im Gegensatz zu Turkmenistan den Vorteil einer direkten Grenze mit China und ist zudem gemeinsam mit Kirgisistan Mitglied in der Eurasischen Wirtschaftsunion und damit auch in einer Zollunion. Zu den gemeinsamen Problemen gehört der sinkende Wasserstand im Kaspischen Meer aufgrund des Klimawandels. Ein neuer Schwimmbagger soll in Turkmenbaschi jetzt für die Vertiefung und Unterhaltung der Fahrrinne eingesetzt werden.

Mary: Agrarzentrum des Landes

Dass es auch in Turkmenistan fruchtbare Landstriche gibt, wurde durch die parallele Exkursion in die östliche Provinzmetropole Mary deutlich. Die Region ist ein Zentrum der Baumwollproduktion. Aber auch Weizen, Obst und Gemüse werden verstärkt angebaut. Die Delegationsteilnehmer besichtigten unter anderem eine neu errichtete Textilproduktion, in der Kaschmirwolle und Kamelhaar zu kostbarem Garn versponnen werden. Außerdem gab es Treffen mit örtlichen Betrieben. Das Unternehmen Dayanç Plastik stellte seine Produktion von Kunststoffbechern und -deckeln vor und erläuterte den Einsatz deutscher Maschinen und Technologien. Zum Einsatz kommen unter anderem Extruder von Kuhne, Thermoformmaschinen von Gabler sowie Werkzeuge von Marbach. Die Lieferung der Anlagen erfolgt über das deutsche Unternehmen Anton Ohlert. Auch die Zusammenarbeit im Agrarsektor spielte bei den Gesprächen eine wichtige Rolle. Den Abschluss bildete ein Ausflug in die nahegelegene Oasenstadt Merv, die bis zur Zerstörung durch die Mongolen 1221 ein wichtiger Knotenpunkt an der Seidenstraße war und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Dass es Potenzial für deutsche Landmaschinenhersteller in Turkmenistan gibt, zeigt das Beispiel Claas: Nach offiziellen Angaben sind in ganz Turkmenistan bereits mehr als 4.000 Maschinen von Claas im Einsatz. Der ostwestfälische Landmaschinenhersteller hat eigens für den turkmenischen Baumwollanbau eine Maschine mit drei Rädern konstruiert, die über einen besonders geringen Wendekreis verfügt. Da die turkmenische Landwirtschaft stark staatlich gesteuert ist, sind langfristige Service- und Ersatzteilkonzepte für die Nachhaltigkeit weiterer Lieferungen besonders wichtig.

Deutsche Medizintechnik ist gefragt

Chancen hat die deutsche Wirtschaft aber auch im Medizinsektor. Nach Angaben der turkmenischen Seite haben bislang rund 500 turkmenische Ärztinnen und Ärzte Ausbildungs- oder Fortbildungsmaßnahmen in deutschen Kliniken absolviert. Turkmenistan arbeitet seit vielen Jahren mit dem Senior Expert Service zusammen. Deutsche Fachärzte und medizinische Experten unterstützen turkmenische Einrichtungen durch Beratung, Fortbildung und Erfahrungsaustausch. 

Siemens Healthineers verfügt über eine starke Basis in Turkmenistan. Öffentlich wurde 2025 von mehr als 600 Geräten des Unternehmens im Land berichtet. Turkmenistan will das Gesundheitssystem weiter ausbauen. Zuletzt wurde in Aschgabat ein internationales wissenschaftlich-klinisches Onkologiezentrum mit 500 Betten errichtet. Zusätzlich sind drei neue spezialisierte Krebsbehandlungszentren in Balkanabat, Turkmenabat und der Region Mary geplant. Die Islamische Entwicklungsbank unterzeichnete dafür eine Finanzierungsvereinbarung über 156 Millionen Dollar. Insgesamt sollen drei Einrichtungen entstehen und jährlich rund 11.750 Patienten behandeln. Nach den Ausschreibungsunterlagen handelt es sich um Zentren mit Kapazitäten von 150 bis 200 Betten. Vom 10. bis 12. Oktober findet die internationale Ausstellung „Turkmen Health“ in Aschgabat statt. Deutsche Hersteller von Medizintechnik und Krankenhausausstattung sind ausdrücklich als Teilnehmer gefragt.

