Ost-Ausschuss: Russland wichtigster Agrarmarkt für Deutschland

14. Januar 2009

Osteuropa kann entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten / Putin auf der Grünen Woche

„Wer nach Wegen zur Sicherung der Welternährung sucht, der kommt an Osteuropa und Zentralasien nicht vorbei.“ Dies erklärte Dr. Franz-Georg von Busse, Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin.

Russland allein verfüge über mehr Ackerfläche, als alle Länder der EU zusammen. Mit 120 Millionen Hektar stelle das Land über neun Prozent der weltweit nutzbaren Ackerfläche, und dies bei einem Anteil von nur zwei Prozent der Weltbevölkerung. „Die deutsche Agrarwirtschaft will mit einer Modernisierungspartnerschaft ihren Beitrag dazu leisten, dieses Potenzial noch stärker auszuschöpfen. So kann modernste Agrartechnik die jährlichen Ernteverluste in Russland in Höhe von 25 Prozent verringern und die Hektarerträge steigern“, rechnet von Busse vor. Auf manchen Flächen seien noch Ertragssteigerungen von bis zu 80 Prozent möglich. Ähnliches gelte für die Ukraine, die über Böden verfüge, die zu den fruchtbarsten weltweit gehören.

Nach Russland wurden 2007 Agrargüter im Wert von 2,7 Milliarden Euro geliefert. „Russland ist damit noch vor den USA der wichtigste Exportmarkt für deutsche Agrargüter und sorgte mit dafür, dass Deutschland nach den USA und den Niederlanden zum drittgrößten Agrarexporteur weltweit aufstieg“, erklärte von Busse.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft setzt sich für die Verabredung einer engen Modernisierungspartnerschaft zwischen Russland und Deutschland im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft ein. Vom Besuch des russischen Premierministers Wladimir Putin am Freitagnachmittag (16.1.) auf der Grünen Woche und seinem Treffen mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel erhofft sich die deutsche Agrarwirtschaft dazu einen wichtigen Impuls. Im Rahmen der Grünen Woche sind auch Gespräche auf Ministerebene zwischen der deutschen und russischen Seite geplant. „Die Einbindung des Agrarthemas in die Strategische Arbeitsgruppe Wirtschaft beider Länder und die Wiederbelebung des Deutsch-Russischen Agar-Ausschusses sind für uns vordringliche Aufgaben“, betonte der Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft des Ost-Auschusses. „Russland, aber auch die Ukraine haben alle Möglichkeiten, zu den führenden Exportnationen für landwirtschaftliche Produkte aufzuschließen und damit die gegenwärtigen Einnahmeausfälle durch niedrige Rohstoff- und Stahlpreise auszugleichen.“ Die deutsche Agrarwirtschaft sei bereit, durch die Lieferung von hochwertigen Agrartechnologien – Saatgut, Pflanzenschutz, Landtechnik und Zuchttiere – einen entscheidenden Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der osteuropäischen Landwirtschaft zu leisten.

Besorgt zeigte sich von Busse über Tendenzen in einigen Ländern wie Russland und der Ukraine, den eigenen Agrarmarkt mit Schutzzöllen abzuschotten. „ Die Gefahr, dass eine Spirale von protektionistischen Maßnahmen in Gang kommt, ist real. Dieser Protektionismus lähmt den Wettbewerb und die Weitergabe von innovativer Technik und ist letztlich zum Schaden aller.“

Der Ost-Ausschuss zählt in Berlin zu den Mitorganisatoren des „Forums Internationale Grüne Woche“ (15. bis 18. Januar), mit der die traditionelle Verbrauchermesse um eine internationale Plattform zum Dialog zwischen Politik und Wirtschaft bereichert wird. „Wir wollen mit dem Forum die Grüne Woche auch als wichtigen Treffpunkt für Agrarexperten zur Diskussion globaler Fragen verankern“, erklärte von Busse. Über 1000 Experten der Agrar- und Ernährungswirtschaft werden erwartet.

Im Rahmen des Forums kommen am Samstag (17. Januar) auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz rund 30 Agrarminister zusammen. Parallel zum Ministertreffen suchen Experten in einer Plenarveranstaltung am Samstag nach Wegen zur Sicherung der Welternährung 2020. Weitere Veranstaltungen des Ost-Ausschusses unter Beteiligung der Agrarminister der jeweiligen Länder betreffen die Ukraine, Moldau, Rumänien und Bulgarien. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter: www.ost-ausschuss.de

Im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft engagieren sich in der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft deutsche Unternehmen erfolgreich für die Modernisierung der Landwirtschaft in Osteuropa und Zentralasien. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Aus- und Weiterbildung von landwirtschaftlichen Fach- und Führungskräften in der Anwendung moderner Agrartechnologien. Hier wurden gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Russland und der Ukraine Schulungszentren aufgebaut, die in der Praxis zeigen, wie durch den fachgerechten Einsatz modernen Saatgutes, von Landtechnik und Pflanzenschutzmitteln die Agrarproduktion nachhaltig gesteigert werden kann. Diese Kooperationsprojekte haben dabei Modellcharakter und zeigen, wie Politik und Wirtschaft im Sinne einer Modernisierungspartnerschaft im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft mit Schwellen- und Entwicklungsländern zusammenarbeiten können.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft führt jährlich eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen, Unternehmerreisen und Konferenzen in und über 22 Länder Mittel- und Osteuropas durch. Die Organisation mit Sitz in Berlin versteht sich als Kompetenzcenter der deutschen Wirtschaft für die osteuropäischen und zentralasiatischen Zukunftsmärkte. Dem Ost-Ausschuss gehören über 100 vor allem mittelständische Unternehmen sowie große Wirtschaftsverbände an.