Bei der traditionellen Außenwirtschaftskonferenz des Ost-Ausschusses und der AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft am 21. Mai in Frankfurt am Main stand die Finanzierung deutscher Exporte und Investitionen in Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien im Mittelpunkt. Im Herzen des Frankfurter Bankenviertels diskutierten rund 80 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Finanzinstitutionen aber auch intensiv über die wirtschaftlichen Perspektiven in einer Region, die angesichts geopolitischer Spannungen, veränderter Lieferketten und wachsender Diversifizierungsstrategien für deutsche Unternehmen immer wichtiger wird. Die Konferenz, die von AKA-Geschäftsführer Marck Wengrzik eröffnet wurde, widmete sich dabei insbesondere den Themen Nachhaltigkeit als Exportfaktor sowie Sicherheit und Resilienz als Grundlagen für Wachstum. Unterstützt wurde die Außenwirtschaftskonferenz von der Raiffeisenbank International, ODDO BHF und finance in motion.
In seiner Keynote warb Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms dafür, Osteuropa und Zentralasien gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen, wachsender Handelsbarrieren und verschärften Wettbewerbs als strategischen Chancenraum für die deutsche Wirtschaft zu begreifen: Die Region sei trotz mancher Krisen ein Kernmarkt, in dem bereits jeder fünfte Euro im deutschen Außenhandel verdient werde. Vor diesem Hintergrund plädierte Harms dafür, Finanzierung und Risikoabsicherung stärker als aktive Standortpolitik zu verstehen, den Binnenmarkt zu vertiefen, die EU-Erweiterung flexibler voranzutreiben und die wirtschaftliche Anbindung der Ukraine sowie der Länder des Westlichen Balkans, Zentralasiens und des Südkaukasus konsequent auszubauen. Zugleich mahnte er mit Blick auf China, die USA und andere Wettbewerber, die Interessen der deutschen Wirtschaft dort entschiedener zu vertreten. „Wir müssen viel pragmatischer an Projekte herangehen“, sagte Harms. Politiker in Mittel- und Osteuropa seien auch Projektmanager. „It’s morning in CEE“, warb der Ost-Ausschuss-Geschäftsführer für die großen Geschäftschancen in der Region.
Mehr „China Speed“
In einer ersten Diskussionsrunde zum Faktor Nachhaltigkeit im Export wurde deutlich, dass Osteuropa und Zentralasien für deutsche Unternehmen in einem Umfeld von grüner Transformation, Nearshoring und wachsendem Wettbewerbsdruck aus China weiter an strategischer Bedeutung gewinnen: Während klassische Märkte wie Polen und Tschechien gesetzt bleiben, rücken zunehmend auch der Westbalkan, die Ukraine und Zentralasien in den Fokus – nicht zuletzt wegen gut ausgebildeter Arbeitskräfte, attraktiver Standortbedingungen und steigender Nachfrage. Nachhaltigkeit wird dabei weniger rein unter ökologischen Gesichtspunkten als vielmehr praxisnah im Sinne von Effizienz, Ressourcenschonung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit verstanden. In vielen Märkten spielen Preis, Versorgungssicherheit und konkrete Kundenbedürfnisse eine größere Rolle als abstrakte „grüne“ Standards. Zugleich unterstrichen die Diskussionsteilnehmer, dass deutsche Unternehmen mit Qualität, Engineering-Kompetenz und Verlässlichkeit nach wie vor starke Wettbewerbsvorteile besitzen, diese aber durch schnellere, pragmatischere Prozesse, weniger bürokratische Hürden und flexiblere Finanzierung besser ausspielen müssen.
Der Begriff „China Speed“ zog sich daher als wiederkehrendes Motiv durch die Diskussion. Unternehmen wünschen sich von Banken und Kreditversicherern passgenauere und beweglichere Instrumente, während die Finanzinstitutionen zugleich unter hohem regulatorischem Druck stehen. Gerade in Märkten mit hohem Transformationsbedarf könne jedoch eine intelligent strukturierte Finanzierung den Ausschlag dafür geben, ob Projekte realisiert werden.
Sicherheit breit gefasst
Nachdem ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski die Teilnehmenden in seinem Impulsvortrag über aktuelle geopolitische Entwicklungen und deren Folgen für Deutschland informiert hatte, wurden im zweiten Panel Resilienz und Sicherheit als zentrale Faktoren für wirtschaftliche Sicherheit aus unterschiedlichen Branchenperspektiven beleuchtet. Deutlich wurde, wie breit der Sicherheitsbegriff inzwischen gefasst wird – von stabilen Lieferketten über eine krisenfeste Energie- und Gesundheitsversorgung bis hin zu Ernährungssicherheit. An Bedeutung gewinnt zudem die Verteidigungsindustrie. Unternehmen stellen ihre Beschaffungs- und Produktionsstrukturen zunehmend robuster auf, auch wenn höhere Resilienz häufig mit Effizienzverlusten und steigenden Kosten einhergeht. Die Region Mittel- und Südosteuropa hat sich dabei zu einem der wichtigsten Beschaffungsmärkte für deutsche Unternehmen entwickelt, wie das BME-Barometer 2025 zeigt. Einigkeit bestand darüber, dass deutsche Unternehmen etwa in Zentralasien weiterhin von ihrem Ruf für Qualität und Zuverlässigkeit profitieren, diesen Vorteil jedoch aktiver nutzen und durch regionale Präsenz, partnerschaftliche Ansätze und strategische Investitionen weiter ausbauen müssen. Dazu gehörten jedoch entsprechende Finanzierungsangebote.
Christian Himmighoffen
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