Direkt zum Inhalt

Mittel- und Osteuropa fängt Exportverluste in den USA und China auf

Foto: Pixabay
13.08.2026
Deutsche Exporte in die Ost-Ausschuss-Region steigen im ersten Halbjahr 2026 um fast elf Milliarden Euro/ Polen bleibt viertgrößter Exportmarkt Deutschlands, Tschechien rückt näher an China heran

Die Wachstumsregion Mittel- und Osteuropa beflügelt die deutsche Exportwirtschaft in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld: Während die deutschen Ausfuhren in die USA und nach China im ersten Halbjahr 2026 zusammen um gut zehn Milliarden Euro zurückgingen, stiegen die Exporte in die 29 Länder des Ost-Ausschusses um fast elf Milliarden Euro auf 154,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem kräftigen Zuwachs um 7,4 Prozent. Damit gleicht die Ost-Ausschuss-Region die Einbußen auf den beiden größten außereuropäischen Märkten mehr als aus.

„Mittel- und Osteuropa hat sich zu einer Schlüsselregion für den deutschen Export entwickelt. Gerade in einer Phase geopolitischer Unsicherheit, fragiler globaler Lieferketten und wachsenden Protektionismus müssen wir die sich dort bietenden Wachstumschancen noch entschlossener nutzen“, sagt die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Cathrina Claas Mühlhäuser zu den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts, die der Ost-Ausschuss für seine Region ausgewertet hat. „Daraus folgt ein klarer politischer Auftrag: Deutschland und die EU müssen den europäischen Binnenmarkt stärken, Handelshemmnisse abbauen, die Verkehrs- und Energieinfrastruktur Richtung Osten ausbauen und die EU-Erweiterung konsequent voranbringen.“

Da im ersten Halbjahr auch die deutschen Einfuhren aus der Region um 2,8 Prozent auf 134,5 Milliarden Euro stiegen, wuchs der Warenaustausch Deutschlands mit Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien um insgesamt 5,2 Prozent auf nun 289 Milliarden Euro und damit dynamischer als der deutsche Außenhandel insgesamt (+4,2 Prozent). Knapp 19 Prozent des gesamten deutschen Außenhandels entfielen im ersten Halbjahr auf die Ost-Ausschuss-Region.

Polen baut Vorsprung vor China weiter aus

Besonders kräftig wuchsen erneut die deutschen Exporte nach Polen. Sie legten im ersten Halbjahr um 4,5 Milliarden Euro oder 9,2 Prozent auf 53,8 Milliarden Euro zu. Als viertwichtigster deutscher Absatzmarkt setzt sich Polen damit weiter von China ab, das mit 36,3 Milliarden Euro nur noch Rang neun belegt. Die deutschen Ausfuhren nach Tschechien kletterten sogar um 14 Prozent (+3,7 Milliarden Euro) auf 30,3 Milliarden Euro, nur noch sechs Milliarden Euro weniger als die Lieferungen nach China. Deutlich mehr Waren als im Vorjahr konnten deutsche Unternehmen auch nach Ungarn, Rumänien und in die Slowakei exportieren. Diese drei Länder gehören neben Polen und Tschechien zu den 20 wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Zusammen handelte Deutschland im ersten Halbjahr 2026 allein mit diesen fünf Ländern Waren im Wert von fast 232 Milliarden Euro.

„Mittel- und Südosteuropa können China und die USA natürlich nicht ersetzen. Es wird aber höchste Zeit, die große Bedeutung unserer östlichen Nachbarländer für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland zu erkennen. Mit ihren attraktiven Investitionsbedingungen und der wachsenden Nachfrage nach deutschen Produkten ist die Region längst eine tragende Säule unserer Wirtschaft“, sagt Claas Mühlhäuser. „Die Vertiefung und Erweiterung des Binnenmarkts Richtung Osten und Südosten duldet keinen Aufschub. Die jüngsten Fortschritte in den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine, Moldau sowie den Ländern des Westlichen Balkans und die Vorschläge zur Beschleunigung der Beitrittsverfahren müssen jetzt beherzt genutzt werden.“

Südkaukasus und Zentralasien: Chancen wachsen, Exporte bleiben unter Potenzial

Licht und Schatten gab es bei den deutschen Handelsbeziehungen mit dem Südkaukasus und Zentralasien. Die deutschen Exporte nach Aserbaidschan stiegen um 61,7 Prozent und die Importe von dort um 40,8 Prozent. Erst Ende Juli war in Berlin der Vertrag zur Gründung eines Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsrats unterzeichnet worden, an dem sich der Ost-Ausschuss beteiligt. Deutschland bezieht insbesondere Rohöl und seit Januar 2026 auch Erdgas aus dem Land im südlichen Kaukasus, das zudem ein wichtiges Bindeglied bei der Entwicklung neuer Lieferketten mit der Wachstumsregion Zentralasien ist.

Die deutsche Ausfuhr in die beiden größten zentralasiatischen Märkte Kasachstan und Usbekistan war im ersten Halbjahr dagegen rückläufig. Der deutsche Handel mit Kasachstan wuchs im ersten Halbjahr 2026 zwar um ein Viertel auf fünf Milliarden Euro. Getrieben wurde diese Entwicklung aber allein durch deutlich höhere deutsche Importe, auch bedingt durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise.

„Unsere jüngsten Delegationsreisen nach Zentralasien zeigen ein starkes Interesse an einer Vertiefung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen. Wir stehen aber gerade in dieser Region in einem besonders scharfen Wettbewerb“, sagt die Ost-Ausschuss-Vorsitzende. „Die EU muss hier schneller werden: Wir brauchen dringend einen Ausbau der Verkehrsinfastruktur entlang des Mittleren Korridors und vor allem flexiblere und schnellere Finanzierungsmöglichkeiten. Sonst geraten wir angesichts der massiven Konkurrenz aus China, dem Nahen Osten und auch den USA ins Hintertreffen.“

Ukraine-Handel tritt auf der Stelle

Nach Jahren schnellen Wachstums stagnierte der deutsche Handel mit der Ukraine im ersten Halbjahr 2026. Die deutschen Exporte in die Ukraine gingen um 1,4 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro zurück, während die Einfuhren aus der Ukraine um 1,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro stiegen. „Die Unterstützung und der Wiederaufbau der Ukraine bleiben zentrale Aufgaben für Politik und Wirtschaft“, sagt die Ost.Ausschuss-Vorsitzende. „Damit mehr private Investitionen und Exporte möglich werden, braucht es unbürokratische Finanzierungslösungen und faire Beteiligungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen an europäisch finanzierten Wiederaufbauprojekten.“ Dies werde erneut ein wichtiges Thema beim Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum in Berlin am 20. November sein, das der Ost-Ausschuss mit weiteren Partnern organisiert

Russland fällt weiter zurück

Der deutsch-russische Handel setzte seinen Niedergang ungebremst fort: Die deutschen Importe aus Russland brachen um 23,3 Prozent auf nur noch gut eine halbe Milliarde Euro ein, die Exporte nach Russland gingen weiter um 2,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Russland lag damit unter den deutschen Handelspartnern nur noch auf Rang 49. Zum Vergleich: Im Vorkriegsjahr 2021 zählte Russland noch zu den 15 wichtigsten Handelspartnern Deutschlands.

Die detaillierten Handelszahlen für das 1. Halbjahr 2026 finden Sie unten zum Download

Kontakt

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation
C.Himmighoffen@oa-ev.de
Tel: 030-206167-122

Diese Seite teilen: