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Ukraine – ein genauerer Blick lohnt sich

03.05.2018
Was tut sich in der Ukraine?

Knapp 50 Teilnehmer verfolgten den offenen und lebendigen Meinungsaustausch, der durch den Geschäftsführer International der IHK Rhein-Neckar Matthias Kruse moderiert und immer wieder auf die konkreten Bedingungen für Unternehmen konzentriert wurde. Unterstützt wurde die Ukraine-Konferenz in Mannheim von der Deutsch-Ukrainischen AHK und dem Ost-Ausschuss sowie den benachbarten IHKs Karlsruhe und Pfalz.

In seiner Einführung verwies der Präsident der Deutsch Ukrainischen AHK Andreas Lier auf die deutlichen Verbesserungen im wirtschaftlichen Umfeld der Ukraine. Insbesondere in den Bereichen Agrarwirtschaft und IT sei das Land in die Reihen der Weltmarkführer vorgestoßen. Gerade die deutlich positive Entwicklung im Agrar- und Ernährungssektor spüre er als Managing Director von BASF Ukraine jeden Tag. Aber auch in der Leicht- und verarbeitenden Industrie seien attraktive Kooperationsmöglichkeiten entstanden, ebenso im Sourcing. Lier ermahnte die Anwesenden, den derzeit günstigen Zeitpunkt für ein Engagement in der Ukraine nicht zu verpassen.

Bernhard Duch, stellvertretender Leiter des Referats Osteuropa (ohne EU) im Bundeswirtschaftsministerium, verwies auf weiterhin bestehende Investitionsrisiken. So müssten die derzeit guten Wachstumszahlen vor dem Hintergrund des tiefen Einbruchs von 2014/2015 gesehen werden; das Niveau der Jahre davor sei noch nicht wieder erreicht. Auch betrug der ungedeckte Finanzbedarf im Staatshaushalt der Ukraine 2017 17 Milliarden US-Dollar. Duch sprach in diesem Zusammenhang von „Hoffnung ohne Illusionen“.

In weiteren Beiträgen wurde vertieft auf Reformergebnisse im Steuer-, Rechts- und Zertifizierungssystem sowie im Bankensystem eingegangen. Insbesondere die in der Ukraine aktiven Unternehmensvertreter zeichneten ein positiveres Bild des Geschäftsklimas im Lande.

Reformergebnisse aus Sicht der Unternehmen

Bernd Wurth, CEO der Deutschen Bank Ukraine und Vorstandsmitglied der DUAHK, lobte die Erfolge bei der Stabilisierung des Bankensystems und würdigte die Arbeit der Nationalbank. Auch seien jetzt Devisentermingeschäfte zur Absicherung des Wechselkursrisikos möglich. Thomas Otten, Gründer von Otten Consulting und ebenfalls Vorstandsmitglied der DUAHK, konstatierte erhebliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen im Steuerbereich in den letzten zwei bis drei Jahren. Steuerprüfungen erfolgten nun streng nach Gesetz, was dazu führte, dass Anwaltskanzleien mittlerweile 90 Prozent weniger Steuerstreitfälle bearbeiten müssten.

Auf unterschiedliche Reformtempi im Land verwies Wolfram Gärtner, Director Legal Area Northern and Eastern Europe von HeidelbergCement. Hier stünde der Osten des Landes noch hinter anderen Regionen zurück. Mit einem aktuellen Überblick über jüngste Veränderungen im Zertifizierungsprozess brachte Petra Wermke als Expertin für Zulassungen und Zertifizierungen eine praktische Note in die Diskussion ein: Insbesondere die Abschaffung der obligatorischen UkrSEPRO-Zertifizierung zum 1. Januar 2018 vereinfache den Konformitätsbewertungsprozess. Auch wenn derzeit europäische Zulassungen und Zertifikate noch nicht anerkannt seien, könnten sie aber als Grundlage für die ukrainische Zulassung dienen. An einer gegenseitigen Anerkennung von Zulassungen und Zertifikaten werde derzeit gearbeitet.

In der Diskussion wurden Themen wie die ersten Auswirkungen der Dezentralisierungsreform auf Unternehmen, Doppelbesteuerung trotz DCFTA, Zahlungsabsicherungen und Zollabfertigungen u.a. besprochen.

Abschließend kündigte Matthias Kruse an, die IHK Rhein-Neckar werde sich der Ukraine wieder stärker zuwenden. Eine Fortsetzung der informationsreichen und gut organisierten Veranstaltung könnte also bald folgen.

Dr. Martin Hoffmann
Regionaldirektor für Osteuropa im Ost-Ausschuss

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