Ost-Ausschuss-Delegation in Zagreb

12. Oktober 2011

Gespräche mit Präsident Josipovic und Premierministerin Kosor / Task-Force zur Umsetzung gemeinsamer Investitionsprojekte

Am Mittwoch, den 12. Oktober, reiste eine 20-köpfige Ost-Ausschuss-Delegation zu Wirtschaftsgesprächen in die kroatische Hauptstadt Zagreb. Geleitet wurde die Delegation durch den Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Eckhard Cordes (Metro Group). Er wurde begleitet durch den Sprecher des Arbeitskreises Südosteuropa im Ost-Ausschuss Jens-Jürgen Böckel (Tengelmann Group), durch Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner und durch Vertreter von 15 großen und mittelständischen Unternehmen.

Die Delegation traf sich am Mittag mit dem kroatischen Staatspräsidenten Ivo Josipovic. Anschließend fanden Gespräche mit der kroatischen Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und Vizepremierminister Domagoj Milošević statt. Der Besuch stand im Zeichen des bevorstehenden Beitritts Kroatiens zur EU. Die Beitrittsverhandlungen waren im Juni 2011 abgeschlossen worden. Mit der offiziellen Unterzeichnung des Beitrittsvertrages wird für Anfang Dezember gerechnet. Nach Abschluss des Ratifizierungsprozesses könnte Kroatien am 1. Juli 2013 das dann 28. Mitglied der Europäischen Union werden. „Der Ost-Ausschuss unterstützte von Beginn an die Bemühungen Kroatiens zum EU-Beitritt. An der weiteren Integration des Landes in EU-Strukturen werden wir intensiv mitwirken“, sagte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner. I

Im Juni 2010 hatte auf Initiative des Ost-Ausschusses eine große deutsch-kroatische Wirtschaftskonferenz mit 350 Teilnehmern stattgefunden. Im Gespräch mit Premierministerin Kosor wurde jetzt vereinbart zur Umsetzung von gemeinsamen Investitionsprojekten, die mit Unterstützung der kroatischen Regierung realisiert werden sollen, eine Task-Force einzurichten. Dadurch soll ein regelmäßiger Austausch zum Stand der Projekte und bei aufkommenden Problemen die Möglichkeit für schnelle Lösungen gewährleistet werden. Auf deutscher Seite werden in der Arbeitsgruppe Vertreter des Ost-Ausschusses, der AHK Kroatien und des Bundeswirtschaftsministeriums vertreten sein. zudem wurde vereinbart, kurz vor dem EU-Beitritt Kroatiens im Frühjahr 2013 eine weitere deutsch-kroatische Wirtschaftskonferenz durchzuführen.

Zur Delegation des Ost-Ausschusses gehörten Firmen der Branchen Tourismus, Telekommunikation, Landtechnik, Solarenergie, Luftfahrt, Finanzwirtschaft sowie Maschinen- und Anlagenbau. Von Interesse für die deutsche Wirtschaft ist insbesondere die anstehende Modernisierung der kroatischen Infrastruktur. Hier geht es um den Neubau von Kraftwerken, um Investitionen in Verkehrsprojekte und generell um die Steigerung der Energieeffizienz. Kroatien zählt außerdem zu den wichtigsten Tourismuszielen in Europa. Auch für die  energetische Nutzung von Wasser, Wind und Sonne bietete das Land gute Voraussetzungen. Großes Potenzial hat zudem die kroatische Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Wirtschaftlich erholt sich Kroatien schrittweise von einer zweijährigen Rezessionsphase in Folge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Für das laufende Jahr prognostiziert die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ein Wachstum von 1,1 Prozent.

Positiv entwickelte sich zuletzt die Handelsbilanz mit Deutschland, das zu den drei wichtigsten Handelspartnern Kroatiens zählt. Die deutschen Exporte nach Kroatien wuchsen im ersten Halbjahr 2011 um 8,5 Prozent, die deutschen Importe nahmen sogar um 21,5 Prozent zu. Zuletzt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen ihres Besuches in Kroatien Ende August die Bedeutung der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen unterstrichen.