Kontaktstelle Mittelstand für Russland

3. März 2014

Sonderwirtschaftszonen, Eisenbahninfrastruktur und Hochtechnologie im Fokus deutscher Mittelständler
 

Die Themen Sonderwirtschaftszonen, Eisenbahninfrastruktur und Hochtechnologie haben in den vergangenen Wochen die Arbeit der Kontaktstelle Mittelstand für Russland im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft bestimmt. Das Interesse an Informationen und Kontakten ist sowohl auf der deutschen als auch auf der russischen Seite enorm. So hat sich eine große Unternehmensdelegation aus der russischen Wolga-Region Nizhnij Nowgorod bei ihrem Besuch in Berlin am 19. Februar 2014 begeistert über die Möglichkeiten der Kontaktanbahnung zu deutschen Unternehmen gezeigt.

Dabei geht es sowohl um Lieferung von Ausrüstung und Komponenten aus Deutschland nach Russland, als auch um die Möglichkeit für die russischen Unternehmen, als Zulieferer für deutsche Mittelständler zu fungieren. Gerade diese auf den ersten Blick unspektakuläre Arbeit ist von großer Bedeutung für die Kontaktstelle Mittelstand für Russland. Ziel ist es, die bilaterale Wirtschaftskooperation im Mittelstandsbereich von einer Einbahnstraße zu einer beidseitig aktiven Zusammenarbeit zu gestalten.

Eine Möglichkeit für solche Kooperation könnten die Sonderwirtschaftszonen bilden. Am 20. Februar 2014 besuchte Wadim Tretjakow, der Generaldirektor von RosOEZ, einer Dachorganisation der russischen Sonderwirtschaftszonen (SWZ) die Kontaktstelle Mittelstand für Russland im Ost-Ausschuss, um über Fortschritte beim Aufbau von Investitionsstandorten in Russland zu informieren und mögliche Kooperationsansätze zu erörtern. Die vom russischen Staat geförderten SWZ bieten den Investoren neben komplett erschlossenen preisgünstigen Grundstücken und der notwendigen Infrastruktur auch Unterstützung bei Behördengängen sowie attraktive Rahmenbedingungen in Form von Steuer- und Zollvergünstigungen an. Immer mehr ausländische Unternehmen, darunter auch deutsche, lassen sich deshalb für den Aufbau einer eigenen Produktion in einer der SWZ nieder und werden dabei von RosOEZ sowie lokalen SWZ-Betreiberorganisationen umfassend und kompetent betreut, so Tretjakow. Solche SWZ-Gewerbegebiete wie Alabuga in Tatarstan oder Lipezk haben sich inzwischen einen guten Ruf bei den Investoren erworben. Die Vorteile eines SWZ-Residentenstatus sind trotz der Aktivitäten der Sonderwirtschaftszonen in puncto Marketing und Kommunikation bei vielen deutschen Unternehmen noch nicht bekannt. 

 

Kein Marketingproblem hat dagegen die Russische Eisenbahn (RZhD). Für viele Zulieferer und Dienstleister aus dem Mittelstand ist die RZhD ein attraktiver Geschäftspartner und Kunde. Dabei hängt der Erfolg nicht zuletzt vom ersten Geschäftskontakt ab. Deshalb sieht sich die Kontaktstelle in der Pflicht, den mittelständischen Unternehmen zu helfen, eine erste Brücke zu den richtigen Ansprechpartnern in der großen RZhD-Organisation zu schlagen. Die Familienunternehmen aus dem KSM-Netzwerk konnten am 26. Februar 2014 in Moskau ihre Kooperationsvorschläge dem Präsidenten der Russischen Eisenbahn Wladimir Jakunin in einem persönlichen Gespräch präsentieren. Der RZhD-Chef hat in dem Gespräch auf gute Erfahrungen und eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen hingewiesen und seine Zuversicht hinsichtlich deren weiteren guten Entwicklung geäußert. Der Termin in Moskau kam dank aktiver Unterstützung seitens des Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder (CDU) zustande, der zusammen mit Alfons Schneider, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, ebenfalls am Gespräch in der RZhD-Zentrale teilnahm. Die Unternehmen erhoffen sich vom Treffen einen Impuls für den Ausbau des Russlandgeschäfts im Eisenbahnbereich.

Das Thema Chancen für deutsche Mittelständler auf dem russischen Markt stand schließlich im Fokus einer gemeinsamen Veranstaltung der KSM und der IHK Karlsruhe. Neben vielen mittelständischen Unternehmen aus der Technologieregion Karlsruhe, die bereits in Russland aktiv sind, gibt es weitere Firmen, die noch einen Markteintritt in Russland prüfen. In einem offenen Dialog wurden einige wichtige Aspekte des Russlandgeschäfts erörtert und festgestellt, dass der russische Markt für deutsche Mittelständler trotz der in der letzten Zeit etwas eingetrübten Konjunkturaussichten attraktiv bleibt und viel Potential bietet. Besonders interessierten die anwesenden Unternehmensvertreter Themen wie die Anbahnung von Geschäftskontakten, die Beteiligung an großen Infrastrukturprojekten und die Ausbildung von Fachkräften. 

Alexey Savinskiy
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft