Vertrauen schaffen in der Krise

2. März 2009

Deutsch-Russisches Unternehmertreffen in Moskau

Am 20. Januar fand in Moskau auf Initiative des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft ein Treffen führender deutscher und russischer Unternehmer statt. Ziel der Gespräche war eine Analyse der aktuellen Wirtschaftslage und die Diskussion über Wege aus der Wirtschaftskrise.

Unabhängig von der gedämpften Stimmung an den Wirtschafts- und Finanzmärkten bleibt Russland aus Sicht der deutschen Wirtschaft einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Um die Chancen in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern richtig nutzen zu können, muss Vertrauen in die Verflechtung der deutschen und russischen Industrien und in den bilateralen Handel zurück gewonnen werden. Das durch den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft initiierte Gespräch deutscher und russischer Unternehmer stellte zuallererst ein Bekenntnis zur besonderen Qualität der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen gerade in Zeiten großer Veränderungen dar. Das Treffen hat noch vor der Wirtschaftskonferenz in Davos und dem G 20-Gipfel in London eine deutsch-russische Abstimmung und Problemanalyse der globalen Krise ermöglicht.

Die Begegnung am 20. Januar 2009 in Moskau wurde von Klaus Mangold eröffnet und wurde von Vorträgen des Präsidenten des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn und des Vorsitzenden der Sberbank und früheren russischen Wirtschaftsministers Herman Gref eingeleitet, in denen die Entstehung und Dimension der Wirtschaftskrise beschrieben wurden. Die russische Seite äußerte die Befürchtung, dass die Wirtschaftskrise zu bleibenden Schäden im russischen Wirtschaftssystem führen könne. Durch den Gasstreit mit der Ukraine sei zusätzliches Vertrauen verspielt worden. Der massive Abfluss ausländischen Kapitals aus Russland und die damit verbundene Schwächung des Rubels seien kritische Entwicklungen. Mit Skepsis beurteilten sowohl die deutschen als auch die russischen Unternehmer die Rückkehr des Staates in die Wirtschaft in Form von Unternehmensbeteiligungen und Aufsichtsratsmandaten und diverse protektionistische Maßnahmen der russischen Regierung.

Paradigmenwechsel in Russland

Zu den gemeinsamen Forderungen, die von den deutschen und russischen Unternehmern in der anschließenden Diskussion formuliert wurden, gehört die Verstärkung der internationalen Bankenaufsicht, die Verbesserung der Eigenkapitalausstattung der Banken, die Ausweitung des Instruments der Hermesbürgschaften und die schnelle Verhandlung des russischen WTO-Beitritts und des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens mit der EU. Schwerpunkte der zukünftigen Zusammenarbeit sollen auf die Bereiche Hochtechnologie und Innovationen, Automobil- und Zuliefererindustrie, Logistik, Energie und Energieeffizienz gelegt werden.

Aus der Sicht der russischen Teilnehmer erfordert die Krise einen Paradigmenwechsel des russischen Entwicklungsmodells. Die Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft soll stärker in den Mittelpunkt gestellt, Rohstoffexporte sollen durch Qualitätsprodukte abgelöst werden. Für diesen Paradigmenwechsel ist Deutschland ein bevorzugter Partner Russlands. Vor der heutigen Managergeneration Russlands steht eine historisch neue Aufgabe, den Abschwung zu managen, auch in seiner sozialen Dimension. Hier können Erfahrungen der deutschen Unternehmer genutzt werden.

Dr. Christiane Schuchart
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft