Ost-Ausschuss würdigt Berthold Beitz

1. August 2013

Visionär der Verständigung zwischen West und Ost im Alter von 99 Jahren gestorben

„Mit Berthold Beitz verliert die deutsche Wirtschaft eine herausragende moralische Instanz und einen Visionär der Verständigung zwischen West und Ost“, sagte Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Beitz ist am 30. Juli 2013 im Alter von 99 Jahren gestorben. 

„Als Generalbevollmächtigter des Essener Krupp-Konzerns war Berthold Beitz in den 1950er und 1960er Jahren einer der ersten Unternehmer, der Brücken nach Osteuropa baute, Wirtschaftskontakte wieder herstellte und damit auch anderen Unternehmen den Weg wies“, so Cordes. „Zusammen mit dem 2007 verstorbenen langjährigen Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Otto Wolff von Amerongen war Beitz der wichtigste wirtschaftliche Vorbereiter der Ostpolitik. Beide nutzten als ‚Diplomaten der Wirtschaft‘ ihre Kontakte in die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs, um den Boden für die spätere politische Verständigung zu bereiten.“ 

2010 wurde Beitz auf Initiative des Ost-Ausschusses der Namenspatron für das „Berthold-Beitz-Zentrum – Kompetenzzentrum für Russland, Ukraine, Belarus und Zentralasien in der DGAP“ gegründet, das durch den Ost-Ausschuss und die Deutsche Bank finanziell getragen wird.

Vor allem die Verständigung mit Polen ist untrennbar mit Berthold Beitz verbunden. Im damals polnischen Boryslaw in Galizien hatte Beitz im Zweiten Weltkrieg als Verwalter der dortigen Ölfelder unter Gefahr für das eigene Leben mehrfach hunderte jüdischer Arbeiter vor der Vernichtung in deutschen Konzentrationslagern bewahrt. Ende der 50er Jahre handelte er für die Firma Krupp eines der ersten Entschädigungsabkommen für im Krieg ausgebeutete Zwangsarbeiter aus. 1990 wurde Beitz in Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

„Berthold Beitz Tod ist für die deutsche Wirtschaft ein großer Verlust. Sie verliert einen wichtigen moralischen Kompass und einen engagierten Streiter für die Soziale Marktwirtschaft. Für den Ost-Ausschuss wird Beitz Wirken immer ein entscheidender Wegweiser bleiben“, sagte Cordes.