Umfrage zum Geschäftsklima in Russland

5. Februar 2015

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer haben im Januar 2015 zum zwölften Mal ihre jährliche Umfrage zum Geschäftsklima in Russland unter ihren Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Schwerpunkte waren wie in jedem Jahr die Investitionsbedingungen vor Ort, die aktuellen Geschäftseinschätzungen der Unternehmen und deren Erwartungen an die zukünftige russische Wirtschaftspolitik, aber auch die Folgen der Wirtschaftssanktionen und des wirtschaftlichen Abschwungs in Russland. In diesem Jahr standen zudem Fragen nach den unmittelbaren Konsequenzen der Sanktionen und des Ukraine-Konflikts sowie die Bewertung der möglichen langfristigen Folgen dieses Konflikts im Mittelpunkt. Insgesamt 156 Unternehmen haben sich zu den Fragen geäußert, deutlich mehr als im Vorjahr. Für die Auswertung wurde Anonymität zugesichert.

Die befragten Unternehmen kommen aus nahezu allen Branchen: Mit knapp 17 Prozent stammen die meisten beteiligten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, gefolgt von Beratungsdienstleistern (zehn Prozent), Automobilindustrie (acht Prozent), der Land- und Ernährungswirtschaft (acht Prozent), Bau und Bauwirtschaft (sieben Prozent) sowie Transport und Logistik (sieben Prozent). Gut 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihren Sitz oder Hauptsitz in Moskau zu haben, weitere elf Prozent haben ihren Sitz in St. Petersburg. Die befragten Unternehmen stehen für rund 71.000 Beschäftigte in Russland und rund 2,3 Millionen Beschäftigte weltweit. Dabei setzen die Unternehmen über 19 Milliarden Euro in der Russischen Föderation und rund 520 Milliarden Euro weltweit um. Die letzte vergleichbare Umfrage wurde im Januar 2014 durchgeführt. Die aktuellen Ergebnisse im Überblick:

  • Die westlichen Wirtschaftssanktionen und der Konjunkturabschwung in Russland haben das wirtschaftliche Umfeld massiv eingetrübt. 91 Prozent der befragten Unternehmen stellten 2014 eine tendenziell negative Entwicklung des Geschäftsklimas in Russland fest. Die Erwartungen für 2015 sind nicht besser.
  • Die Lage der befragten deutschen Unternehmen hat sich massiv eingetrübt: Nur noch 15 Prozent der Unternehmen beurteilen die eigene Lage als gut, 40 Prozent sehen sich in einer schlechten Geschäftslage.
  • Die schlechten wirtschaftlichen Aussichten bremsen die Einstellungsbereitschaft und die Investitionspläne der Unternehmen.
  • 78 Prozent der befragten Unternehmen sind negativ oder stark negativ vom Ukraine-Konflikt und seinen Folgen betroffen. Dafür sind konkret vor allem die sinkende Nachfrage und Finanzierungsprobleme verantwortlich.
  • Bürokratischer Aufwand und Korruption werden weiterhin als größte Hindernisse des russischen Marktes wahrgenommen. Deutlich zugenommen haben offenbar protektionistische Hemmnisse.
  • Viele Unternehmen erwarten wegen des aktuellen Konflikts eine Abwendung Russlands vom Westen: Fast die Hälfte der befragten Unternehmen prognostiziert eine stärkere Ausrichtung Russlands auf China und Asien.
  • Hinsichtlich der Wirtschaftssanktionen halten 42 Prozent der Befragten Wirtschaftssanktionen für ein ungeeignetes Mittel, um politische Konflikte zu lösen, ein knappes Viertel hingegen hält die Wirtschaftssanktionen gegen Russland für angemessen.
  • Die Land- und Ernährungswirtschaft wird erstmals als Branche mit den größten Wachstumsaussichten gesehen.