Mit einem gemeinsamen Auftritt von Kasachstans Staatspräsident Kassym-Schomart Tokajew und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhält die deutsch-kasachische Wirtschaftspartnerschaft neuen politischen Rückenwind: Beim Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforum am 29. September im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin beraten rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über neue Kooperationsprojekte in Industrie, Energie, bei Rohstoffen sowie Transport und Logistik. Das Forum wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien (AHK) und der Botschaft der Republik Kasachstan organisiert.
„Kasachstan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Zentralasien und steht für rund 80 Prozent unseres Handels mit der Region. Das Land bietet hervorragende Chancen für deutsche Technologieanbieter und Investoren und trägt zugleich zur Diversifizierung von Energie- und Rohstofflieferungen nach Europa bei. Die Teilnahme beider Präsidenten unterstreicht die strategische Bedeutung unserer Beziehungen“, sagt Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. „Jetzt gilt es, die hohe politische Aufmerksamkeit in konkrete Projekte und langfristige Investitionen umzusetzen.“
DIHK-Präsident Peter Adrian: „Es ist ein starkes Signal, dass beide Präsidenten heute im Haus der Deutschen Wirtschaft zusammenkommen. Kasachstan ist für die deutsche Wirtschaft ein Ankerpartner in Zentralasien – als Markt, als verlässliche Rohstoff- und Energiequelle und zunehmend auch bei grüner Energie und Wasserstoff. Deutsche Unternehmen bringen dafür Technologie und Know-how ein. Mit unserem Netzwerk aus 79 IHKs und der AHK vor Ort unterstützen wir sie dabei, aus Interesse Investitionen zu machen. Damit das gelingt braucht es auf beiden Seiten verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.“
Zu den weiteren hochrangigen Teilnehmern gehören der kasachische Minister für Industrie und Bauwesen Yersain Nagaspayev, Verkehrsminister Nurlan Sauranbajew sowie Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen neue Potenziale der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Verkehr, Ressourcen und Industrie. Nach ihrem bilateralen Gespräch im Bundespräsidialamt werden Tokajew und Steinmeier gemeinsam vor den Vertreterinnen und Vertretern der deutschen und kasachischen Wirtschaft sprechen.
Im Anschluss an die Reden der beiden Staatspräsidenten werden am Ende des Wirtschaftsforums eine Reihe von neuen deutsch-kasachischen Projektkooperationen vorgestellt. Geplant ist die Unterzeichnung von 37 bilateralen Projekten mit einem Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro.
Deutsche Unternehmen sind seit vielen Jahren erfolgreich im flächenmäßig neuntgrößten Land der Erde aktiv. Zu den wichtigen deutsch-kasachischen Kooperationsfeldern gehören Maschinen- und Anlagenbau, Agrarwirtschaft, Energie, Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, Logistik, Kreislaufwirtschaft und Wassermanagement. Kasachstan verzeichnete in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von etwa fünf Prozent jährlich. Im Jahr 2025 erreichte der deutsch-kasachische Handel ein Volumen von rund acht Milliarden Euro. Deutschland importierte Waren im Wert von 5,3 Milliarden Euro aus Kasachstan und exportierte Güter im Wert von 2,7 Milliarden Euro in das zentralasiatische Land. Ausgehend von diesen Zahlen gab es im ersten Halbjahr 2026 ein starkes Handelswachstum um über 25 Prozent, das allerdings allein auf die Importe aus Kasachstan zurückzuführen ist.
Ein großer Teil der deutschen Einfuhren entfällt auf Erdöl und Erdgas. Hier spielt Kasachstan angesichts der kritischen Lage am Golf und der Sanktionen gegen Russland als Lieferant für Deutschland eine stabilisierende Rolle. Bei den deutschen Ausfuhren dominierten Maschinen, Fahrzeuge, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen. Kasachstan bietet sich zudem als Erzeuger grüner Energie und zukünftig als Exporteur von grünem Wasserstoff an.
Der wirtschaftspolitische Austausch mit dem zentralasiatischen Land entwickelt sich sehr dynamisch und kann sich auf ein engmaschiges Netzwerk stützen: Erst im August fand in Berlin die 17. Sitzung des Deutschen-Kasachischen Wirtschaftsrates statt, bei der zahlreiche bilaterale Projekte vorgestellt wurden. Über den Berliner Eurasischen Klub (BEK) werden jährlich drei große Netzwerkveranstaltungen in Berlin, Brüssel und Astana organisiert. Im April hatte aus diesem Anlass eine große Ost-Ausschuss-Delegation Präsident Tokajew in der kasachischen Hauptstadt getroffen, um den weiteren Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu diskutieren. Mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien (AHK) mit Hauptsitz im kasachischen Almaty steht bereits seit über 30 Jahren eine feste Anlaufstelle für deutsche Investoren in der Region bereit.
Christian Himmighoffen
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