Olympische Winterspiele 2014 in Sotschi – Hintergrund und Struktur

15. September 2008

Am 4. Juli 2007 wurde die Stadt Sotschi vom Internationalen Olympischen Komitee zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 gewählt. Zuvor hat sich das Bewerbungskomitee „Sotschi 2014“ unter der Leitung des stellvertretenden Premierministers Alexander Zhukow in einem etwa zwei Jahre dauernden Bewerbungsmarathon für die Wahl Sotschis eingesetzt.

Bereits am 7. Juni 2006 rief die russische Regierung das Föderale Zielprogramm „Ausbau der Stadt Sotschi zum höhenklimatischen Kurort in den Jahren 2006-2014“ ins Leben. Es sieht unter anderem die Errichtung von elf großen Sportanlagen, zwei neuen Abfallbeseitigungsanlagen, die Erweiterung des Flughafens und den Ausbau der Straßen- und Eisenbahnverbindungen sowie Investitionen in Glasfaserleitungen und generelle Verbesserungen der kommunalen Infrastruktur vor. Zudem sollen die Energieversorgungs- und Hotelkapazitäten erweitert werden. Ein Großteil der geplanten Investitionen soll aus dem föderalen Budget finanziert werden, darüber hinaus werden Privatinvestoren angesprochen.

Zur Umsetzung dieses Programms wurde im August 2006 die Direktion für die Entwicklung der Stadt Sotschi eingerichtet. Sie wurde dem Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel unter dem damaligen Wirtschaftsminister German Gref unterstellt. Nachdem die Stadt nun zum Austragungsort der Winterspiele gewählt wurde und Gref Ende September 2007 als Wirtschaftsminister abgelöst wurde, ist die Direktion nicht mehr in Erscheinung getreten. Ihre Aufgaben wurden vom Organisationskomitee „Sotschi 2014“ und GK „Olympstroy“ übernommen.

Die Vorbereitung zu den olympischen Winterspielen wird nun durch ein einheitliches Managementsystem organisiert. Dieses besteht aus dem Präsidentenbeirat, dem Organisationskomitee „Sotschi 2014“ und der Staatsholding „Olympstroy“. Zudem werden die Investoren auch von den regionalen Administrationen unterstützt.

Staatsholding „Olympstroy“

Im Oktober wurde die Holding von der Duma mit der Abwicklung aller Vergabe-, Planungs- und Baumaßnahmen beauftragt. Das Unternehmen wird als Auftraggeber für öffentliche Investitionsvorhaben auftreten und die Bauausführung kontrollieren. Nach den Winterspielen soll die Holding den Betrieb der Sportstätten und die Nutzung für die Zeit nach der Olympiade organisieren. Zu den weiteren Aufgaben zählen die Auswahl von Subunternehmen und die Gewährleistung der Sicherheit und des Umweltschutzes. Am 17. April 2008 wurde der erste Präsident von Olympstroy, Semjon Wainstock, auf eigenen Wunsch abgelöst. Sein Nachfolger ist Viktor Kolodyazhni, der damalige Bürgermeister der Stadt Sotschi. Mittlerweile hat Kolodyazhni nahezu die gesamte Führungsmannschaft von Olympstroy ausgewechselt.

Seit Frühjahr 2008 ist Olympstroy über die bislang nur russisch-sprachige Internetseite www.sc-olympstroy.ru erreichbar. Die Website ist in erster Linie als Informationsforum für Ausschreibungen vorgesehen und wird laufend aktualisiert. Ferner kann man sich über die schon abgeschlossenen Ausschreibungen informieren und die Protokolle der Auswahlkommission einsehen.

Ausschreibungsbedingungen der SK „Olympstroy“

Angebote für die Teilnahme am Wettbewerb sind in der in den Ausschreibungsunterlagen vorgeschriebenen Form innerhalb eines Monats an den Veranstalter der Ausschreibung zu richten. Wenn das Angebot postalisch versandt wird, gelten als Zeitpunkt der Angebotsabgabe der Tag und die Uhrzeit der Zustellung des Angebots.

Die Bieter haben eine Sicherheitsleistung für die Teilnahme am Wettbewerb zu erbringen (siehe Tabelle am Rand). Die Sicherheitsleistung ist durch Überweisung der jeweiligen Summe auf das Verrechnungskonto des Veranstalters oder durch Beibringung einer Bankgarantie zugunsten von „GK Olympstroy“ zu erbringen.
Bei den Ausschreibungen werden folgende Anforderungen an die Bieter gestellt:

 Vorliegen eines nach ISO 9001 zertifizierten Qualitätsmanagementsystems;

 Vorliegen von Lizenzen (Genehmigungen) für die Durchführung von Baugrunduntersuchungen für Gebäude und Anlagen (Wichtigkeitsstufe I und II) sowie für die Planung derartiger Gebäude und Anlagen;

 der Bieter darf sich nicht in Liquidation oder Umstrukturierung befinden, ein Insolvenzverfahren darf nicht eingeleitet sein;

 es dürfen keine Rückstände bei der Entrichtung von festgelegten Steuern und Abgaben sowie sonstigen Zahlungen an die Haushalte aller Ebenen oder staatliche außerbudgetäre Fonds für das abgelaufene Kalenderjahr bestehen, die 25 Prozent des Bilanzwertes der Aktiva des Bieters nach den Rechnungslegungsdaten zum letzten Stichtag übersteigen.

Organisationskomitee Sotschi 2014

Das Organisationskomitee kümmert sich um Planung und Management der Veranstaltungen, um Einhaltung der IOC-Regeln und beaufsichtigt Planung und Bau der Sporteinrichtungen und der Infrastruktur. Außerdem ist das Komitee zuständig für die Finanzplanung und das Controlling des Sotschi 2014-Budgets. Es erstellt zudem Finanzberichte an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und beschäftigt sich mit der Finanzierung aller Maßnahmen zur Vorbereitung von Sotschi 2014 einschließlich Ausbildung, Kultur und Werbung. Zudem ist das Komitee für den Schutz der IOC-Rechte im Bereich des geistigen Eigentums zuständig. Die Ausschreibungen des Organisationskomitees sind unter www.sochi2014.com einsehbar. Die Seite steht in Russisch, Englisch und Französisch zur Verfügung, wobei die russische Version aktuellere Informationen enthält.

Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft