Industrietradition erleben

26. Juni 2014

Empfang zur Jahresveranstaltung des Ost-Ausschusses am 26. Juni 2014 in der Mosaikhalle der Siemens AG

Am 26. Juni 2014 lud der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft seine Mitglieder, das Diplomatische Corps sowie Partner aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu seinem traditionellen Jahresempfang nach Berlin ein. Die diesjährigen Sitzungen von Vorstand und Präsidium, die Mitgliederversammlung und der Jahresempfang fanden mit freundlicher Unterstützung der Siemens AG im Verwaltungsgebäude des Konzerns in Siemensstadt statt.

Siemensstadt ist ein Ort mit reicher Tradition: hier befand sich von 1914 bis 1949 der Firmensitz mit Räumen für die Direktion, den Aufsichtsrat, den Vorstand und die Zentralabteilungen von heute Deutschlands größtem Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik.

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Eckhard Cordes eröffnete den Jahresempfang im beeindruckenden Ambiente der Mosaikhalle und fasste die wichtigsten Entwicklungen der zurückliegenden zwölf Monate zusammen. Die Bilanz wurde dabei maßgeblich durch die Ukraine-Krise geprägt. Cordes unterstrich, dass man politisch an einem Wendepunkt der EU-Russland-Beziehungen stehe, und warnte: „Eine Rückkehr zu einer Ost-West-Konfrontation würde Europa spalten und wäre für diesen Kontinent sicherheitspolitisch, aber auch wirtschaftlich eine Katastrophe. Die Verluste wären auf allen Seiten enorm. Sollte es zu harten Wirtschaftssanktionen kommen, wäre auch für Deutschland mit einem Einbruch des Wachstums zu rechnen, ganz zu schweigen von den Ländern am Ostrand der EU, die noch stärker leiden würden, so Cordes.

„Wir müssen einen Beitrag dazu leisten, die Konfliktparteien miteinander ins Gespräch zu bringen, indem wir ihnen verdeutlichen, dass hier die wirtschaftliche Zukunft nicht nur von Unternehmen, sondern von vielen tausenden Beschäftigten und ihren Familien auf dem Spiel steht“. Trotz der dramatischen Entwicklung gäbe es eine Chance zu einem Neubeginn. Der deutsche Wirtschaft und dem Ost-Ausschuss käme hierbei eine wichtige Funktion eines Brückenbauers zu.

Neben dem aktuellen Krisenmanagement versucht der Ost-Ausschuss über langfristige Projekte, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, das gegenseitige Verständnis und den Austausch von wirtschaftlichem Know-how zu fördern. Ein erfolgreiches Beispiel aus dem vergangenen Jahr ist die neu gegründete „Kontaktstelle Mittelstand für Russland“ im Ost-Ausschuss, die speziell deutsche Mittelständler auf Ihrem Weg nach Russland begleitet. Mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist der Ost-Ausschuss nun übereingekommen, ein Stipendienprogramm für ukrainische Studierende aufzulegen. Ab dem Herbst dieses Jahres werden jährlich 20 bis 30 Ukrainer mehrmonatige Praktika in Deutschland absolvieren. Die Teilnehmer sollen sowohl aus dem Westen der Ukraine, als auch aus dem Osten stammen.

Vorbild für dieses neue Austauschprojekt ist das Zoran-Djindjic-Stipendienprogramm für den Westbalkan, das in den vergangenen zehn Jahren über 500 Stipendiaten aus allen Ländern des Westbalkans für mehrere Monate in deutsche Unternehmen führte.

Kooperation statt Konfrontation

Gastredner des Abends war Siegfried Russwurm, Mitglied des Vorstands der Siemens AG. Russwurm betonte in seiner Rede, dass die Herausforderungen, vor denen Europa steht, nur gemeistert werden können, wenn alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit genutzt werden. „In einer globalisierten Welt kann sich kein europäisches Land allein im Wettbewerb der Wirtschaftsräume behaupten. Erfolgreich bestehen können wir Europäer nur gemeinsam als ein Wirtschaftsraum“, so Russwurm. Die Integration der osteuropäischen Volkswirtschaften durch die EU-Osterweiterung sei daher ein richtiger Schritt gewesen, der wichtige Wachstumsimpulse in ganz Europa erzeugt und Europas Position im globalen Wettbewerb gestärkt habe.

Das Selbstverständnis der EU läge darin, über den Binnenmarkt hinaus zu wirken, insbesondere auch im Verhältnis zu den Nachbarn. Kooperation statt Konfrontation sollte die Handlungsmaxime sein. Mit Blick auf die Ukraine betonte Russwurm: „Für die Ukraine geht es meines Erachtens nicht um eine West oder Ost. Es muss darum gehen, West und Ost miteinander zu verbinden“.

Gerade in der aktuellen Situation sei die deutsche Wirtschaft gefordert, einen Beitrag zur Vermittlung zu leisten. „Der Ost-Ausschuss als Brückenbauer und Dienstleister für die deutsche Wirtschaft kann genau diese Zielsetzung unterstützen“, betonte Russwurm und fügte mit Blick auf die über 60-jährige Tradition des Ausschusses hinzu: „Mittler zu sein, ist die DNA des Ost-Ausschusses“.

Miteinander reden – dieses Motto machten sich anschließend auch die zahlreichen Gäste des Abends zu eigen. Mit intensiven Gesprächen bei einem sommerlichen Barbecue klang ein sehr anregender Abend aus.

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft