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Tourismusboom beflügelt Albanien

Begrüßungsrede von Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Foto: A. Metz
30.04.2026
150 Interessierte bei der Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz in Berlin / Impulse für Investitionen, EU-Integration und nachhaltiges Wachstum

Albanien gehört europaweit aktuell zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften. Beflügelt werden die Aussichten durch stark steigende Touristenzahlen und die angestrebte EU-Mitgliedschaft: Bis Ende 2027 will das Land alle Beitrittskapitel erfolgreich bearbeitet haben. Entsprechend groß war das Interesse an der Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz in Berlin. Am 30. April 2026 kamen rund 150 Interessierte aus Politik, Wirtschaft und Diplomatie ins Haus der Deutschen Wirtschaft, darunter die albanischen Vizeminister für Wirtschaft und Innovation Olta Manjani und Enkelejd Musabelliu sowie Staatssekretär Thomas Steffen vom Bundeswirtschaftsministerium.

Albanien positionierte sich in Berlin als dynamischer und attraktiver Wirtschaftsstandort für deutsche Unternehmen. Das Land punktet dabei durch makroökonomische Stabilität, Reformfortschritte und seine wachsende Integration in europäischen Wertschöpfungsketten und bietet dank Wasserkraft und erneuerbarer Energien eine emissionsarme Stromversorgung. Der Kurs Richtung EU-Beitritt dient dabei als Anker für Reformen. Gleichzeitig treiben Investitionen in erneuerbare Energien und Infrastruktur die Transformation weiter voran.

Volker Treier, Vorstandsmitglied der Deutschen Industrie und Handelskammer sprach in seiner Begrüßung im Haus der Deutschen Wirtschaft denn auch von einer Art „Goldgräberstimmung“, die sich in Teilen der albanischen Wirtschaft bemerkbar mache. Vor allem der Tourismussektor boomt und trägt zur dynamischen Entwicklung der Bauwirtschaft und des Dienstleistungssektors bei.

Auch Staatssekretär Steffen hob Albaniens Fortschritte hervor: von Wirtschaftsreformen über Anti-Korruptionsmaßnahmen bis hin zur wachsende EU-Integration. Deutschland unterstütze Albaniens Weg politisch, technisch und finanziell, so der Staatssekretär, der versprach, in nächster Zeit unbedingt einmal Urlaub im Adria-Land zu machen.

Albanien auf Wachstumskurs

Die stellvertretende albanische Wirtschafts- und Innovationsministerin Olta Manjani präsentierte beeindruckende Zahlen: zuletzt rund vier Prozent Wirtschaftswachstum, steigende ausländische Direktinvestitionen, zwölf Millionen Touristen im Jahr 2025 und eine zunehmend diversifizierte Wirtschaftsstruktur. Deutschland habe Albaniens Weg in die Demokratie seit Ende der 1980er Jahre intensiv begleitet und sei weiterhin ein zentraler Partner – insbesondere bei Technologie, beruflicher Ausbildung und Infrastrukturprojekten. Für Oktober 2026 kündigte die Vize-Ministerin erneut ein großes Investitionsforum in Tirana an.

Auch die albanische Botschafterin in Berlin, Aida Sakiqi, unterstrich die langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit und Albaniens Rolle als „verlässlicher Partner im europäischen Netzwerk“ ehe Ricardo Giucci vom German Economic Team die Wirtschaftsentwicklung im 2,4-Millionen-Einwohnerland mit Statistiken unterlegte: Reisten im Jahr 2021 jährlich erst 5,2 Millionen Touristen nach Albanien, hat sich der Wert bis 2025 mehr als verdoppelt. 34 Prozent der Touristen stammt aus der EU, 53 Prozent kommen aus den benachbarten Westbalkan-Staaten. Der Tourismus-Sektor steuert aktuell bereits 5,7 Milliarden Euro oder rund 20 Prozent zum albanischen Bruttoinlandsprodukt bei, das aktuell bei 27,2 Milliarden Euro liegt. Für 2026 erwartet Giucci ein Wirtschaftswachstum von etwa 3,5 Prozent. 73 Prozent der albanischen Exporte gehen in die Europäische Union, was unterstreicht, wie eng das Land bereits auf die EU-Wirtschaft orientiert ist.

Tourismus, Bauwirtschaft und Digitalisierung als Wachstumsmotoren

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms, der das erste Panel zu Infrastruktur, erneuerbare Energien und Industrie moderierte, konnte unter anderem die deutschen Unternehmen Notus Energy und Knauf vorstellen, die das Potenzial Albaniens beschrieben und praxisnahe Einblicke in konkrete Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten gaben. Ein Schwerpunkt der Diskussionen lag auf Albaniens weitreichende Ambitionen im Energiesektor. Das Land ist dank einer Vielzahl von Wasserkraftwerken im gebirgigen Hinterland ein Schwergewicht bei erneuerbaren Energien, insbesondere Solarenergie und modernisiert sein Schienennetz und weitere Elemente der Verkehrsinfrastruktur.

Im zweiten Panel, das Antje Wandelt, Delegierte der deutschen Industrie für die Märkte Albanien, Kosovo und Nord Mazedonien mit Sitz in Skopje, moderierte, standen die Themen ICT, Tourismus und Handel im Mittelpunkt. Ein wiederkehrendes Thema: das Potenzial Albaniens für Nearshoring, getrieben von jungen, gut ausgebildeten und hochmotivierten Arbeitskräften. Der ICT-Sektor in Albanien entwickelt sich rasant. Unternehmen wie Hyretech oder Datamax berichteten von einer jungen, lernstarken Tech-Community, hoher Motivation und guten Rahmenbedingungen für Nearshoring. Herausforderungen wie Datenschutz nach EU-Standards seien lösbar und deutsche Unternehmen zeigten wachsendes Interesse.

Auch der Einzelhandel und der Tourismus wurden als starke Treiber hervorgehoben. Lidl etwa begründete seinen Markteintritt mit stabilen Wachstumszahlen und steigender Kaufkraft. Im Tourismus gehe es zunehmend darum, hochwertige Angebote und nachhaltige Konzepte sichtbar zu machen.

In den anschließenden drei Workshops am Nachmittag ging es dann konkret um die Themen Fachkräfteentwicklung, Investitionschancen und Investitionsschutz sowie um die Agrar- und Lebensmittelindustrie. Deutsche und albanische Unternehmen nutzten die Gelegenheit für intensives Netzwerken.

Insgesamt zeigte die Konferenz, die DIHK, Ost-Ausschuss, BGA und die Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft gemeinsam organisierten, wie dynamisch sich Albanien derzeit entwickelt. Mit Reformkraft, wachsender Wirtschaft und einer jungen Bevölkerung bietet das Land vielfältige Chancen für deutsche Unternehmen, von Energie und Infrastruktur über ICT bis hin zu Tourismus und Landwirtschaft. Albanien ist bereit für den nächsten Schritt und Deutschland ist und bleibt ein engagierter Partner auf diesem Weg.

Claire Bogdanski und Andreas Metz,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Kontakt

Kathrin Enzenhofer 
Assistentin
Regionaldirektion Südosteuropa
T. +49 30 206167-131
K.Enzenhofer@oa-ev.de

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