Verschärfter Wettbewerb

3. Juli 2015

Russische Gewerbeparks bieten Industrieunternehmen gute Bedingungen für Ansiedlung an

Themen rund um die Industrieansiedlung standen im Fokus des Forums der russischen Gewerbeparks „Industrieprojekte in Russland 2015“. Die jährliche Veranstaltung wird von der Branchenvereinigung der russischen Industrieparks AIP durchgeführt und hat sich mittlerweile zu einer wichtigen Plattform für Erfahrungsaustausch und Networking im Bereich Standortentwicklung etabliert.

Auch in diesem Jahr war das Forum hochkarätig besetzt. So standen neben Repräsentanten mehrerer Gewerbegebiete aus ganz Russland zahlreiche Vertreter russischer und ausländischer Industrieunternehmen und Branchenverbände sowie Entscheidungsträger aus russischen Ministerien und Administrationen auf der Teilnehmerliste. Dies unterstreicht die große Bedeutung, die in Russland der Anwerbung von Industrieunternehmen vor dem Hintergrund wirtschaftspolitischer Prioritäten wie der Lokalisierung der Produktion und der Importsubstitution beigemessen wird. Entsprechend stark sollen die Industrieprojekte von administrativer Seite flankiert werden.

Das Forum wurde von lebhaften Diskussionen über diverse Aspekte des in Russland rasant voranschreitenden Aufbaus von Investitionsstandorten geprägt. Mittlerweile ist es gelungen, ein praktisch flächendeckendes Netz von gut eingerichteten und weitgehend professionell geführten Gewerbegebieten aufzubauen, die den Industriefirmen verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionsprojekte anbieten sollen. Ein praktikables System von „One-stop-shops“, bei dem Unternehmen alle Dienstleistungen - seien es Grundstückerschließung oder Behördengänge - aus einer Hand bekommt, ist bereits zum Standard geworden. Dies betrifft nicht nur staatseigene Industrieparks (Gewerbegebiete in regionaler Hand sowie föderale Sonderwirtschaftszonen), sondern auch einen Großteil der privaten Anlagen.

Ein zusätzlicher Anreiz für russische Gewerbeparks, weiterhin an den eigenen Kompetenzen zu arbeiten, ist die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation, die zum Rückgang investitionsfreudiger Interessenten insbesondere aus dem Ausland geführt hat. Der Wettbewerb um Investoren, der unter den russischen Regionen seit einigen Jahren im Gang ist, hat sich daher weiter verschärft. Dies kommt im Endeffekt den Unternehmen zugute, die die Gunst der Stunde zu nutzen wissen: Selbst in der derzeitigen Krise vergeht kaum eine Woche, in der nicht über die Inbetriebnahme einer neuen Fabrik oder die Grundsteinlegung eines neuen Werks durch ein ausländisches Industrieunternehmen berichtet wird, darunter auch deutsche Mittelständler.

Zur Tradition ist inzwischen die Mitwirkung der Kontaktstelle Mittelstand für Russland (KSM) im Ost-Ausschuss am Programm des Industrieforums geworden. Gemeinsam mit Vertretern der Industrie sowie der in Russland aktiven Branchenverbände und Auslandshandelskammern wurden die Erwartungen der Unternehmen gegenüber den Standorten formuliert und die Möglichkeiten für eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit diskutiert. So wurde etwa darauf hingewiesen, dass die Gewerbegebiete den Investoren neben den „Standard-Services“ im Kerngeschäft auch zusätzliche Hilfestellung wie die Anbahnung von Geschäftskontakten zu den in der jeweiligen Region ansässigen russischen Betrieben bieten sollten. Nicht selten führt dies zu interessanten Industriekooperationen, von denen alle Seiten profitieren können.

Insgesamt überwog der Eindruck, dass europäische - und unter ihnen insbesondere deutsche - Industrieunternehmen in Russland nach wie vor willkommen sind.

Alexey Savinskiy
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft