Biomethan ist Biogas aus Agrarreststoffen, Gülle, Abfällen oder Energiepflanzen, das auf Erdgasqualität aufbereitet wird und über das Gasnetz transportiert werden kann. Ob Biomethan aus Osteuropa, vor allem aus der Ukraine, den wachsenden Energiebedarf in Deutschland und der EU decken kann, darüber informierten am 28. Oktober Expertinnen und Experten im Rahmen der Ost-Ausschuss-Unternehmensplattform Grüne Transformation. An der jüngsten Ausgabe der Ost-Ausschuss-Veranstaltungsreihe „Grüner wird´s nicht“ nahmen rund 20 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen teil.
Jens Böhlmann, Direktor Mittelstand und Grüne Transformation im Ost-Ausschuss, führte ins Thema ein und stellte die Referenten vor. Dirk Buschle, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) und früherer stellvertretender Direktor des Sekretariats der Energiegemeinschaft, hält den Export von Biomethan aus Osteuropa nach Deutschland für eine perfekte Verbindung.,. In Deutschland steige die Nachfrage in Verkehr, Gebäuden, Strom und Industrie, getrieben durch Quoten und Förderungen, während das heimische Angebot nicht ausreiche. Die Gasleitungen seien vorhanden, und über die Energiegemeinschaft, die unter anderem die Ukraine, Moldau und die Westbalkanstaaten an den EU-Energiebinnenmarkt heranführt, gebe es einen gemeinsamen Rechtsrahmen. Ukrainisches Biomethan könne dabei helfen, russisches Erdgas zu ersetzen. Für Buschle ist Biomethan aufgrund seiner günstigen Herstellung einer der seltenen, echten „Business Cases“ der Energiewende.
Dass der Handel dennoch kaum stattfinde, liege an der Regulierung. Weil sich Biomethan in der Pipeline mit Erdgas vermische, bräuchten Abnehmer für die Anrechnung auf Quoten einen Nachweis über die gesamte Lieferkette. Diese sogenannte Massenbilanzierung überwachten unabhängige Zertifizierer und Register, in Deutschland das Register Nabisy (Nachhaltige-Biomasse-System) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Lange habe der Zoll ukrainisches Biomethan bei der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) grundsätzlich nicht anerkannt. Mit der Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes 2026 sei die Anerkennung nun gesichert, Voraussetzung sei aber die Nutzung der europäischen Unionsdatenbank (UDB).
Dieses einheitliche Register sei jedoch noch nicht voll einsatzbereit, über den Zugang ukrainischer Produzenten werde noch mit der EU-Kommission verhandelt. Die Hürde sei damit weniger eine regulatorische als eine politische, so Buschle. Er sehe aber den Willen zu einer Lösung, die Kommission überarbeite den europäischen Rechtsrahmen. Biomethan aus der Ukraine sei eine der derzeit interessantesten Investitionsmöglichkeiten im Energiesektor Osteuropas.
Wie sich diese Hürden in der Praxis auswirken, schilderte Adomas Audickas, CEO von MHP Verdant und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender des ukrainischen Agrarkonzerns MHP. Ukrainisches Biomethan erfülle bereits die Anforderungen der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie, und das ukrainische Gasnetz verfüge über große Kapazitäten. Solange MHP keinen Zugang zur UDB habe, könne das Unternehmen sein Biomethan aber nicht einspeisen und auf die deutsche THG-Quote anrechnen lassen. Anders als Produzenten in der EU müsse MHP deshalb physisch liefern und das Biomethan dafür vor Ort verflüssigen, was die Lieferung verteuere. Ein ukrainisches Register für Herkunftsnachweise existiere zwar, könne aber erst nach der Anerkennung durch die EU-Kommission eingesetzt werden. Das Verfahren habe begonnen, werde nach seiner Einschätzung aber mindestens ein Jahr dauern.
