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„Ihr seid die Zukunft!“

Mit der nunmehr 20. Generation des Zoran Djindjic Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft kletterte die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf insgesamt über 1000. Foto: Jürgen Scheer
29.06.2023
Jubiläumsempfang des Zoran Djindjic Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans in Berlin

Das Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans feierte am 29. Juni in der Repräsentanz der Commerzbank am Brandenburger Tor seinen 20. Geburtstag. Die 63 Stipendiatinnen und Stipendiaten der aktuellen Generation und zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Förderinstitutionen und der Politik würdigten den Erfolg des Programms und richteten den Blick in die Zukunft. Das Stipendienprogramm war 2003 vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiiert worden.

Es kommt selten vor, dass der wichtigste Gast des Abends gar nicht auf der Gästeliste steht; nicht stehen kann: Es ist jetzt etwas mehr als 20 Jahre her, dass Zoran Djindjic, Ministerpräsident Serbiens und großer Hoffnungsträger für die demokratische Entwicklung einer ganzen Region, in Belgrad auf offener Straße durch einen Attentäter erschossen wurde. Dieser schicksalhafte 12. März 2003 schlug damals nicht nur in der europäischen Politik, sondern auch in der deutschen Wirtschaft hohe Wellen. Djindjic, der in den 1970er Jahren im kommunistischen Jugoslawien als Mitglied einer oppositionellen Studentengruppe inhaftiert worden war und nach seiner Freilassung Philosophie im Exil in Frankfurt am Main und Konstanz studiert hatte, warb als serbischer Ministerpräsident ab Januar 2001 entschlossen für eine EU-Annäherung seines Landes und setzte dabei große Hoffnungen auf Deutschland. Zu den frühen Unterstützern Djindjics gehörte der damalige Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold, der die Reformagenda des serbischen Ministerpräsidenten im Rahmen von Ost-Ausschuss-Veranstaltungen bekanntmachte.

Unmittelbar nach dem tragischen Tod des Hoffnungsträgers initiierte Mangold zusammen mit der damaligen Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ein Programm für Praktikantinnen und Praktikanten aus Djindjics Heimatland Serbien, um dessen Eintreten für Verständigung und internationale Zusammenarbeit fortzuführen. Entwickelt wurde ein Programm, das Studierenden und jungen Graduierten eine Weiterbildung im Rahmen von drei- bis sechsmonatigen Praktika in Deutschland ermöglichte. Ende 2003 folgte eine erste Ausschreibung für Serbien. Im Rahmen von zwei Erweiterungsrunden 2007 und 2009 wurde das Programm auf Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, Montenegro sowie Nordmazedonien ausgedehnt.

Weggefährten Zoran Djindjics

Klaus Mangold war es auch, der in der Berliner Commerzbank-Repräsentanz den Jubiläumsempfang zu 20 Jahren Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft mit seiner Rede eröffnete. Mangold beschrieb seine enge Verbundenheit mit Djindjic, die dramatischen Ereignisse rund um das Attentat und schlug den Bogen weiter zu den jungen Stipendiatinnen und Stipendiaten: „Zoran Djindjic war ein Symbol für Hoffnung, für die Zivilgesellschaft, für die Menschenrechte und auch für die Wirtschaft. Jetzt ist es an uns, sicherzustellen, dass er nicht vergessen ist“, so Mangold. „Zoran Djindjic hat verstanden, dass nur durch eine gemeinsame Sprache und Verständnis eine gemeinsame Zukunft aufgebaut werden kann.“ Das Stipendienprogramm habe dazu beitragen, diese gemeinsame Sprache zu entwickeln. Nach nunmehr 20 Jahren könne man stolz auf das Erreichte sein. Den aktuellen Jahrgang ermutigte Mangold, das Leben beherzt in die eigenen Hände zu nehmen, die sich bietenden Chancen zu nutzen, Freundschaften zu schließen und im Sinne von Zoran Djindjic zu Frieden und Entwicklung in der Region beizutragen. „Ihr seid die Zukunft Eurer Länder!“

