Wachstumschancen durch regionale Zusammenarbeit

27. Oktober 2016

Regionale Wirtschaftskonferenz für den Westbalkan in Budva diskutierte Stand der Reformen in der Region

Gemeinsam mit dem Präsidenten Montenegros Filip Vujanovic eröffneten am 27. Oktober Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms und der Präsident der Wirtschaftskammer Montenegros Velimir Mijuskovic die regionale Wirtschaftskonferenz für den Westbalkan. Mehr als 450 Teilnehmer aus der gesamten Region des sogenannten Westlichen Balkans und Deutschland waren der Einladung nach Budva gefolgt, um im Rahmen der Konferenz unter dem Titel „Development Perspectives of the Western Balkans“ die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen zu diskutieren.

Bereits zum zweiten Mal organisierten der Ost-Ausschuss und die Wirtschaftskammer Montenegros diese regionale Konferenz, die mit einem Panel der Wirtschaftsminister der Region sowie einer anschließenden Diskussion der Präsidenten der Wirtschaftskammern eröffnet wurde. Diese Aktivitäten sind Teil des von Bundeskanzlerin Angela Merkel 2014 angestoßenen Berlin-Prozesses, der die Zusammenarbeit der Staaten des westlichen Balkan mit der EU verstärken soll.

Seit dem EU-Gipfel in Thessaloniki im Jahr 2003 haben sich die Länder des westlichen Balkans durch die dort in Aussicht gestellte EU-Mitgliedschaft zu interessanten Investitionsstandorten für die deutsche Wirtschaft entwickelt. „Die Aussicht, einmal Teil des größten Wirtschaftsraums der Welt zu sein, macht Ihre Länder zu interessanten Investitionsstandorten“, so Harms in seiner Eröffnungsrede. Mehr als die Hälfte ihres Warenaustausches realisieren die Länder schon heute mit der EU, wobei Deutschland zu den wichtigsten Handelspartnern zählt. Im Jahr 2015 betrug der Wert der zwischen Deutschland und der Region einschließlich Kroatiens gehandelten Waren 11,7 Milliarden Euro und stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 15 Prozent.

Ziel war es, im Rahmen der Konferenz eine offene Bestandsaufnahme vorzunehmen, welche Reformprozesse in der Region aus Sicht der Unternehmen bisher gut laufen und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. So diskutierten Vertreter deutscher Unternehmen mit beträchtlichen Investitionen in der Region ihre Erfahrungen und Erwartungen an die Politik und Experten in einem zweiten Panel notwendige Strukturreformen.

Neue Einkaufsinitiative gestartet

Am Morgen des zweiten Konferenztages hatten Frühaufsteher die Chance zur Teilnahme am „Early bird workshop“, in dem Unternehmen und Kammervertreter mehr zu den Ergebnissen der Einkaufsinitiative des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erfahren konnten, die als Ergebnis des Gipfels in Berlin gestartet worden ist.

Den zweiten Konferenztag eröffnete ein Gespräch zwischen Premierminister Milo Djukanovic und dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Montenegros Mijuskovic. Mit den Panels zu Energie und Transportinfrastruktur wurden die Themen der Westbalkan-Gipfel von Wien und Paris aufgegriffen. Diskutiert wurde der aktuelle Stand der Umsetzung der dort getroffenen Vereinbarungen ebenso wie Potenziale im Bereich Wind- oder Wasserkraft. Bildung und kommunale Infrastruktur sind zwei weitere Themen, die bei den Unternehmen und der Politik ganz oben auf der Agenda stehen, insbesondere mit Blick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitig fehlenden jungen Fachkräften. Diskutiert wurde die Frage, wie theoretische und praktische Ausbildung besser miteinander verzahnt werden können und welche Bedingungen Politik für eine bessere Ausbildung schaffen muss. Großes Potenzial, gerade auch im Hinblick auf Jobperspektiven junger Menschen, liegt in der weiteren Entwicklung der IT-Wirtschaft – nicht ohne Grund wurden unter dem Titel „Creative Economy“ die bereits jetzt gestarteten Aktivitäten erörtert.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft