„Weiter am Ball bleiben“

16. Januar 2015

Deutsche Mittelständler halten an Russland-Geschäft fest/ Sorgen vor Verlust von Kunden und Marktanteilen

„Russland: was tun? Empfehlungen für den deutschen Mittelstand“ – der Titel von zwei Veranstaltungen, die Mitte Januar vom Ost-Ausschuss in Form von Arbeitsfrühstücken in Stuttgart und Berlin – dort im Rahmen der Internationalen Grünen Woche - durchgeführt wurden, sprach für sich selbst. Gerade in dieser turbulenten Periode der Beziehungen zwischen der EU und Russland nimmt das Interesse deutscher mittelständischer Unternehmen am Informations- und Erfahrungsaustausch zum Russland-Geschäft merklich zu. Jedenfalls hat die Teilnehmerzahl auf beiden Veranstaltungen die ursprünglichen Planungen deutlich übertroffen.

Im Fokus beider Treffen standen Themen wie der Umgang mit Rubel-Wechselkursrisiken, das gegenwärtige Geschäftsklima in Russland und rechtliche und steuerliche Aspekte. Auch das Thema Wirtschaftssanktionen kam nicht zu kurz. Die aktuelle Lage und die Aussichten wurden von den Referenten der Ost-Ausschuss-Mitgliedsunternehmen Commerzbank AG und Ernst & Young GmbH detailliert und sachlich dargestellt.

Der Grundtenor der Beiträge war: Auch wenn Russland momentan offenbar vor großen Herausforderungen steht und das Land sowie die auf dem dortigen Markt tätigen ausländischen Unternehmen sich auf schwierige Zeiten oder gar auf einen „Krisenmodus“ einstellen müssen, gibt es keinerlei Grund für dauerhaften Pessimismus oder gar für voreilige „Rückzugsbewegungen“. Der Markt hat nach wie vor ein großes Potenzial. Zudem hat das Land in der letzten Zeit Fortschritte auf dem Weg zur Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen erzielt, vor allem beim Kompetenzaufbau im Bereich Industrieansiedlung sowie bei der Modernisierung der Rechtsbasis.

Dies wurde auch von den anwesenden Mittelständlern bestätigt. Viele machen sich heute natürlich Sorgen um das Russland-Geschäft, sei es um den Erhalt von Kunden angesichts der drastischen Verteuerung von Importen, sei es um die Auslastung der zuvor im Land errichteten Produktionsstätten oder haben Ängste, dass das zarte Pflänzchen einer vor Kurzem angebahnten Geschäftspartnerschaft wegen der anhaltenden politischen Spannungen zertreten wird.

Dem russischen Markt den Rücken zu kehren oder sich aus dem Land zurückzuziehen, kommt aber für keine Firma in Frage. Schließlich wurden dort von den Mittelständlern sehr viel Zeit und Geld in die Markterschließung investiert. Einige Akteure denken derzeit sogar antizyklisch über das Thema Lokalisierung nach, um die Marktpräsenz vor dem Hintergrund der Wechselkursrisiken sowie eines in Russland immer stärker werdenden wirtschaftspolitischen Trends zum Local Content zu halten und womöglich auszubauen.

Veranstaltet wurden die Treffen durch die Regionaldirektion Russland, die Kontaktstelle Mittelstand für Russland sowie die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss. Aktuell sind weitere Veranstaltungen aus dieser Reihe in Planung.