Delegation des Ost-Ausschusses in Belgrad

25. Januar 2010

Interview der serbischen Tageszeitung „Politika“ mit Delegationsleiter Klaus Mangold

Am Montag, den 25. Januar, traf eine Delegation des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zu einem zweitägigen Besuch in Serbiens Hauptstadt Belgrad ein. Mit 20 beteiligten Unternehmen ist es eine der größten deutschen Wirtschaftsdelegationen seit der Unabhängigkeit Serbiens. Unter anderem stehen Gespräche mit dem serbischen Präsidenten Boris Tadic und dem Ministerpräsidenten Mirko Cvetkovic auf dem Programm.

Im Vorfeld der Delegationsreise gab Ost-Ausschuss-Vorsitzender Klaus Mangold der serbischen Tageszeitung „Politika“ ein Interview, das wir hier in Auszügen dokumentieren.

Politika: Nach der demokratischen Wende in Serbien war Deutschland zunächst als Wirtschaftspartner Vorreiter in Serbien, später ließ das Tempo jedoch leider etwas nach. Gibt es Anzeichen dafür, dass Deutschland als großer Partner und Investor nach Serbien zurückkehrt?

Mangold: Deutsche Unternehmen haben Serbien nie aus den Augen verloren. Im Jahr 2004 belief sich der Bestand deutscher Direktinvestitionen noch auf 278 Millionen Euro. Nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2007 bewegen wir uns bei rund 1,2 Milliarden Euro. Damit hat sich das Engagement in diesem Zeitraum mehr als vervierfacht. Sie sehen also, der Standort Serbien war und ist für deutsche Unternehmen sehr interessant und deutsche Unternehmen sind verlässliche Partner. Das war auch der Fall zu Beginn des Jahres 2009, als die Energiekrise auch mit Hilfe der deutschen Energieunternehmen für Serbien abgemildert wurde.

Politika: Verfügen Sie über Erkenntnisse darüber, wie deutsche Firmen, die in Serbien aktiv sind, ihre Geschäfte und das Geschäftsklima beurteilen?

Mangold: Die Wirtschaftskrise hat Ost- und Südosteuropa hart getroffen. Leider ist Serbien dabei keine Ausnahme. Mit Blick auf die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Serbien sind wir jedoch zuversichtlich. Am Montag trifft unter meiner Leitung eine deutsche Wirtschaftsdelegation mit Präsident Tadic und verschiedenen Ministern der serbischen Regierung zusammen. Unsere Gespräche sind ein klares Zeichen dafür, dass in Deutschland das Interesse an einer engen Zusammenarbeit groß ist, wie wir sie auch in den letzten Jahren gepflegt haben.

Politika: Inwieweit hat sich Ihrer Meinung nach die Weltwirtschaftskrise auf die Volkswirtschaften in Ost- und Südosteuropa und auf die Attraktivität dieser Region als Investitionsstandort ausgewirkt?

Mangold: Keine Region wurde von der Wirtschaftskrise so hart getroffen wie Osteuropa, was sich auch auf den deutschen Export mit Rückgängen von teilweise 30 bis 40 Prozent niederschlägt. Bedingt auch durch die Schwierigkeiten im Westen sind große Mengen Kapital aus dieser Region abgeflossen. Dadurch wurden Währungen, Bankensysteme und Börsen destabilisiert. An den Standortvorteilen, die Osteuropa den Boom der vergangenen Jahre beschert hat, hat sich jedoch durch die Krise nichts geändert. Der Nachholbedarf ist weiterhin sehr groß, die Modernisierung der Infrastruktur in Osteuropa läuft, auch dank hoher Strukturhilfen der EU oder des IWF etwa für Polen, Rumänien, Bulgarien und Serbien. Moderne Werke sind entstanden, die weltmarktfähige Produkte erzeugen. Vor allem der deutsche Maschinen- und Anlagenbau konnte dadurch profitieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Region nach Überwindung der Krisenfolgen etwa ab Mitte 2010 wieder zu einem Wachstumsmotor auch für die deutsche Wirtschaft werden wird.

Politika: Könnte die Krise auch die Gelegenheit für eine stärkere Verflechtung der Volkswirtschaften der Länder der Region untereinander bzw. der Region mit der EU bieten?

Mangold: Für die deutsche Wirtschaft bietet der Westbalkan als gemeinsamer Wirtschaftsraum ein großes Potenzial. Gerade die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns allen gezeigt, dass mit gemeinsamen Lösungen bessere Ergebnisse erzielt werden können. Regionale Integration, wie die Zusammenarbeit in der CEFTA, ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Baustein zur Überwindung der Folgen der Wirtschaftskrise. Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft unterstützt deshalb die Länder des Westbalkans bei der weiteren Annäherung an die EU und der Intensivierung der regionalen Kooperation, um das Wachstumspotenzial optimal fördern zu können. Die jüngste Visaliberalisierung ist für mich ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Prozess, der die deutsch-serbischen Wirtschaftsbeziehung weiter stärken wird. Zudem hat die serbische Regierung neben der Mitgliedschaft in der CEFTA eine beeindruckende Vielzahl von Freihandelsabkommen abschließen können, die das Investitionspotential zusätzlich stärken.

Ende