Mit Professor Goran Pitic, Mitgründer der Zoran Djindjic Foundation, ergriff danach ein enger, politischer Weggefährte Zoran Djindjics das Wort. Pitic war nach dem Sturz des serbischen Diktators Slobodan Milosevic 2001 Mitglied in der von Djindjic angeführten ersten demokratischen Regierung Serbiens. Die Zoran Djindjic Foundation ist enger Partner des Ost-Ausschusses bei der Durchführung des Stipendienprogramms. „Sie sind der Beweis, dass alles möglich ist, dass selbst tragische Ereignisse überwunden werden können“, rief Pitic den sichtlich berührten Stipendiatinnen und Stipendiaten zu. „Wir haben noch viele Dinge zu erreichen. Ich habe aber keine Zweifel, dass Sie diese Veränderungen erreichen können.“ Pitic schloss seine Rede mit der Hoffnung, dass alle Länder des Westlichen Balkans in naher Zukunft Teil der Europäischen Union werden.

Unter den 260 deutschen Unternehmen, die bislang Praktika für das Stipendienprogramm angeboten haben, zählt die Commerzbank zu den aktivsten. Commerzbank-Vorstandsmitglied Dr. Marcus Chromik betonte als Gastgeber der Veranstaltung nicht ohne Stolz, dass sein Haus passend zum Jubiläumsjahr die Praktikanten Nummer 19 und 20 begrüßen könne. Das Zoran Djindjic Programm sei etwas ganz Besonderes, denn es gehe hier nicht um „brain drain“, also den Gewinn von Fachkräften für Deutschland, sondern um „brain gain“, also die Hebung des Ausbildungsniveaus in der Region. Durch die früheren Stipendiatinnen und Stipendiaten habe die Commerzbank ein hervorragendes Netzwerk in die Länder des Westlichen Balkans aufbauen können. Als Verantwortlicher für Risk Management in der Commerzbank richtete Chromik den Blick nach vorne. Für die Zukunft erwarte er weiter steigende Risiken durch unerwartete und komplexe Ereignisse wie die Corona-Krise oder den russischen Krieg in der Ukraine. Daher käme es jetzt auf die Verbesserung der Krisenresilienz von Volkswirtschaften und die Stärkung der Demokratie an. Hier seien die jungen Stipendiatinnen und Stipendiaten für ihn große Hoffnungsträger.

Ähnlich äußerte sich anschließend auch Volker Oel, Direktor unter anderem für Südost- und Osteuropa im BMZ. Sein Ministerium unterstütze das Programm der Deutschen Wirtschaft deshalb, weil es ein wichtiger Baustein für die regionale Entwicklung und damit ein „perfect match“ zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor sei. „Jeder einzelne von Ihnen bringt die Region ein bisschen näher an Deutschland und die Europäische Union heran. Sie sind die Multiplikatoren der Europäischen Idee“, wandte sich auch Oel an die 20. Generation des Stipendienprogramms. Er dankte neben den Organisatoren des Programms vom Ost-Ausschuss und der Djindjic Foundation, insbesondere auch den Botschaften und Regierungen der beteiligten Länder für ihre Unterstützung.

Intensive Alumni-Arbeit

Abschließend fand ein Jubiläumsfilm zu 20 Jahren Stipendienprogramm seine Uraufführung. Er gewährte über die Festreden hinaus einen Blick hinter die Kulissen des Programms und stellte neben der Arbeit der Stipendiatinnen und Stipendiaten in den Unternehmen insbesondere auch die umfassende Alumni-Arbeit vor, in die Ost-Ausschuss-Programmdirektorin Antje Müller mit ihrem Team kontinuierlich die aktuellen und früheren Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbezieht und ihnen dadurch weit über die Zeit des Praktikums hinaus Zugang zu Fortbildungen und Vernetzungstreffen ermöglicht. Zu den Superlativen in 20 Jahren Stipendienprogramm gehört, dass bereits über 1.000 junge Menschen aus den sechs Ländern des Westlichen Balkans sowie Kroatien Teil des Alumni-Netzes geworden sind. Jährlich bewerben sich etwa 800 bis 1000 Kandidatinnen und Kandidaten auf die 70 angebotenen Plätze. Bis heute durchliefen dabei mehr als 23.000 junge Menschen aus der gesamten Region den Auswahlprozess für ein Stipendium.

Andreas Metz,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Ansprechpartner

Antje Müller
Programmdirektorin
Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans
T.+ 49 30 206167-137
A.Mueller@oa-ev.de

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