Russland treibt deutschen Export an

7. September 2012

Bilaterales Handelsvolumen wächst im ersten Halbjahr 2012 um 15% / Ost-Ausschuss-Länder kompensieren schwächelnden EU-Markt

Im Osteuropa-Handel zeichnet sich 2012 eine Wachablösung ab: Der langjährige Boom im deutschen Handel mit Polen geht zu Ende, dagegen eilt der deutsch-russische Handel von Rekord zu Rekord. Im ersten Halbjahr 2012 sanken die deutschen Exporte nach Polen um fast drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig legten die deutschen Ausfuhren nach Russland noch einmal um 15 Prozent zu. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von 39,7 Milliarden Euro, darunter deutsche Exporte im Wert von 18,16 Milliarden Euro, löste Russland den Nachbarn Polen (37,5 Milliarden Euro) als wichtigsten deutschen Handelspartner in Osteuropa ab.

„Die positive Entwicklung im Handel mit Russland, der Ukraine oder Kasachstan hilft uns derzeit über die immer deutlicher werdende Wachstumsschwäche im EU-Raum hinweg“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes in Berlin mit Blick auf die durch den Ost-Ausschuss ausgewerteten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. „Zwar ist auch für Russland in den kommenden Monaten eine Abschwächung der Konjunktur nicht auszuschließen, der deutsche Handel dürfte aber gleichzeitig von positiven Effekten durch den russischen WTO-Beitritt profitieren“, erwartet Cordes eine weiterhin überdurchschnittliche Entwicklung im Russlandgeschäft. Zuletzt hatten deutsche Firmen wie VW, Continental oder Mahle Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in Russland angekündigt. Umgekehrt steigt auch das Interesse russischer Firmen an Investitionen in Deutschland. 

„Die Wahl Russlands zum Partnerland der Hannover Messe 2013 kommt zum idealen Zeitpunkt“, sagte Cordes. Derzeit findet auch ein Deutschlandjahr in Russland statt, das vom Ost-Ausschuss begleitet wird. Erster Höhepunkt mit Wirtschaftsschwerpunkt ist ein Kongress zum Thema „City Solutions“, der am 16. November in Moskau mit hochrangiger politischer Begleitung stattfinden wird.

Starkes Handelswachstum auch mit Bulgarien, Ukraine und Kasachstan

Stark positiv entwickelte sich zwischen Januar und Juli 2012 auch der deutsche Export nach Bulgarien (+21 Prozent), in die Ukraine (+ 13 Prozent) und Kasachstan (+13 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich wuchsen die Exporte nach Rumänien (+9 Prozent) und Aserbaidschan (+ 27 Prozent). Dagegen entwickelten sich die deutschen Exporte in östliche EU-Staaten wie Ungarn (+5,6 Prozent), Tschechien (+4,7 Prozent), Slowakei (+2,6 Prozent) und Slowenien (-0,3 Prozent) eher verhalten.

„Das deutsche Exportwachstum verlagert sich stärker in die Länder am östlichen Rand der EU“, sagte Cordes. „Es liegt deshalb in unserem Interesse, die Beziehungen mit diesem Wirtschaftsraum etwa über Freihandelsabkommen und die Beseitigung von Visa-Schranken noch stärker zu intensivieren.“

Das Statistische Bundesamt ermittelte für das erste Halbjahr 2012 einen Anstieg der gesamten deutschen Exporte um 4,8 Prozent auf 550 Milliarden Euro. Die Importe wuchsen um 2,4 Prozent auf 457 Milliarden Euro. Der deutsche Export nach Osteuropa einschließlich der östlichen EU-Mitgliedsstaaten kletterte im selben Zeitraum um fünf Prozent auf 88 Milliarden Euro, die Importe lagen fast gleichauf bei 86 Milliarden Euro (+8,5 Prozent). Insgesamt erreichte die Region Osteuropa einen Anteil am gesamten deutschen Export von 16 Prozent. Zum Vergleich: Der Exportanteil Chinas lag im ersten Halbjahr 2012 mit 34,3 Milliarden Euro bei 6,3 Prozent.

Die vollständige Handelstabelle für Osteuropa finden Sie in der rechten Spalte.