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Ost-Ausschuss trauert um seinen langjährigen Geschäftsführer

Als Zeitzeuge war Karl-Hermann Fink ein gern gesehener Gast in der Ost-Ausschuss-Geschäftsstelle. Foto: OA-Archiv.
01.07.2026
Karl-Hermann Fink leitete den Ost-Ausschuss in der spannenden Transformationsphase Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre / Begegnungen mit Gorbatschow, Walesa und Castro

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft trauert um seinen langjährigen Geschäftsführer Karl-Hermann Fink, der im Mai im Alter von 88 Jahren in Berlin verstorben ist. Karl-Hermann Fink wurde am 1. August 1937 in Bad Polzin (heute Połczyn-Zdrój), nordöstlich von Stettin geboren. Nach seinem Wehrdienst studierte er Rechtswissenschaften in München, Berlin und Göttingen und absolvierte als Postdoktorand längere Studienaufenthalte an der Lomonossow-Universität in Moskau und an der amerikanischen Yale Universität. Nach einer Zeit als Leiter des Büros für den deutschen Außenhandel bei der Industrie- und Handelskammer im geteilten Berlin übernahm Fink von 1982 bis 1996 unter dem Vorsitz von Otto Wolff von Amerongen die Geschäftsführung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

Finks Amtszeit als Geschäftsführer war geprägt vom Kalten Krieg und den gewaltigen Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa. Diese wurden insbesondere durch die Solidarnosc-Bewegung in Polen und die Politik von Perestroika und Glasnost unter dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren ausgelöst und erweiterten den Aktionsradius des Ost-Ausschusses enorm. Legendär geworden sind die ersten Deutschlandbesuche Gorbatschows im Juni 1989, der damals auch beim Ost-Ausschuss in Köln Station machte, und des polnischen Gewerkschaftsführers und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa im September 1989, der die Spitzen des Ost-Ausschusses in Düsseldorf traf. Den Mauerfall erlebte Fink als Teil einer Ost-Ausschuss-Delegation, die Bundeskanzler Helmut Kohl nach Warschau begleitete, im Juli 1991 gehörte er zu den ersten Deutschen, die den frisch gewählten russischen Präsidenten Boris Jelzin in Moskau trafen.

Nach der Wiedervereinigung etablierte Fink 1991 in der Berliner Uhlandstraße im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums und in Abstimmung mit DIHK und BDI ein Kooperationsbüro, das ostdeutsche Betriebe in der harten Transformationszeit dabei unterstützte, weiter oder wieder auf osteuropäischen Märkten Fuß zu fassen. Das Kooperationsbüro wurde Ende der 1990er Jahre - nach dem Ost-Ausschuss-Umzug von Köln nach Berlin - vollständig in den Ost-Ausschuss integriert und steigerte dessen Schlagkraft erheblich.

Fink leistete zudem Anfang der 1990er Jahre einen unschätzbaren Beitrag zur Etablierung von Repräsentanzen der deutschen Wirtschaft in zahlreichen mittel- und osteuropäischen Hauptstädten. Zur Eröffnung einer Repräsentanz in St. Petersburg – der ersten in ganz Russland - führte er direkte Verhandlungen mit der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Anatolij Sobtschak. Sein direkter Gesprächspartner war dort dessen persönlicher Referent Wladimir Putin. Zudem war Fink der erste Repräsentant der deutschen Wirtschaft, der die unabhängig gewordenen zentralasiatischen Republiken besuchte und erste Verbindungen nach Kasachstan aufbaute.

Familiäre Verbindungen nach Osten

Bis ins hohe Alter blieb Karl-Hermann Fink dem Ost-Ausschuss als Gast bei Veranstaltungen eng verbunden. Dies lag auch an familiären Bindungen nach Russland, an seinem Geburtsort im heutigen Polen und seinem unermüdlichen privaten Engagement für Menschen der Region. Fink ist beispielsweise Mitbegründer der Organisation YPIN, einem Zusammenschluss hochqualifizierter und international aktiver Polinnen und Polen, dessen Ziel es ist, die internationale Ausrichtung und die europäische Integration Polens zu stärken. Auch die Verständigung mit Russland und Israel lag ihm am Herzen. Umso größer war auch seine Enttäuschung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.

2012 trug Fink als Zeitzeuge und Gesprächspartner zur Erstellung einer wissenschaftlichen Publikation zum 60. Geburtstag des Ost-Ausschusses 2012 („Diplomaten der Wirtschaft“) bei. Zehn Jahre später prägte er als Zeitzeuge die Chronik zum 70. Geburtstag des Ost-Ausschusses („OA70 – 70 Jahre in 70 Bildern“) und stellte privates Fotomaterial zur Verfügung. In dieser Zeit 2021/2022 war Fink regelmäßig in der Ost-Ausschuss-Geschäftsstelle zu Gast und faszinierte mit seinen lebhaften Schilderungen von hochrangigen Begegnungen – darunter nicht nur Reisen nach Sibirien, Kasachstan und in die Mongolei, sondern auch Treffen mit Erich Honecker in Ost-Berlin.

Besonders abenteuerlich gestaltete sich Ende der 1980er Jahre eine „geheime“ Reise mit einem Charterjet zu Fidel Castro auf Kuba, der sich dort über Möglichkeiten der Transformation seiner darbenden Wirtschaft beraten lassen wollte. Fink absolvierte diese Reisen gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Wolff von Amerongen. Wie die Bilder belegen, blieb Fink dabei immer der Mann im Hintergrund, der Türen öffnete und Wege für andere bereitete, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. Bis ins hohe Alter beeindruckten seine politische Analysefähigkeit, seine Offenheit und enorme Tatkraft, vor allem aber seine positive Lebenseinstellung und Offenheit auch jüngeren Kollegen gegenüber.

Gerne hätten wir mit Karl-Hermann Fink das 75. Jubiläum des Ost-Ausschusses im nächsten Jahr und dann auch seinen 90. Geburtstag gefeiert. In persona kann er leider nicht mehr anwesend sein, aber er wird uns weiterhin in unseren Gedanken begleiten.

Andreas Metz
Leiter Public Affairs

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