Am vorletzten Reisetag hatten die Delegationsmitglieder die Möglichkeit zu individuellen Treffen mit staatlichen und privaten Unternehmen. Auf dem turkmenischen Markt aktiv zu werden, heißt in der Regel sich zunächst beim Außenministerium mit seinem Angebot vorzustellen und sich dann im Land offiziell als Anbieter zu registrieren. Dies ermöglicht dann auch die Teilnahme an staatlichen Ausschreibungen, die online eingesehen werden können. Das Gründen einer Niederlassung sei dabei hilfreich, so ein wiederkehrender Hinweis. Alternativ gibt es im Land Agenturen, die bei der Markteinführung unterstützen. Die turkmenische Seite möchte deutsche Hersteller verstärkt in Ausschreibungsverfahren einbeziehen. Dazu wurde jetzt vereinbart, Informationen über relevante Ausschreibungen und Investitionsprojekte stellvertretend an den Ost-Ausschuss zu übermitteln. Diese Entwicklung eröffnet interessierten deutschen Produzenten einen direkteren Zugang zu staatlichen Auftraggebern.

Vor Ort steht zudem die deutsche Botschaft für Kontakte und Unterstützung bereit. Der scheidende Botschafter Bernd Heinze hatte bereits im Vorfeld der Reise alle Delegationsmitglieder mit einem Online-Briefing auf ihren Besuch eingestellt. Vor Ort lud dann die Geschäftsträgerin Peggy Berndt die Delegationsmitglieder und weitere internationale Vertreter zu einem feierlichen Empfang in die Residenz der Botschaft ein. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, die eine vollwertige Botschaft in Aschgabat unterhalten. Daneben sind nur Großbritannien, Italien, Frankreich und Rumänien präsent, auch die Delegation der Europäischen EU unterhält ein Verbindungsbüro und versucht so mit ihrer Global Gateway-Strategie den wirtschaftlichen Austausch mit der Region zu befördern.

Teppiche lesbar wie Bücher

Am letzten Reisetag hatten die Delegationsmitglieder abschließend die Gelegenheit im Nationalmuseum und im Teppichmuseum mehr über die Geschichte und Kultur des Landes zu erfahren. Die Bedeutung der Teppichweberei für die Identität Turkmenistans kann nicht überschätzt werden. Es gibt eigens dafür auch ein Teppich-Ministerium – weltweit eine Einzigartigkeit. Die jahrtausendealte Handwerkskunst, die ausschließlich von Frauen ausgeübt wird, erfüllt eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der turkmenischen Identität. Manche Teppiche lassen sich lesen wie Bücher, anhand der verschiedenen Muster können die Teppiche den fünf großen Regionen des Landes zugeordnet werden. Diese fünf Muster sind neben dem achtzackigen Stern Rub al-Hizb (als Symbol für den Islam) überall im Stadtbild zu finden. Prunkstück des Teppichmuseums ist der größte Teppich der Welt, gewebt von 40 Weberinnen und große wie ein Handballfeld. Neben traditionellen Teppichmustern, deren Färbungen in rötlichen und beigen Farben durch Pflanzenfarben erzeugt wird, gibt es auch moderne Varianten im Museum, sehr oft mit Pferdemotiv zu Ehren des Präsidentenvaters.

Dass die Museen Turkmenistans und deren Schätze aufgrund der restriktiven Visa-Politik nur von sehr wenigen internationalen Besuchern gesehen werden können, ist bedauerlich. Aber vielleicht trägt die Ost-Ausschuss-Delegationsreise dazu bei, das Land in seinem Öffnungskurs zu bestärken und den internationalen Austausch Schritt für Schritt zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Alle Seiten würden davon profitieren.

Andreas Metz und Vladmir Nikitenko, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Kontakt

Vladimir Nikitenko
Regionaldirektor Zentralasien
T. +49 30 206167-114
V.Nikitenko@oa-ev.de

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