“The Western Balkans in 2030 – Visions. Wishes. Realities.“ So lautete der Titel der regionalen Wirtschaftskonferenz, die der Ost-Ausschuss – Osteuropaverein und die Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer am 26. und 27. September in Belgrad gemeinsam organisierten. Mit der Konferenz wagten beide Veranstalter ein Experiment: Gemeinsam mit den Panelisten begab man sich auf eine Zeitreise, um aus der Perspektive des Jahres 2030 die Länder des Westlichen Balkans zu betrachten.
Diskutiert wurde über die wirtschaftliche Entwicklung in der Region, über äußere Einflüsse, erfüllte und nicht erfüllte Erwartungen, Konnektivität, Digitalisierung und die Zukunft der Demokratie. Besondere Aufmerksamkeit erhielt unter dem Titel „From brain drain to brain gain -– Vision or reality?“ die Suche nach Lösungen für den sich verschärfenden Fachkräftemangel, der den in der Region engagierten Unternehmen zunehmend zu schaffen macht.
In einstündigen Runden diskutierten jeweils ein Vertreter von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft miteinander diese Fragen. Die Panelgestaltung verfolgte das Ziel einen stärkeren Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu initiieren. Oftmals separat in den jeweiligen Communities geführte Diskussionen sollten an einem Tisch zusammengeführt werden.
Beachtliche Handelsentwicklung
In seinem Grußwort zur Eröffnung der Konferenz verwies der Sprecher des Länderkreises Südosteuropa im OAOEV Janusz Kulik auf die beachtliche Entwicklung der bilateralen Wirtschaftszusammenarbeit mit den Ländern der Region. So hat sich der deutsche Handel mit den sechs Ländern des Westlichen Balkans von 1,8 Milliarden Euro (2008) auf rund zehn Milliarden Euro (2017) mehr als verfünffacht. In den ersten sechs Monaten 2018 lag der Wert bereits bei 5,4 Milliarden – was eine weitere Steigerung um rund zwölf Prozent bedeutet.
Diese Zahlen zeigen, dass weiterhin erhebliches Steigerungspotenzial zu vermuten ist. Um dieses heben zu können, müsse man gemeinsam an der Verbesserung der Rahmenbedingungen wie etwa Rechtssicherheit, transparente bürokratische Prozesse und Korruptionsfreiheit arbeiten. Vordringliches Ziel ist eine vertiefte regionale Kooperation, darin zeigten sich die Panelisten einig.
Berlin Prozess sorgt für Dynamik
Die Wirtschaftsdynamik hat gerade in den vergangenen Jahren vor allem vor dem Hintergrund des 2014 von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestarteten „Berlin Prozesses“ deutlich zugenommen. Der regionalen Zusammenarbeit sowie dem Annäherungsprozess der Region an die EU weiteren Schwung zu geben, war ein weiteres Ziel der Belgrader Konferenz.
Dass die regionale Zusammenarbeit in der Region deutlich vorankommt, zeigte die Zusammensetzung der Konferenzpanels: Vertreten waren unter anderem die Präsidenten der Wirtschaftskammern Kosovos, Montenegros und Serbiens. Neben Experten aus Politik und Zivilgesellschaft beteiligten sich viele Vertreter deutscher Unternehmen.
Per Livestream konnten auch jene an der Veranstaltung teilnehmen, die nicht nach Belgrad angereist waren. Zusätzlich konnten die Teilnehmer im Saal und im Netz auf elektronischem Wege an Echtzeitumfragen mitwirken und sich am weiteren Diskussionsprozess beteiligen.
15 Jahre Zoran Djindjic Stipendienprogramm
Den Abschluss der regionalen Wirtschaftskonferenz bildeten am 27. September die Feierlichkeiten zum 15-jährigen Bestehen des Zoran Djindjic Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans sowie die daran anschließende regionale Alumnikonferenz des Programms. Das Stipendienprogramm wurde 2003 nach der Ermordung des ersten demokratisch gewählten serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic gemeinsam vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiiert.
Im Rahmen des Programms haben Nachwuchskräfte aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien die Möglichkeit, praxisorientiertes Wissen im Rahmen von Praktika in deutschen Unternehmen in Deutschland zu gewinnen. Studierende und Graduierte der Region können so ihre akademischen Kenntnisse praxisorientiert anwenden, einen Einblick in die marktwirtschaftlichen Strukturen Deutschlands erhalten sowie Deutschland kennenlernen.
Unternehmen bietet das Stipendienprogramm die Möglichkeit, ihre Nachwuchskräfte im Rahmen eines drei – bis sechsmonatigen Praktikums kennenzulernen und für einen Einsatz sowie eine Kooperation im Heimatland auszubilden. In den vergangenen 15 Jahren haben mehr als 700 junge Nachwuchskräfte in mehr als 200 deutschen Unternehmen Praktika absolviert. Sie sind heute vielfach für deutsche Unternehmen in den Partnerländern aktiv und verlässliche Partner der deutschen Wirtschaft.
Ein wesentlicher Bestandteil des Stipendienprogramms ist sein aktives regionales Alumninetzwerk, welches ein branchenübergreifendes Forum zum Austausch darstellt und durch fachspezifische Weiterbildungsmaßnahmen die berufliche Entwicklung der ehemaligen Stipendiaten fördert.
Die regionale Alumnikonferenz in Serbien bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe zu Ehren des Stipendienprogramms und seines Namensgebers. Michael Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung des OAOEV, betonte in seiner Rede in Belgrad: „15 Jahre Stipendienprogramm bedeuten mehr als 700 Erfolgsgeschichten von Nachwuchskräften aus der Region, ein regionales Leuchtturmprojekt der Deutschen Wirtschaft und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, eine praxisorientierte Aus- und Weiterbildung junger und weltoffener Menschen, grenzüberschreitende Freundschaften sowie ein geschaffenes bedeutsames Businessnetzwerk.“
Mehr als 120 Alumni aus allen sieben Partnerländern aller 15 Generationen verliehen der Jubiläumskonferenz eine besondere Bedeutung. Die Alumni setzten sich unter anderem in Workshops mit dem Erbe Zoran Djindjic’s auseinander und arbeiteten an der Weiterentwicklung des regionalen Netzwerkes. Zudem bereiteten sie die Ausschreibungen für die nächste Programmphase vor.
Anja Quiring,
OAOEV-Regionaldirektorin für Südosteuropa
Antje Müller,
Projektleiterin Stipendienprogramm
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