Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft empfing am 10. März gemeinsam mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš zu einem Arbeitstreffen mit Führungskräften deutscher Unternehmen. Das Treffen fand im Rahmen des Antrittsbesuchs des tschechischen Regierungschefs in Berlin statt. Im Mittelpunkt standen aktuelle Projekte deutscher Unternehmen in der Tschechischen Republik und die Frage, wie die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien weiter ausgebaut werden kann. Tschechien ist Deutschlands zehntwichtigster Handelspartner weltweit und liegt damit vor deutlich größeren Volkswirtschaften wie Spanien, Japan oder Indien. Das östliche Nachbarland ist zudem ein wichtiger Investitionsstandort für deutsche Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.
„Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Tschechien ist fast einzigartig“, sagte Philipp Haußmann, der stellvertretende Vorsitzende und Sprecher des Arbeitskreises Mittelosteuropa des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, im Vorfeld des Treffens. „Unsere Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten partnerschaftlich zusammen. Beide Länder sind zu einem starken industriellen Kernraum in Europa zusammengewachsen.“
Im Berliner Haus der Wirtschaft diskutierten rund 20 Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen aus den Bereichen Automobilindustrie, Energie, IT, Telekommunikation, Finanzsektor, Baustoffindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Einzelhandel mit dem Ministerpräsidenten über sehr konkrete Anliegen der Unternehmen. Dabei wurden zentrale Zukunftsfragen der europäischen Industrie erörtert – von der Energiepolitik und E-Mobilität über die Rolle der Rüstungsindustrie bis hin zu Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit.
In der Diskussion zeigte sich Babiš kritisch gegenüber dem europäischen Emissionshandel (ETS), der E-Mobilität und dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Seine Botschaft war klar: Die tschechische Industrie steht unter erheblichem Druck – durch die europäische Regulierung ebenso wie durch geopolitische Konflikte. Gleichzeitig warb er eindringlich für einen zügigen Ausbau der grenzüberschreitenden Energie- und Verkehrsinfrastruktur zwischen Tschechien und Deutschland. Dazu gehören die Bahnverbindung zwischen München und Prag, die Autobahnverbindung von Karlsbad über Eger Richtung A93 und Hochspannungstrassen zwischen Tschechien, Bayern und Sachsen. Mehr als 20 Jahre nach dem tschechischen EU-Beitritt bestehen zwischen beiden Ländern immer noch erhebliche Lücken in der grenzüberschreitenden Infrastruktur, wie auch die teilnehmenden Unternehmen bestätigten.
Der bilaterale Handel erreichte 2025 einen neuen Höchststand von fast 116 Milliarden Euro und wuchs damit um mehr als fünf Prozent. Deutsche Unternehmen haben in Tschechien inzwischen über 32 Milliarden Euro investiert und dort rund 350.000 Arbeitsplätze geschaffen. Für Tschechien wiederum ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner: Ein Drittel der tschechischen Exporte geht in die Bundesrepublik. Besonders eng verflochten ist die Industrie beider Länder. Tschechien ist heute der drittgrößte Autoproduzent Europas – ein Erfolg, der eng mit deutschen Herstellern und Zulieferern verbunden ist. Gleichzeitig investieren immer mehr tschechische Unternehmen in Deutschland, etwa in Energie, Stahlindustrie und im Handel.
Bei den deutschen Importen rangiert Tschechien weltweit auf Platz sieben – ein Zeichen der Wettbewerbsstärke tschechischer Produkte und der Bedeutung des Landes als Zulieferstandort. „‚Made in Czechia‘ ist ein Gütesiegel für Zuverlässigkeit, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Haußmann. „Gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten sind die kurzen Lieferwege zwischen Deutschland und Tschechien ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit und Resilienz der deutschen Industrie.“
„Wir sind zuversichtlich, die erfolgreichen deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen auch mit der neuen Regierung fortsetzen zu können“, sagte Haußmann. Es gehe jetzt darum, zentrale Zukunftsprojekte weiter voranzubringen – insbesondere in den Bereichen E Mobilität, Energie, Verteidigungsindustrie und beim Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur. Zudem brauche man Tschechien als verlässlichen Partner bei der Unterstützung und dem Wiederaufbau der Ukraine. Das Treffen mit Premierminister Babiš knüpfte an den Dialog an, den der Ost-Ausschuss bereits am 5. Februar mit dem neuen Vize-Ministerpräsidenten und Industrieminister Karel Havlíček geführt hat.
Christian Himmighoffen
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