Deutschland könne Biomethan aus der Ukraine gut gebrauchen, betonte Florian Willershausen, Geschäftsführer der UAG Energy GmbH aus Leipzig. Das Unternehmen entwickelt Biomethanprojekte in der Ukraine und im Baltikum. Die Höhe der Nachfrage werde vor allem durch Regulierungen bestimmt. Im Straßenverkehr, wo in Deutschland rund 9.000 gasbetriebene Lkw unterwegs seien, sei der Bedarf trotz günstiger Preise wegen der THG-Quote begrenzt, zumal neue Fahrzeuge eher elektrisch oder mit Wasserstoff führen. Hohe Preise zahle hingegen die Schifffahrt für Biomethan, um ihre stark negative CO2-Bilanz zu verbessern. Am stärksten wachsen werde der Einsatz im Gebäudesektor, getrieben durch eine steigende Grüngasquote im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz.
Die heimische Produktion wachse allerdings kaum: Viele Biogasanlagen erzeugten noch Strom unter einer auslaufenden Förderung, eine Umrüstung auf Biomethan scheitere oft an ihrer Größe oder am Netzanschluss. Günstig hergestelltes Biomethan werde so zum knappen Gut, zumal es 2025 nach seinen Zahlen erst 1,9 Prozent des deutschen Gasverbrauchs deckte.
Die Ukraine könne Biomethan hingegen deutlich günstiger produzieren: Auf Maisbasis lägen die Gestehungskosten dort unter 50 Euro pro Megawattstunde, in Deutschland bei rund 100 Euro. Bislang gebe es in der Ukraine aber erst fünf Biomethananlagen, in Deutschland rund 290. Bis 2030 seien nach Einschätzung des ukrainischen Bioenergieverbands die Produktion von bis zu fünf Terawattstunden möglich, bis 2050 könne die Ukraine je nach Schätzung sogar bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr liefern, rund 200 Terawattstunden. Premiumpreise erziele vor allem Biomethan aus Gülle, der Massenmarkt brauche dagegen Rest- und Abfallstoffe.
Dass der Import von Biomethan kaum vorankomme, liege vor allem an fehlender Rechtssicherheit auf Käuferseite. Solange es keine offizielle Bestätigung gebe, dass ukrainisches Biomethan auf die THG-Quote angerechnet wird, kauften Abnehmer nicht. Hinzu kämen Vorbehalte in Brüssel an der Verlässlichkeit der Produktionsnachweise und offene Fragen bei kriegsbedingten Lieferausfällen. Willershausen empfahl, die Ukraine rasch in die Unionsdatenbank UDB einzubinden und ukrainische Mengen bis dahin über Nabisy auf die THG-Quote anzurechnen. Die Ukraine müsse ihrerseits ihre Standards an, die der EU anpassen, die Rückverfolgbarkeit der Mengen stärker kontrollieren und Netzanschlüsse vereinfachen. Neue Anlagen könnten über deutsche Projektgesellschaften mit Abnahmeverträgen und staatlichen Garantien finanziert werden. Ziel sei es, die Ukraine sauber in das europäische Energiesystem zu integrieren, dafür müssten sich beide Seiten bewegen.
In der anschließenden Fragerunde ging es unter anderem um die Konkurrenz zwischen Energiepflanzen und Nahrungsmittelanbau. Wegen der großen Agrarflächen sei dieser Konflikt in der Ukraine geringer als in Deutschland. Dirk Buschle verwies zudem auf die Nachhaltigkeitskriterien der EU-Richtlinie, die solche Probleme ausschließen sollen. Auch die Gasqualität sei bei bisherigen Lieferungen kein Problem gewesen, die Hürden lägen allein bei Anerkennung und Nachweis.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die Ukraine kann Biomethan in großem Umfang und zu niedrigen Kosten liefern, und in Deutschland wächst der Bedarf. Ob daraus ein funktionierender Markt wird, hängt von der weiteren Integration der Ukraine in den EU-Binnenmarkt und vom Zugang ukrainischer Produzenten zur Unionsdatenbank ab.
Aman Magauin,
Abteilung Presse und Public Affairs im Ost-Ausschuss
Jens Böhlmann
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