Ost-Ausschuss: Agrar- und Ernährungswirtschaft wird strategischer Schwerpunkt der deutsch-russischen Zusammenarbeit

8. Juni 2009

Gründung einer gemeinsamen Dialogplattform beschlossen 

Im Rahmen des 1. World Grain Forum am 6. Juni 2009 in St. Petersburg vereinbarte Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mit ihrer russischen Amtskollegin Elena Skrinnik eine strategische Zusammenarbeit für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Hierzu soll im Rahmen der Deutsch-Russischen Arbeitsgruppe für strategische Zusammenarbeit (SAG) eine Unterarbeitsgruppe Agrar- und Ernährungswirtschaft eingerichtet werden, die von deutscher Seite von Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im BMELV und Dr. Hagen Duenbostel, Russland-Sprecher der AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, geleitet wird. Die SAG berichtet direkt den Regierungschefs beider Länder und ist damit das wichtigste Gremium für die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Deutschland und Russland.

 Zum 1. World Grain Forum waren auf Einladung des russischen Vizepremiers Viktor Subkow mehr als 15 Agrarminister und über 2000 internationale Vertreter aus Agrarpolitik und Wirtschaft nach St. Petersburg gereist, um Lösungsansätze zur Steigerung der weltweiten Getreideproduktion sowie zur Hungerbekämpfung zu erörtern. „Insbesondere Russland ist in der Lage durch den Einsatz moderner Agrartechnologien seine Getreideernte deutlich zu steigern", erklärt Dr. Hagen Duenbostel.

 Russland hat mit dem 2008 gestarteten Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft die Steigerung der Agrarproduktion und die Verringerung der Abhängigkeit von Lebensmittelimporten zu einem strategischen Entwicklungsziel erklärt und stellt bis 2012 fast 20 Milliarden Euro an Fördermitteln bereit. „Deutschland kann diese Ziele durch die Bereitstellung moderner Landtechnik, Pflanzenschutz, Saatgut und Tiergenetik nachhaltig unterstützen", sagt Dr. Duenbostel.

 Insbesondere dank der eingeleiteten Modernisierung der russischen Landwirtschaft konnte Russland im Herbst 2008 eine Rekordernte von mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide einfahren. Davon profitierte zum Beispiel die deutsche Landtechnikindustrie, die trotz der im Herbst 2008 einsetzenden Finanzkrise im vergangenen Jahr Güter im Wert von 750 Millionen Euro nach Russland exportierte. Dies entsprach im Vergleich zu 2007 einer Steigerung um fast 20 Prozent. „Mit der Gründung der gemeinsamen Unterarbeitsgruppe Agrar- und Ernährungswirtschaft schaffen wir eine Dialogplattform, die gemeinsame Agrarprojekte von Deutschland und Russland initiiert und begleitet", erklärte Dr. Duenbostel.

 Russland ist für deutsche landwirtschaftliche Güter der wichtigste Auslandsmarkt außerhalb der EU. Deutsche Unternehmen planen angesichts der langfristig guten Entwicklungsperspektiven in den Aufbau lokaler Produktionsstätten, in die  Ausbildung von Fach- und Führungskräften und in die Forschung und Entwicklung in Russland zu investieren. Durch die Finanzkrise und eine Reihe von protektionistischen Maßnahmen auf russischer Seite wie der Erhöhung der Zölle für Mähdrescher sowie dem weitgehenden Ausschluss importierter Landtechnik von staatlichen Förderprogrammen haben sich für das laufenden Jahr die Geschäftsperspektiven jedoch eingetrübt.

 Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft führt jährlich eine Vielzahl von Projekten, Informationsveranstaltungen, Unternehmerreisen und Konferenzen in und über 22 Länder Mittel- und Osteuropas durch. Die Organisation mit Sitz in Berlin versteht sich als Kompetenzcenter der deutschen Wirtschaft für die osteuropäischen und zentralasiatischen Zukunftsmärkte. Dem Ost-Ausschuss gehören rund 120 vor allem mittelständische Unternehmen sowie große Wirtschaftsverbände an.