Direkt zum Inhalt

Kooperationen für ein wettbewerbsfähiges Europa

Zur Eröffnung erläuterte AHK-Präsident Lakatos die zentralen Zukunftsthemen der deutsch-slowakischen Zusammenarbeit. Foto: AHK Slowakei
23.09.2026
Deutsch-Slowakisches Wirtschaftsforum in Bratislava diskutiert neue Wachstumsmodelle / Künstliche Intelligenz, Robotik, Gesundheitswirtschaft und Energieeffizienz im Mittelpunkt

Wie können Deutschland und die Slowakei gemeinsam zu einem wettbewerbsfähigeren und zukunftsfähigen Europa beitragen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Deutsch-Slowakischen Wirtschaftsforums am 23. September in Bratislava. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Länder diskutierten über industrielle Innovationen, künstliche Intelligenz und Robotik, neue Ansätze in der Gesundheitswirtschaft sowie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.

Das Forum wurde von der AHK Slowakei organisiert. Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft war Partner der Veranstaltung. Das Programm stand unter der Schirmherrschaft des slowakischen Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums und verband wirtschaftspolitische Diskussionen mit konkreten Beispielen aus der Unternehmenspraxis.

Enge Partnerschaft mit wirtschaftlichem Gewicht

Zur Eröffnung verwies Pavel Lakatos, Präsident der AHK Slowakei, auf die zentralen Zukunftsthemen der deutsch-slowakischen Zusammenarbeit: Innovation, Gesundheitswirtschaft und Nachhaltigkeit. Marco Trisciuzzi, Geschäftsführer der AHK Slowakei, betonte die gute Zusammenarbeit beider Länder: „Wir haben schon gezeigt, dass wir sehr gut zusammenarbeiten können“, sagte er. „Dafür brauchen wir gute Rahmenbedingungen.“

Die wirtschaftlichen Beziehungen stehen auf einem starken Fundament. Der deutsch-slowakische Warenaustausch belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf fast 20 Milliarden Euro. Damit war die Slowakei erneut unter den Top-20 der deutschen Handelspartner weltweit. Rund 700 deutsche Unternehmen sind zudem in der Slowakei aktiv und beschäftigen dort etwa 140.000 Menschen. Einen Schwerpunkt bildet die Automobil- und Zulieferindustrie mit Unternehmen wie Volkswagen und Schaeffler. Die slowakische Regierung will die Bedingungen für weitere Investitionen verbessern. Im Fokus stehen wettbewerbsfähige Energiepreise, der Abbau administrativer Hürden und neue Investitionen, unter anderem in der Verteidigungsindustrie.

Vladimír Šimoňák, Staatssekretär im slowakischen Wirtschaftsministerium, unterstrich das große Interesse seines Landes an weiteren deutschen Investitionen. Susanne Szech-Koundouros vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hob die Bedeutung der Slowakei als industriellen Produktionsstandort mit gut ausgebildeten Fachkräften hervor. Der Abbau von Hemmnissen im europäischen Binnenmarkt und eine aktive Industriepolitik seien entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.

Wettbewerbsfähigkeit braucht bessere Rahmenbedingungen

In der ersten Podiumsdiskussion die von Nicole Renvert von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) moderiert wurde, ging es um die wirtschaftliche Lage in Deutschland und der Slowakei sowie die europäische Wettbewerbsfähigkeit. Die notwendigen Maßnahmen seien weitgehend bekannt, es mangele jedoch an einer konsequenten und schnellen Umsetzung. Gerade für die stark industrialisierte Slowakei seien wettbewerbsfähige Energiepreise, ausreichend Fachkräfte, weniger Bürokratie und verlässliche unternehmerische Rahmenbedingungen entscheidend. Gefordert wurden eine europäische Energiereform, schnellere Investitionen in erneuerbare Energien sowie niedrigere Energiesteuern und Netzentgelte. Weitere Schwerpunkte waren die industrielle Nutzung künstlicher Intelligenz, die wachsende Bedeutung der Verteidigungsindustrie und ein leistungsfähiges Gesundheitssystem. Deutschland und die Slowakei sollten zudem die Transformation der Automobilindustrie gemeinsam gestalten und neue Investitionen durch leistungsfähige Innovationsökosysteme fördern. Der Gesundheitswirtschaft waren im Anschluss zwei eigene Fachrunden gewidmet.

Robotik und KI als neue Wachstumsmotoren

Einen weiteren Schwerpunkt des Forums bildete die Frage, wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik industrielle Produktion und Handel verändern. Das häufig als technologischer Nachzügler beschriebene Deutschland verfügt über die meisten Robotik-Start-ups in Europa und über starke industrielle Kompetenzen, insbesondere aus der Automobilindustrie. Rund 90 Prozent der für humanoide Roboter benötigten Hardware basieren auf Technologien, die dort bereits eingesetzt werden. Damit ergeben sich Chancen für ein neues industrielles Wachstumsmodell. Noch befindet sich nur ein kleiner Teil der humanoiden Roboter tatsächlich im Produktionseinsatz. Langfristig könnte der Markt jedoch eine mit der heutigen Automobilindustrie vergleichbare Größe erreichen. „Kurzfristig wird der Markt eher überschätzt, langfristig eher unterschätzt“, sagte Alexander Schönmann von der Technischen Universität Ingolstadt.

Die Deutsche Telekom stellte ihre 2026 eröffnete AI Factory in München vor. Die zugehörige industrielle KI-Cloud wird aus dem ostslowakischen Košice betrieben und ist damit ein konkretes Beispiel für die enge technologische Verflechtung beider Länder. Unternehmensvertreter diskutierten zudem den praktischen Einsatz von KI in Produktion, Lagerhaltung und Dienstleistungen. Dabei bestand Einigkeit, dass KI den Menschen unterstützen und nicht einfach ersetzen soll. „Jedes KI-Produkt muss der Mensch auch einsetzen wollen“, betonte Felix Strenger von Bosch Connected Industry. Automatisierung werde dennoch immer wichtiger, um Produktion und Logistik international konkurrenzfähig zu halten.

Der dritte Themenblock widmete sich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Aufgrund seines hohen Industrieanteils ist die Slowakei in besonderem Maße von einer sicheren und wettbewerbsfähigen Energieversorgung abhängig. Ein neues Gesetz zur Energieeffizienz soll zusätzliche Investitionen und Einsparungen anstoßen. Eine grundlegende Voraussetzung für die weitere Elektrifizierung der Industrie sei der Ausbau der Stromnetze. Nachhaltigkeit könne aber nur dann zu einem Wachstumstreiber werden, wenn Unternehmen über verlässliche Rahmenbedingungen verfügten und Investitionen wirtschaftlich umsetzen könnten.

Vom Produktionsstandort zum Innovationspartner

Das Deutsch-Slowakische Wirtschaftsforum zeigte, dass beide Länder auf einer engen industriellen Partnerschaft aufbauen können. Zugleich steht diese Zusammenarbeit vor einem Strukturwandel. Die Slowakei soll sich vom erfolgreichen Produktionsstandort noch stärker zu einem Innovationspartner entwickeln. Deutschland kann dabei Technologie, industrielle Erfahrung und Investitionen einbringen. Um diese Potenziale zu nutzen, brauchen Deutschland und die Slowakei aber vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Innovationsprozesse und einen leistungsfähigen europäischen Binnenmarkt.

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation

Kontakt

Adrian Stadnicki
Regionaldirektor Mittelosteuropa
T. +49 30 206167-138
A.Stadnicki@oa-ev.de

Diese Seite teilen: