Die Welt zu Gast in Russland

16. Januar 2013

Ost-Ausschuss informiert auf der BAU 2013 über die Fußball-WM 2018

Noch sind es gut fünf Jahre, bis Russland seine Tore für Fußballfans aus aller Welt öffnet. Doch das Negativbeispiel des Berliner Flughafens BER zeigt, dass Großprojekte sorgfältig geplant werden müssen. Grund genug für den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Messe München GmbH, im Rahmen der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme „BAU 2013“, deutsche Unternehmen über die Planungen zur Fußballweltmeisterschaft in Russland 2018 zu informieren. 

Zum ersten Mal wird die Weltmeisterschaft gleichzeitig in Europa und Asien stattfinden, denn neben den Stadien im europäischen Teil Russlands - in Moskau, St. Petersburg, Kaliningrad, Sotschi, Rostow-am-Don, Wolgograd, Kazan, Nizhnij Nowgorod, Samara und Saransk - wird auch in Jekaterinburg jenseits des Urals gespielt. Dementsprechend hoch sind die geplanten Investitionen in die Infrastruktur. 

In seiner Begrüßung vor rund 80 Teilnehmern betonte der Geschäftsführer der Messe München GmbH Reinhard Pfeiffer die internationale Ausrichtung der BAU 2013. Die Messe lockte in diesem Jahr wieder rund 235.000 Fachbesucher nach München und erreichte damit erneut den Rekordwert von 2011. Bei den internationalen Besuchern wurde erstmals die Marke von 60.000 übertroffen. Besonders starke Zuwächse gab es mit 2.920 Besuchern aus Russland. 

Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, betonte in seiner Rede die zahlreichen Chancen für die deutschen Unternehmen bei der Vorbereitung der Fußball-WM 2018 in Russland. Bis zum Anpfiff müssten zwölf Stadien in elf Städten modernisiert oder neugebaut, Infrastruktur geschaffen und Hotelkapazitäten bereitgestellt werden. Allein für den Ausbau von komfortablen Bahnverbindungen zwischen den Stadien, die eine der größten Herausforderungen der Organisatoren sein dürften, werden nach Angaben des russischen Bahnkonzerns RZhD rund 85 Milliarden Euro benötigt. Für die Sanierung und den Neubau von Stadien und Trainingsplätzen sind weitere 3,5 Milliarden Euro vorgesehen. Und auch die Unterbringungskapazitäten müssen deutlich aufgestockt und den FIFA-Standards angepasst werden. Für deutsche Firmen gelte es bereits jetzt, die Ansprechpartner auf der russischen Seite zu kontaktieren, so Lindner.

Bayrische Unternehmen wollen dabei eine besondere Rolle spielen: Die hiesige Wirtschaft stehe für ein noch stärkeres Engagement in Russland zur Verfügung, versicherte der Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie des Freistaates Bayern Martin Zeil in seiner Begrüßung. Zum einen sei Bayern bereits der größte Handelspartner der Russischen Föderation auf Landesebene, zum anderen habe der fußballbegeisterte Freistaat gleich vier Fußballclubs in der 1. Bundesliga. Besser könnten die Voraussetzungen für eine Kooperation bei der WM-Vorbereitung nicht sein, so Zeil.

Lobende Worte für das bayerische Engagement in Russland fand auch der Ehrengast der Veranstaltung, der Wirtschaftsminister der russischen Ostseeexklave Kaliningrad Wadim Amstel. BMW zähle beispielsweise zu den größten Investoren in der Region rund um das frühere Königsberg. Kaliningrad erhofft sich durch die WM dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur und eine größere Wahrnehmung durch internationale Investoren. Amstels Stellvertreter, Vize-Minister Michail Gorodkow, stellte die bisherigen Planungen der Region zur WM vor und empfahl sich als Ansprechpartner für potenzielle Investoren. Unter anderem plane sein Gebiet die Modernisierung und Vergrößerung des Flughafens sowie die Vertiefung des Hafens, um dem Ansturm der Fans gerecht zu werden. Anlässlich der WM soll zudem die weitgehend brachliegenden Insel im südöstlichen Stadtzentrum neu bebaut werden. Das in Kaliningrad geplante WM-Stadion soll während der WM bis zu 45.000 Zuschauern fassen, nach der WM aber auf eine Kapazität von 25.000 Plätzen zurückgebaut und auch für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt werden. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Unternehmensvertreter und Minister Amstel über den Planungsstand und Kooperationsansätze sowie Nutzungskonzepte und Ausschreibungen. Tim Hupe, Architekt und Partner der OWPlan Group, war bereits bei der Bewerbung Russlands als Berater dabei. Seiner Meinung nach können solche Großprojekte wie die Vorbereitung der WM nur mit internationalen Teams umgesetzt werden. Darüber hinaus seien eine lange Planungszeit und -dichte enorm wichtig. Für Steffen Sendler, Managing Director von Drees & Sommer Russland und GUS, steht die Frage der Nachhaltigkeit und Nachnutzung der erbauten Stadien im Vordergrund. Die Vorbereitungen zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 hätten deutlich gezeigt, dass die hohen Investitionen nur mit einem sinnvollen Nachnutzungskonzept wirtschaftlich vertretbar seien. Aber nicht nur der Frage der Nachnutzung solle man sich frühzeitig stellen. Auch die Frage der Finanzierung müsse zeitnah geklärt werden, sagte Thomas Baum, Partner bei PricewaterhouseCoopers AG. Klar sei bereits jetzt, dass die Budgetmittel nicht für alle Projekte reichen werden. Bereits jetzt müsse man daher über alternative Finanzierungskonzepte wie Public-Private-Partnership (PPP) nachdenken. 

Um zum Zuge zu kommen, müssen deutsche Unternehmen frühzeitig die richtigen Ansprechpartner identifizieren. Neben der föderalen Ebene (Ministerium für Sport) werde vor allem der Kontakt in die Region und die Ausrichtungsstadt wichtig sein, so Wirtschaftsminister Amstel. Daneben werde derzeit in Russland die Einrichtung einer staatlichen Kooperation nach dem Beispiel der Olympstroy geprüft, die als Bauherr und Überwacher bei öffentlichen Aufträgen fungieren könnte. Auch wenn viele Ansprechpartner noch nicht feststehen und die Planungen noch in den Startlöchern stehen – der Ball ist bereits im Spiel.