Deutscher Mittelstand setzt auf Wachstumsmarkt Russland

17. September 2008

Über 500 Teilnehmer beim „Industrietag Russland“ in Dresden

Im Rahmen des „Industrietages Russland“ und als Ergebnis der jüngsten Russlandreise von Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsministers Thomas Jurk im Juli, wurde heute die Gründung eines deutsch-russischen Kompetenzzentrums für Maschinenbau und Produktionstechnik in der Republik Tatarstan beschlossen.

Über 500 Teilnehmer beim „Industrietag Russland“ in Dresden sind ein deutliches Signal: Der deutsche Mittelstand sieht in Russland einen der wichtigsten Zukunftsmärkte der nächsten Jahre. Umgekehrt ist in Russland wachsendes Interesse an deutschen Kooperationspartnern zu spüren: Etwa 70 Teilnehmer und Referenten traten den weiten Weg aus Russland an die Elbe an. Darunter war auch der stellvertretende russische Industrieminister Stanislav Naumov.

„Der „Industrietag Russland“ bietet vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen eine ideale Plattform und vielfältige Kontaktmöglichkeiten“, beschreibt Thomas Jurk, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, das Erfolgsrezept der Veranstaltung. Jurk will nach der gelungenen Premiere nunmehr jährlich einen vergleichbaren Außenwirtschaftstag in Sachsen durchführen. „Neben Forschung und Innovation wird die internationale Ausrichtung des Mittelstandes zu einem immer wichtigeren Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg. Das haben die sächsischen Unternehmer erkannt. Deshalb haben wir im Handel mit Russland gerade das beste Ergebnis seit zehn Jahren erzielt.“

Burckhard Bergmann, stellvertretender Vorsitzender des mitveranstaltenden Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, hob die internationale Signalwirkung der Veranstaltung hervor, die sich auch an dem großen Interesse der Medien insbesondere auch aus angelsächsischen Ländern ablesen ließ. „Angesichts der politischen Verspannungen der vergangenen Monate kommt der Industrietag Russland genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Bergmann erinnerte daran, dass der Ost-Ausschuss 1952 inmitten des Kalten Krieges gegründet worden sei, um damals erste Wirtschaftskontakte mit Osteuropa anzubahnen. „Russland ist heute ein guter Platz zum Investieren. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder sind so gut, wie noch nie zuvor.“ Der Kaukasus-Konflikt habe daran nichts geändert.

Eröffnet wurde der „Industrietag Russland“ am Dienstagabend auf Schloss Albrechtsberg durch den russische Botschafter in Deutschland, Vladimir Kotenev und den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. In seiner Festrede unterstrich Gerhard Schröder die Notwendigkeit, die Außenwirtschaftspolitik Sachsens und Deutschlands, „stärker auf die traditionellen Märkte im Osten“ auszurichten. „Ziel muss es sein, die wechselseitigen Verflechtungen mit Russland in wirtschaftlicher, aber auch in zivilgesellschaftlicher Hinsicht zu vertiefen. Nur so wird es gelingen, Wohlstand und Frieden in Europa zu sichern.“

Der russische Botschafter Vladimir Kotenev lobte die dynamische Entwicklung in den Wirtschaftsbeziehungen. Bereits 4600 deutsche Firmen seien in Russland ansässig. Gleichzeitig warb Kotonev dafür, sich bei Investitionen nicht nur auf die Zentren Moskau oder St. Petersburg zu konzentrieren, schließlich habe Russland 83 Regionen.

Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft hat Russland einen wesentlichen Anteil daran, dass Deutschland auch im Jahr 2008 noch einmal den Titel des Exportweltmeisters verteidigen konnte: Im ersten Halbjahr 2008 stiegen die deutschen Exporte nach Russland um 23 Prozent auf über 16 Milliarden Euro. Rund 4600 deutsche Unternehmen haben bereits Niederlassungen in Russland. Gefragt ist insbesondere deutsche Technik zur Modernisierung der russischen Infrastruktur und der Industrieproduktion. Bereits jede vierte von Russland importierte Maschine ist Made in Germany.

Der „Industrietag Russland“ legte in seinen Panels einen besonderen Schwerpunkt auf die Schlüsselbranchen Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie und Energietechnik. Zudem spielten Forschungskooperationen eine wichtige Rolle. Partner der Veranstaltung sind der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer und der Petersburger Dialog.