Industrietag Russland in Elbflorenz: 500 Teilnehmer bei der Premiere

15. Oktober 2008

Über 500 Teilnehmer beim „Industrietag Russland“ in Dresden sind ein deutliches Signal: Der deutsche Mittelstand sieht in Russland einen der wichtigsten Zukunftsmärkte der nächsten Jahre. Umgekehrt ist in Russland wachsendes Interesse an deutschen Kooperationspartnern zu spüren: Etwa 70 Teilnehmer und Referenten traten den weiten Weg aus Russland an die Elbe an. Darunter waren auch der stellvertretende russische Industrieminister Stanislav Naumov.

„Der Industrietag Russland bietet vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen eine ideale Plattform und vielfältige Kontaktmöglichkeiten“, beschrieb Thomas Jurk, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, das Erfolgsrezept der Veranstaltung, die vom 16. bis 18. September 2008 in der Elbmetropole Premiere feierte. Jurk will nunmehr jährlich einen vergleichbaren Außenwirtschaftstag in Sachsen durchführen: „Neben Forschung und Innovation wird die internationale Ausrichtung des Mittelstandes zu einem immer wichtigeren Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg. Das haben die sächsischen Unternehmer erkannt.“ Der Freistaat engagiert sich besonders stark in der russischen Region Tatarstan und in der Wolga-Region.

Burckhard Bergmann, stellvertretender Vorsitzender des mitveranstaltenden Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, hob in seiner Rede die internationale Signalwirkung der Veranstaltung hervor: „Angesichts der politischen Verspannungen der vergangenen Monate kommt der Industrietag Russland genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Bergmann erinnerte daran, dass der Ost-Ausschuss 1952 inmitten des Kalten Krieges gegründet worden sei, um damals erste Wirtschaftskontakte mit Osteuropa anzubahnen. „Russland ist heute ein guter Platz
zum Investieren. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder sind so gut, wie noch nie zuvor.“ Der Kaukasus-Konflikt habe daran nichts geändert.

Eröffnet wurde der „Industrietag Russland“ am Abend des 16. September auf Schloss Albrechtsberg an der Elbe durch den russischen Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenew, und den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. In seiner Festrede unterstrich Schröder als Schirmherr der Veranstaltung die Notwendigkeit, die Außenwirtschaftspolitik Sachsens und Deutschlands „stärker auf die traditionellen Märkte im Osten“ auszurichten. „Ziel muss es sein, die wechselseitigen Verflechtungen mit Russland in wirtschaftlicher, aber auch
in zivilgesellschaftlicher Hinsicht zu vertiefen. Nur so wird es gelingen, Wohlstand und Frieden in Europa zu sichern.“ Der russische Botschafter lobte die dynamische Entwicklung in den Wirtschaftsbeziehungen und warb zugleich für mehr deutsche Investitionen. Nicht nur die Zentren Moskau und St. Petersburg
seien interessant. Russland habe 83 Regionen.

Der Wunsch des Botschafters traf auf offene Ohren: Im Rahmen des Industrietages vereinbarten die Russische Föderation, die Republik Tatarstan sowie auf deutscher Seite die Fraunhofer-Gesellschaft und der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Gründung eines deutsch-russischen Kompetenzzentrums für Maschinenbau in Tatarstan. Ziele seien die Umsetzung gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie die Ausbildung von Fachkräften zur Förderung des russischen Maschinenbaus. Zugute kommen soll das Zentrum vor allem kleineren und mittleren Unternehmen.

Der „Industrietag Russland“ legte in seinen Fachforen und Panels einen besonderen Schwerpunkt auf die Schlüsselbranchen Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie und Energietechnik. Zudem spielten  orschungskooperationen und Finanzierungsfragen eine wichtige Rolle. Partner der Veranstaltung waren der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer und der Petersburger Dialog.

Im Wirtschaftspanel betonte Sergej Borisow, Präsident des russischen Mittelstandsverbandes OPORA, sein Interesse an deutscher Unterstützung beim Aufbau eines starken russischen Mittelstandes. Der Mittelstand habe einen Anteil am russischen Bruttoinlandsprodukt von derzeit nur 17 Prozent. Präsident Dmitri Medwedew habe aber das Thema zur Chefsache gemacht. Bis 2020 soll der Anteil der russischen Beschäftigten, die in kleinen und mittelständischen Unternehmen arbeiten, von heute 25 Prozent auf dann 60 Prozent gesteigert werden. Dazu habe eine Regierungskommission, der auch Borisow selbst angehört, im Juni 2008 Vereinfachung für Unternehmensgründer und den Abbau von bürokratischen Hemmnissen beschlossen. Im selben Panel stellte der stellvertretende Gouverneur der Region Kaluga, Maxim Akimow, die erfolgreiche Standortpolitik seiner Behörde vor. Nacheinander ist es in Kaluga gelungen, internationale Konzerne wie VW, Nestle, Volvo, Samsung, und PSA Peugeot Citroen anzusiedeln.

Rund 4600 deutsche Unternehmen haben bereits Niederlassungen in Russland. Das Land hat einen wesentlichen Anteil daran, dass Deutschland auch im Jahr 2008 noch einmal den Titel des Exportweltmeisters wird verteidigen können: Im ersten Halbjahr 2008 stiegen die deutschen Exporte nach Russland um 23
Prozent auf über 16 Milliarden Euro. Gefragt sind insbesondere Maschinen und Anlagen, Autos und Autoteile, Chemische Erzeugnisse, Steuerungs- und Regelungstechnik, Nachrichtentechnik und Elektronik, Gummi und Kunststoffe, Metallerzeugnisse und Nahrungsmittel.

Andreas Metz
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft