Dialog junger Führungskräfte in herausfordernden Zeiten

12. Oktober 2014

7. Deutsch-Russische Gespräche Baden-Baden/ Themen aus Politik und Wirtschaft

Vom 6. bis 12. Oktober 2014 trafen sich 26 junge Führungskräfte aus Deutschland und Russland zu den 7. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden. Das jährlich stattfindende Intensivseminar im Palais Biron wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt veranstaltet.

Die aktuell herausfordernden politischen Beziehungen zwischen Russland und der EU und die zunehmenden Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen durch Sanktionen des Westens und protektionistische Gegenmaßnahmen Russlands sorgten für viel Gesprächsbedarf. Für die Eröffnung der 7. Deutsch-Russischen Gespräche konnte mit Professor Dr. Sergey Karaganov einer der renommiertesten Politologen Russlands als Dinner Speaker gewonnen werden. Mit seiner These, dass die EU mit ihrer Erweiterungspolitik nach Osten, flankiert von einer Nato-Expansion, eine „Versailler Politik in Samthandschuhen“ betrieben habe, in der Russland die Rolle des Verlierers der Geschichte zugekommen sei, gab Karagonov einen starken Impuls für die Diskussion der folgenden Seminarwoche.

Als Vertreter der Bundesregierung reiste Gernot Erler, Koordinator für Russland, Zentralasien und die Länder der Östlichen Partnerschaft, nach Baden-Baden, um mit den Seminarteilnehmern zu diskutieren. In Hinblick auf die aktuelle politische Situation machte Erler sehr deutlich, dass es ohne die Implementierung des Minsker Waffenstillstandsabkommens durch Russland zu keiner Normalisierung der Beziehungen, geschweige denn zu längerfristigen strategischen Plänen mit der EU kommen könne.

Eine Woche lang tauschten sich die Seminarteilnehmer darüber aus, wie es um die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union steht, welche Chancen und Herausforderungen die Internationalisierung der Wertschöpfungsketten bietet und wie erfolgreiches Innovationsmanagement und Restrukturierungen in Unternehmen gelingen. Weiter wurde diskutiert wie Medien auf die Gesellschaft einwirken, wie sich Haftungsrisiken durch Compliance reduzieren lassen, wie sich mittelständische Unternehmen erfolgreich im internationalen Wettbewerb behaupten und wie internationale Personalwirtschaft gestaltet werden kann.

Das intensive Arbeitspensum im Palais Biron wurde durch ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzt. So besuchten die Teilnehmer Europas größte Traktorenfabrik bei der John Deere GmbH in Mannheim und erhielten einen exklusiven Einblick in die Produktion. Nach dem Seminar wurden die Teilnehmer in ein aktives Netzwerk von nunmehr über 200 Alumni aufgenommen. Das Gesamttreffen aller Alumni wird im Mai 2015 in Russland stattfinden.

Die offenen und vertrauensvollen Gespräche zwischen den Seminarteilnehmern und das Entstehen belastbarer Kontakte und auch Freundschaften zeigen, dass gerade in Zeiten, in denen die Politik Schwierigkeiten mit dem Dialog hat, Diskussionsplattformen wie die Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden ganz besonders wichtig sind. Nur über einen vertrauensvollen Umgang miteinander lassen sich die deutsch-russischen Beziehungen zukunftsfest machen.

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft