Ost-Ausschuss in Sarajevo und Banja Luka

20. Oktober 2017

Wirtschaftliche Erholung steigert Interesse an Investitionen in Bosnien und Herzegowina / Delegation des Ost-Ausschusses reist nach Bosnien und Herzegowina.

Vom 18. bis 20.Oktober 2017 reiste eine Delegation des Ost-Ausschusses unter Leitung des Geschäftsführers Michael Harms nach Bosnien und Herzegowina. Ziel war es, in Gesprächen mit Unternehmensvertretern und Vertretern der verschiedenen politischen Strukturen sowie der Wirtschaftskammern die aktuellen Themen der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und Perspektiven der Zusammenarbeit zu erörtern.

Das Westbalkanland Bosnien und Herzegowina ist in den vergangenen Jahren als Handelspartner und Investitionsstandort für deutsche Unternehmen immer interessanter geworden. Mehr als 250 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind inzwischen im Land engagiert. Während sich die wirtschaftliche Erholung in Bosnien und Herzegowina 2017 bereits das dritte Jahr in Folge fortsetzte und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) aktuell ein Wachstum von etwa drei Prozent prognostiziert, erreichte der bilaterale Warenaustausch in der ersten Hälfte 2017 einen Wert von 760 Millionen Euro und stieg damit im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 21 Prozent. Die Chancen stehen also gut, dass  das Handelsvolumen des Jahres 2016 von 1,4 Milliarden Euro im laufenden Jahr übertroffen wird.

Acht Unternehmen aus den Branchen Telekommunikation, IT, Chemie und Verteidigung waren der Einladung des Ost-Ausschusses nach Sarajevo und Banja Luka gefolgt. Begleitet wurden die Termine vom zuständigen Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium Helge Tolksdorf und dem Vertreter des Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Sarajevo Martin Garber. Die Reise stellte eine Fortsetzung der Gespräche dar, die der Ost-Ausschuss im Juni 2016 mit der Präsidentschaft des Landes anlässlich ihres Besuches in Berlin sowie im Rahmen der bilateralen Wirtschaftskonferenz im Mai 2017 ebenfalls in Berlin führte. Im Vorfeld der Wirtschaftskonferenz im Mai hatten sich beide Seiten zudem bereits auf die Gründung einer Ständigen Arbeitsgruppe unter Federführung der Regierungen beider Länder geeinigt, deren erste reguläre Sitzung am 8. November 2017 in Sarajevo stattfinden wird. Der Ost-Ausschuss beteiligt sich aktiv an der Durchführung der Sitzung und wird auch die im Rahmen der Reise angesprochenen Themen der Unternehmen einbringen.

Zum Auftakt der Reise lud Botschafterin Christiane Hohmann die Delegation zum Mittagessen und Hintergrundgespräch in ihre Residenz ein. Gerade vor dem Hintergrund der hochkomplexen politischen Verfasstheit des Landes, die sich auch im Delegationsprogramm widerspiegelte, war dieses Gespräch eine wertvolle Vorbereitung der nachfolgenden Gespräche. Gleichzeitig konnte sich so die Botschaft einen ersten Überblick über die anzusprechenden Themen seitens der deutschen Wirtschaft machen. Es folgten Treffen mit dem Wirtschaftsberater des amtierenden Präsidenten Bosnien und Herzegowinas, dem Vorsitzenden des Ministerrates von Bosnien Herzegowina, dem Premierminister der Föderation Bosnien und Herzegowinas in Sarajevo und der Premierministerin der Republika Srpska von Bosnien und Herzegowina in Banja Luka.

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Die deutschen Unternehmen, das zeigte sich in den Gesprächen, sind sehr an einem Ausbau ihres Engagements im Land interessiert, wünschen sich dazu aber eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen. Dazu gehören der konsequente Kampf gegen Korruption ebenso wie die Steigerung der Transparenz von Verwaltungs- und Ausschreibungsverfahren. Auch eine Verbesserung der Rechtssicherheit und der weitere Ausbau der Infrastruktur seien Voraussetzungen für die Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen und der Investitionsentwicklung. Einen besonderen Akzent setzen die Unternehmen auf das Thema Aus- und Weiterbildung. Zunehmend schwierig gestalte sich die Suche nach qualifizierten Fachkräften, trotz einer weiter hohen Arbeitslosenquote insbesondere unter Jugendlichen. Gemeinsame Initiativen seien in diesem Zusammenhang von größter Wichtigkeit und die Aktivitäten der Delegation der Deutschen Wirtschaft willkommen. Mit Blick auf die Nachbarschaft Bosnien und Herzegowinas unterstrich Harms ausdrücklich das Interesse der deutschen Wirtschaft an einer engeren regionalen Kooperation der Länder der sogenannten Westbalkan Sechs: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft