Wasserinfrastruktur als Schlüsselthema russischer Modernisierung

26. April 2013

Begleitveranstaltung im Rahmen der WASSER BERLIN INTERNATIONAL

Die Wasserver- und Abwasserentsorgung stellt die Russische Föderation in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen. Die föderale Strategie „Reines Wasser“ beschreibt Vorhaben, die die russische Versorgungsinfrastruktur bis 2020 stark verbessern sollen. Welche Maßnahmen geplant sind und wie sich deutsche Unternehmen beteiligen können, darüber informierte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit German Water Partnership e.V., der Messe Berlin GmbH und dem Russischen Verband für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (RAWW) im Rahmen der WASSER BERLIN INTERNATIONAL 2013.

In seiner Begrüßung hob der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses Rainer Lindner die Bedeutung einer modernen Wasserinfrastruktur für die gesamte Modernisierung des Landes hervor. Die voranschreitende Urbanisierung, die zunehmende Industrialisierung, der steigende Energiebedarf und der weltweite Klimawandel machten auch in der Russischen Föderation neue Strategien zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit notwendig. Gefragt seien innovative Lösungskonzepte, neue energieeffiziente Technologien sowie ein nachhaltiges Wassermanagement. Gerade die Fußball-Weltmeisterschaft 2018, die in elf Städten Russlands angepfiffen wird, verlange eine moderne Wasser- und Abwasserinfrastruktur.

Elena Dovlatova, Geschäftsführerin des Russischen Verbands für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (RAWW), hob in ihrem Vortrag die Besonderheiten Russlands hervor. Unternehmen, die in Russland aktiv werden wollten, müssten sich an die russischen Gegebenheiten anpassen. Dovlatova stellte zwei neue Gesetzesinitiativen im Bereich der Wasserwirtschaft vor, die sich an den europäischen Gesetzen orientieren. Zum einen werde das neue Gesetz zur Ökologischen Umgebung in der Russischen Föderation eine immense Rolle spielen. Zum anderen habe der Verband bei der Vorbereitung des föderalen Branchengesetzes zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung beigetragen. Dieses Gesetz werde die Branche in Russland entscheidend professionalisieren, so Dovlatova.

In weiteren Vorträgen der Tagung wurden die Themen der Zertifizierung, der öffentlichen Ausschreibungen sowie der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Abwasserwirtschaft dargestellt. 

Gerade die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind auch in Russland, einem Land mit immensen Energieressourcen, auf der Agenda nach oben gerückt. Allein die Modernisierung der russischen Infrastruktur unter diesen Gesichtspunkten eröffne deutschen mittelständischen Unternehmen große Chancen. Viele Milliarden Euro werden aus dem Staatshaushalt der Russischen Föderation im Rahmen der Umsetzung der föderalen Strategie „Reines Wasser“ investiert. Kleinere Teile sollen zudem aus den Budgets der Regionen finanziert werden. Privates Engagement wird in der Strategie zusätzlich explizit gefordert.

Wie man sich an den öffentlichen Ausschreibungen beteiligen kann, beschrieb die Leiterin der St. Petersburger Büros der Anwaltskanzlei Beiten Burkhardt Natalia Wilke. Am Einsatz russischsprachiger Mitarbeiter führt dabei kein Weg vor – die meisten Internetplattformen, auf denen die Ausschreibungen veröffentlicht werden, sind nur in Russisch gehalten. 

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die Themen noch einmal vertieft. Zwei Empfehlungen konnten die deutschen Unternehmen am Ende der Diskussion mitnehmen: Zum einen sollte man sich einen zuverlässigen russischen Partner suchen, wenn man sich auf dem russischen Markt engagieren möchte. Zudem sollte man gemeinsam mit dem russischen Partnerunternehmen frühzeitig auch den Kontakt zum Gouverneur der betreffenden Region suchen.

Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft