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Unternehmen setzen weiter auf Osteuropa

Die Ost‑Ausschuss‑Vorsitzende Cathrina Claas‑Mühlhäuser bei der Jahresauftakt‑Pressekonferenz. Foto: Ost-Ausschuss
24.02.2026
Osthandel erreicht 2025 über 550 Milliarden Euro/ Polen festigt Rang 4 als Absatzmarkt – Exporte in die Ukraine legen deutlich zu/ Unternehmen planen neue Investitionen in der Region/ Wettbewerbsdruck durch China und die USA nimmt zu

Der Außenhandel Deutschlands mit Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien ist 2025 überdurchschnittlich gestiegen. Das Handelsvolumen mit den 29 Zielländern des Ost‑Ausschusses wuchs um 3,4 Prozent auf gut 550 Milliarden Euro und damit etwas stärker als der deutsche Außenhandel insgesamt (+2,4 Prozent). Das belegen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Gesamtjahr 2025, die der Ost-Ausschuss ausgewertet hat. Eine aktuelle Umfrage des Ost-Ausschusses mit KPMG zeigt zudem, dass deutsche Unternehmen auch für die Zukunft optimistisch nach Mittel- und Osteuropa blicken und dort steigende Umsätze erwarten. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck in der Region vor allem durch China und die USA spürbar zu.

„Mercosur oder Indien mögen in Zukunft wichtig werden – die Gegenwart heißt Mittel- und Osteuropa“, sagte die Ost‑Ausschuss‑Vorsitzende Cathrina Claas‑Mühlhäuser heute bei der Jahresauftakt‑Pressekonferenz des Verbands in Berlin. „Die Region hat erneut einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft geleistet. Und die Wachstumspotenziale sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“ Der Ost-Ausschuss fordert deshalb von der Politik, den EU-Binnenmarkt zu vertiefen, die Integration der Westbalkanländer, der Ukraine und Moldaus voranzutreiben und die Beziehungen mit Zentralasien auszubauen. „Ein starker, hindernisfreier Binnenmarkt, eine zügige EU‑Erweiterung und der Brückenschlag über den Mittleren Korridor nach Zentralasien sind der Dreiklang für mehr Wettbewerbsfähigkeit der EU“, so Claas‑Mühlhäuser weiter.

Fast jedes fünfte deutsche Exportgut geht nach Osteuropa

Insgesamt erhöhten sich die deutschen Exporte in die Ost-Ausschuss-Region um 3,3 Prozent auf 288 Milliarden Euro. Fast jedes fünfte deutsche Exportprodukt geht in die Länder dieser Region, nur jedes 50. in die Mercosur-Staaten und nach Indien. Allein die Ausfuhren nach Polen und Tschechien legten im Vorjahr um fast neun Milliarden Euro zu, gefolgt von Slowenien, Rumänien und Kroatien. Besonders erfreulich: Die deutschen Exporte in die Ukraine stiegen 2025 um gut eine Milliarde Euro (+12,5 Prozent).

Die Einfuhren aus Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien kletterten um 3,6 Prozent auf 262 Milliarden Euro. Belarus (-63 Prozent) und Russland (-13 Prozent) waren aufgrund der Sanktionen erneut die großen Verlierer im deutschen Osthandel. Die Rückgänge dort werden aber durch die starken Ergebnisse in Mittel- und Südosteuropa mehr als ausgeglichen.

„Das starke Ausfuhrwachstum insbesondere in die östlichen EU-Staaten unterstreicht die große Bedeutung der EU-Mitgliedschaft dieser Länder für die deutsche Wirtschaft“, erläuterte Claas-Mühlhäuser. Der Ost-Ausschuss plädiert daher für mehr Flexibilität bei der künftigen EU-Erweiterung etwa durch partielle Mitgliedschaften und längere Übergangsfristen. „Wir müssen den europäischen Binnenmarkt zügig um neue Länder erweitern“, sagte die Ost-Ausschuss-Vorsitzende. „Die wirtschaftliche Integration kann bereits erfolgen, ehe die Beitrittskandidaten sämtliche Verhandlungskapitel abgeschlossen haben und das volle Stimmrecht in allen EU-Belangen erhalten.“

Unternehmensumfrage mit KPMG: Expansion statt Verlagerung

Eine im Dezember und Januar gemeinsam mit KPMG durchgeführte Ost-Ausschuss-Umfrage unter 115 deutschen Unternehmen im Ost‑Geschäft bestätigt die wachsende Bedeutung Mittel- und Osteuropas. 63 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den nächsten fünf Jahren einen steigenden Anteil der Region an ihrem Umsatz. 39 Prozent sehen die Region auf Sicht als einen ihrer wichtigsten Beschaffungsstandorte weltweit, und 41 Prozent planen innerhalb der nächsten zwölf Monate Investitionen dort.

