Von Duschanbe nach Bischkek

21. Mai 2015

Delegation des Ost-Ausschusses besuchte Tadschikistan und Kirgisistan

Tadschikistan und Kirgisistan gelten als die beiden ärmsten Länder Zentralasiens. Zwar verfügen beide Länder über reiche Rohstoffvorkommen, doch haben sie noch nicht vermocht, diese für eine stärkere Entwicklung der Wirtschaft einzusetzen, und sind dringend auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen. Um das Potenzial der Länder zu erkunden und neue Wirtschaftskontakte zu knüpfen, war der Ost-Ausschuss im Mai 2015 mit einer Unternehmerdelegation in Duschanbe und Bischkek.

Unter der Leitung des Ost-Ausschuss-Geschäftsführers Rainer Lindner wollten sich 13 Unternehmensvertreter aus unterschiedlichen Branchen ein Bild vor Ort machen. Die erste Station war die tadschikische Hauptstadt Duschanbe, wo hochrangige politische und wirtschaftliche Gespräche auf dem Programm standen. Am Morgen wurde die Delegation vom tadschikischen Premierminister Qohir Rasulzoda empfangen. An dem Gespräch mit der Delegation nahmen unter anderem der tadschikische Wirtschaftsminister Nematullo Hikmatulozoda und Industrieminister Shavkat Bobozoda teil.

Premierminister Rasulzoda stellte die Schwerpunkte der tadschikischen Regierung für die kommenden Jahre dar, insbesondere in den Bereichen Elektrizitätsversorgung, Landwirtschaft und Tourismus. Vor allem im Winter gibt es Schwierigkeiten, eine ununterbrochene Elektrizitätsversorgung aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund will die tadschikische Regierung beim Ausbau der Wasserkraft vorankommen. Hier arbeitet man an Finanzierungskonzepten mit internationalen Entwicklungsbanken. Regionale Bedenken, vor allem in Usbekistan, müssen noch auf dem Verhandlungstisch gelöst werden.

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Lindner schlug eine Veranstaltungsreihe in Deutschland vor, bei der die Investitionsprojekte Tadschikistans vorgestellt werden könnten. Gleichzeitig informierte Lindner über die Pläne, ein Stipendienprogramm für junge Absolventen aus Zentralasien zu etablieren. Solche Programme, bei denen Absolventen aus den Ländern Praktika in Deutschland durchlaufen, werden bereits auf dem Westbalkan und in der Ukraine erfolgreich umgesetzt. 70 Prozent der tadschikischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt, dementsprechend wichtig sind die Bildungsprogramme für das Land. Anschließend hatten die Unternehmensvertreter die Gelegenheit, eigene Projektvorschläge zu präsentieren und zu besprechen, die die Branchen Wasserkraft, Landmaschinen, Abfallwirtschaft, Logistik und Rohstoffe umfassten. Der Ost-Ausschuss setzt gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag der Bundesregierung bereits die zweite Phase eines Rohstoffprojekts mit Tadschikistan, Kirgisistan und Kasachstan um.

Zweiter Programmpunkt war ein bilaterales Wirtschaftsforum, bei dem die Delegationsmitglieder ihre Projekte mit Vertretern der tadschikischen Wirtschaft besprechen konnten. Im Rahmen des Forums wurde eine Absichtserklärung zwischen dem Dushanbe International Airport und der DPU Investment GmbH über die Errichtung eines internationalen Logistikcenters unterzeichnet. Außerdem fanden Gespräche mit dem Ersten Stellvertretenden Premierminister Davlatali Said und dem Energieminister Usmonali Usmonzoda statt. Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Lindner vereinbarte mit dem stellvertretenden Premierminister Said, die Gründung eines Deutsch-Tadschikischen Wirtschaftsrates zu prüfen, bei dem Wirtschaftsvertreter beider Seiten die bilaterale Kooperation vorantreiben könnten.

Zum Abschluss des Aufenthaltes in Duschanbe fand ein Treffen zwischen Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Lindner und dem tadschikischen Außenminister Sirojidin Aslov statt. Anlass war ein Vortrag vor jungen Diplomaten zur Geschichte des Ost-Ausschusses als Brückenbauer zwischen Deutschland und Mittel- und Osteuropa.

In der kirgisischen Hauptstadt wurde die Delegation unter anderem durch den kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew und den Vize-Premierminister Valerij Dill empfangen. Auch hier nutzten die Unternehmensvertreter die Gelegenheit, um konkrete Projekte vorzustellen. Weiterer Gegenstand der Gespräche war der Beitritt Kirgisistans zur Eurasischen Wirtschaftsunion und die Rahmenbedingungen für internationale Investoren in dem Land.

Auch in Kirgisistan informierte Lindner über das geplante Stipendienprogramm für Zentralasien. Anschließend hatte die Delegation die Gelegenheit, am 1. Tag der Deutschen Wirtschaft in Bischkek teilzunehmen, der von der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien, der Handels und Industriekammer Kirgisistans und der deutschen Botschaft in Bischkek mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt wurde. Mit rund 300 Teilnehmern war die Veranstaltung eine herausragende Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen. Schwerpunkt des Forums war das Thema Energie, darüber hinaus wurden auch die Themen Finanzierung und Entwicklungszusammenarbeit angesprochen.

Insgesamt war die Reise in die beiden zentralasiatischen Länder eine gute Gelegenheit, um konkrete Projekte voranzutreiben und neue zu entdecken. Natürlich müssen die Länder noch einige Hausaufgaben machen, um etwa die Rahmenbedingungen zu verbessern. Gleichzeitig bieten beide Länder noch Märkte, die die Unternehmen aktiv gestalten und mitentwickeln können.

Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft