Schlüsselregion zur Sicherung der Welternährung

14. Januar 2010

In Osteuropa lassen sich die Ernteerträge um 80 Prozent steigern / Stellungnahme des Ost-Ausschusses zum Global Forum for Food and Agriculture im Rahmen der Grünen Woche Berlin

„Osteuropa ist eine Schlüsselregion zur Sicherung der Welternährung“, dies erklärte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, anlässlich des Global Forum for Food and Agriculture in Berlin. Russland allein verfüge über mehr Ackerfläche, als alle Länder der EU zusammen. „Mit Pilotprojekten in Osteuropa haben deutsche Agrarunternehmen bewiesen, dass die Ernteerträge dort um 80 Prozent gesteigert werden können. In Russland könnte so die Produktion von Getreide von 100 Millionen auf 180 Millionen Tonnen pro Jahr zunehmen“, rechnete Mangold vor. „Allein dieser zusätzliche Ertrag würde ausreichen, 250 Millionen Menschen zu ernähren.“

Auch die Ukraine, Kasachtsan und Rumänien verfügten noch über erhebliches Steigerungspotenzial. „Ziel des Ost-Aussschusses ist es, die Modernisierungspartnerschaft der deutschen Land- und Ernährungwirtschaft mit diesen Ländern weiter auszubauen.“

Die AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft koordiniert das Engagement der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in Osteuropa. Sie initiierte unter anderem ein Deutsches Agrarzentrum in der Ukraine, in dem moderne Anbaumethoden vermittelt und technische Schulungen durchgeführt werden. „Dieses deutsche Engagement hat Modellcharakter für andere Regionen in der Welt“, sagte Mangold. So sollen ähnliche Landtechnikzentren demnächst auch in Kirgisien, Usbekistan und Äthiopien aufgebaut werden. „Höhere Erträge und damit eine bessere Versorgung der Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Schonung von Ressourcen und Einsparung von Treibhausgasen – in Osteuropa zeigen wir, dass dies machbar ist“, erklärte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende. Gleichzeitig würde durch das deutsche Engagement in Osteuropa Arbeitsplätze in der Heimat gesichert.

Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) ergänzt die Internationale Grüne Woche, die in diesem Jahr zum 75. Mal in Berlin stattfindet. Mit dem GFFA haben Agrarwirtschaft und Politik eine gemeinsame Plattform zur Diskussion der drängenden Zukunftsfragen geschaffen. „Wir wollen mit dem Forum die Grüne Woche auch als wichtigen Treffpunkt für Agrarexperten zur Diskussion globaler Fragen verankern“, erklärte dazu Franz-Georg von Busse, Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.

Im Rahmen des GFFA findet am 16. Januar auch ein Agrarministergipfel statt, zu dem fast 50 Landwirtschaftsminister als aller Welt erwartet werden. Zudem gibt es ein Internationales Wirtschaftspodium (16.1.), eine Koooperationsbörse (16.1.), Länderpodien und eine Reihe weiterer Veranstaltungen. (siehe www.gffa-berlin.de)
Der Ost-Ausschuss organisiert in Berlin unter anderem ein Russland-Podium, ein Ukraine-Podium und ein Rumänien-Podium (alle drei Veranstaltungen am 15.1. im ICC). Unter den Teilnehmern sind der russische Vize-Premier Wiktor Subkow, die russische Landwirtschaftsministerin Elena Skrinnik, der ukrainische Landwirtschaftsminister Juri Melnik, der rumänische Landiwrtschaftsminister Mihail Dumitru und als Gastgeberin die deutsche Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner.

Nach Russland wurden 2008 deutsche Landmaschinen im Wert von 700 Millionen Euro geliefert. „Russland war damit nach Frankreich der wichtigste Exportmarkt für deutsche Landmaschinen und sorgte mit dafür, dass Deutschland zu den größten  Agrarexporteuren weltweit gehört“, erklärte Thomas Kirchberg, Russland-Sprecher der AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss. „Diese Modernisierungspartnerschaft möchten wir weiter forcieren und Russland bei der angestrebten Steigerung seiner landwirtschaftlichen Produktion unterstützen.“

Besorgt zeigte sich Kirchberg über Tendenzen in Russland, den eigenen Agrarmarkt mit Schutzzöllen abzuschotten. Importierte Landtechnik wurde aus dem Nationalen Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft ausgeschlossen und die Zölle auf selbstfahrende  Erntemaschinen wurden stark angehoben. „Maßnahmen, die den Zugang der russischen Landwirtschaft zu modernen Betriebs- und Investitionsmitteln begrenzen, sollten beendet werden. Protektionismus lähmt den Wettbewerb und die Weitergabe von Innovation und ist letztlich zum Schaden aller“, erklärte Kirchberg.