„Die Unternehmen wollen dabei vor allem ihr Geschäft ausbauen, nicht abwandern“, betonte der stellvertretende Ost‑Ausschuss‑Vorsitzende Philipp Haußmann auf der Pressekonferenz. „70 Prozent der befragten Unternehmen schließen eine Produktionsverlagerung aus Deutschland kurzfristig aus, nur vier Prozent haben konkrete Pläne.“ Als größte Herausforderungen nannten die Unternehmen politische und Sicherheitsrisiken (60 Prozent).

Polen als Tempomacher – Ungarn mit Handlungsbedarf

Polen hat sich als viertgrößter Absatzmarkt Deutschlands vor Italien und China etabliert. Die deutsche Güterausfuhr nach Polen überstieg die Lieferungen nach China um fast 19 Milliarden Euro. Das östliche Nachbarland entwickelt sich über den starken bilateralen Handel hinaus zu einem Innovationspartner bei Digitalisierung, anspruchsvollen Produktionsprozessen und der grünen Transformation. Sorge bereitet hingegen Ungarn, wo die Investitionssicherheit in „strategischen Sektoren“ wie Telekommunikation, Banken, Einzelhandel und Baustoffe für ausländische Unternehmen beeinträchtigt ist. Die deutschen Exporte dorthin sind 2025 um 1,6 Milliarden Euro beziehungsweise fünf Prozent gesunken.

„Unabhängig vom Ausgang der Parlamentswahlen im April erwarten wir von jeder ungarischen Regierung, dass die Investitionssicherheit in allen Branchen wiederhergestellt wird“, sagte Philipp Haußmann. „Es geht hier nicht nur um Ungarn, sondern um die Funktionsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts.“

Ukraine: Unterstützung, Geschäft und Nothilfe

„Die Unterstützung der Ukraine bleibt ein Kernanliegen des Ost‑Ausschusses und der deutschen Wirtschaft insgesamt“, betonte die Ost-Ausschuss Vorsitzende Claas-Mühlhäuser mit Blick auf den vierten Jahrestag des Beginns der russischen Invasion. „Trotz des Krieges sind die in der Ukraine aktiven deutschen Unternehmen dem Land treu geblieben, leisten erhebliche Hilfe und investieren strategisch in neue Projekte.“ Die Ergebnisse des deutschen Engagements sind in konkreten Zahlen sichtbar: Neben steigenden deutschen Exporten in die Ukraine hat der Bund seit Kriegsbeginn rund 50 Investitionsgarantien für Vorhaben in der Ukraine übernommen. In der Ost-Ausschuss-Umfrage mit KPMG erwägen 43 Prozent der befragten 115 Unternehmen dort Investitionen – hinter Polen liegt die Ukraine auf Platz zwei unter den bevorzugten Investitionszielen im östlichen Europa. 

Um dem Land im schwersten Winter seit Kriegsbeginn zu helfen, ruft der Ost-Ausschuss zu Material- und Geldspenden auf. Allein im Februar haben sich ein Dutzend Unternehmen gemeldet und beispielsweise Hochleistungsbrenner, Heizkessel, Trafos, Dieselgeneratoren, Komponenten für Windkraftanlagen und logistische Unterstützung angeboten. Durch den Aufruf des Ost-Ausschusses kamen seit Anfang Februar zudem über 300.000 Euro für die Initiative Ukraine2Power zusammen - ausreichend um 4.000 Wohnungen mit Wärme- und Überlebenskits auszustatten.

Wettbewerbsdruck wird größer

In einem herausfordernden geopolitischen Umfeld sind das östliche Europa und Zentralasien strategisch wichtige Wachstumsregionen für die deutsche Wirtschaft: Sie bieten ein innovationsfreundliches Umfeld, hohe Wachstumsraten, Rohstoffe für die Energiewende, Potenzial für erneuerbare Energien und gut ausgebildete Fachkräfte. „Wer heute dort investiert, macht sein eigenes Geschäft zukunftsfest und stärkt die europäische Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Claas-Mühlhäuser.

Die Ost-Ausschuss-Vorsitzende weist aber auch auf den wachsenden Wettbewerbsdruck in Osteuropa und Zentralasien selbst hin, der deutsche Unternehmen vor neue Herausforderungen stelle. China und die USA versuchten verstärkt, Märkte zu besetzen und sich teils exklusive Zugriffe auf Rohstoffe zu sichern. Für 18 der 29 Ost-Ausschuss-Länder sei China heute der wichtigste oder zweitwichtigste Lieferant, Deutschland für 15 Länder.

An die Bundesregierung und die EU appelliert die Ost-Ausschuss-Vorsitzende bei der Mittelvergabe an die Ukraine oder andere Länder die Angebote der deutschen und europäischen Wirtschaft stärker zu berücksichtigen und Ausschreibungen an entsprechende Bedingungen zu knüpfen. „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit Steuergeldern hilft und am Ende dann vorrangig China und andere Länder bei Ausschreibungen zum Zug kommen“, sagte Claas-Mühlhäuser.

Die detaillierten Handelszahlen für 2025 finden Sie nachfolgend als Download.

Kontakt

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation
T. +49 30 206167-122
C.Himmighoffen@oa-ev.de

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