„Woche der Energieeffizienz“ in Zhovkva

30. September 2013

Erste Ergebnisse des Projekts in der Westukraine 

Vor zwei Jahren startete das Projekt „Energieeffiziente Stadt“ auf Initiative des Präsidenten der Ukraine und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Im westukrainischen Zhovkva sollen mithilfe deutscher Experten Mechanismen und Instrumente zur Umsetzung von Energieeffizienzprojekten in ukrainischen Kommunen erarbeitet werden. Der Handlungsdruck auf die Ukraine ist dabei aufgrund der Gasabhängigkeit des Landes von Russland enorm. Deutsche Unternehmen stehen hier mit Know-How, Technologien und Erfahrungen unterstützend zur Seite. 

Vom 30. September bis zum 4. Oktober 2013 wurden erste Ergebnisse des Projekts im Rahmen der „Woche der Energieeffizienz“ in Zhovkva vorgestellt und Lösungsansätze diskutiert. Den Auftakt bildete ein dreitägiges Seminar der „Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa e.V.“ für Verwaltungsmitarbeiter und Fachleute aus der Westukraine. 

Am 2. Oktober 2013 eröffnete der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses Rainer Lindner die Sitzung der Arbeitsgruppe „Energieeffiziente Stadt“. Er bekräftigte die Bedeutung des Projekts für die gesamte Ukraine. Am wichtigsten sei es, für solche Projekte auch die betroffenen Bürger zu gewinnen. Daher begrüßte Lindner ausdrücklich die Anwesenheit einer Delegation der Stadt Delitzsch unter Leitung von Oberbürgermeister Manfred Wilde. Delitzsch habe eindrucksvoll gezeigt, wie sich Energieeffizienzmaßnahmen auch in kleinen Kommunen umsetzen lassen. Der Ost-Ausschuss konnte über das Projekt „Energieeffiziente Stadt“ eine Kooperation von Delitzsch mit Zhovkva initiieren, die mit der Unterzeichnung einer „Energiepartnerschaft“ der beiden Städte besiegelt wurde. 

Der Bürgermeister von Zhvovkva Petro Vykhopen stellte den Teilnehmern der Sitzung die Energiestrategie der Stadt vor. Erste konkrete Schritte seien die Einstellung einer Energiemanagerin und der Beitritt zum europäischen „Konvent der Bürgermeister“, der sich zum Ziel gesetzt hat, den CO2-Ausstoß in den Kommunen bis 2020 um 20 Prozent zu senken. 

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Ergebnisse einer Studie des „Kompetenzzentrums Großsiedlungen“ von den etwa 50 Teilnehmern diskutiert. Zwei Kernfragen wurden in der Sitzung besonders intensiv erörtert. Zum einen die Frage nach der tatsächlichen Energieeinsparung nach einer Modernisierung. Die Schätzungen deutscher wie auch ukrainischer Experten gehen zwar von einem Einsparpotential von über 60 Prozent aus, was die Amortisationsdauer von Investitionen in die Gebäude auf wenige Jahre begrenzen würde. Tatsächliche Verbrauchszahlen lassen allerdings auch auf eine derzeitige Unterbeheizung der Wohnungen schließen. Demnach wäre die reale Einsparung wesentlich niedriger. Eine energieeffiziente Modernisierung würde aber eine normgerechte Beheizung der Wohnungen garantieren. 

Die zweite Frage betraf die Umsetzung der Maßnahmen, insbesondere die Schaffung von Wohnungseigentümergemeinschaften, die Anpassung von Verwaltungsstrukturen in der Stadt und den kommunalen Versorgungsbetrieben sowie die Finanzierung der notwendigen Investitionen. Bis Februar 2014 sollen konkrete Handlungsempfehlungen vorgelegt werden. 

Den Abschluss der Woche bildete ein Bürgertag, auf dem das Projekt den Einwohnern vorgestellt wurde. Die Reaktionen zeigten, dass das Projekt „Energieeffiziente Stadt“ viel Zustimmung und Unterstützung gewinnen konnte. Dieses Vertrauen wird in der nun anstehenden Umsetzungsphase entscheidend sein. Doch bereits jetzt hat das Projekt viel Aufmerksamkeit und Interesse weit über die Region Lemberg hinaus erreicht.

Ina Rumiantseva
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft