Steigende Verluste im Handel mit Russland und der Ukraine

25. August 2014

Sanktionen beschleunigen negativen Trend/ Unklarheiten bei Auslegung der Sanktionsvorschriften

Die deutsche Wirtschaft musste im ersten Halbjahr erhebliche Verluste bei den Exporten nach Russland, die Ukraine und weitere Länder der Region hinnehmen: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die der Ost-Ausschuss für die Länder Osteuropas aufbereitet hat, sanken die deutschen Ausfuhren nach Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,5 Prozent, oder umgerechnet um 2,8 Milliarden Euro. Die Einbrüche bei Exporten in die Ukraine summierten sich im gleichen Zeitraum auf 880 Millionen Euro (minus 32 Prozent).

Der Ost-Ausschuss geht davon aus, dass sich dieser negative Trend aufgrund der  im August eingeführten gegenseitigen Wirtschaftssanktionen von EU und Russland noch beschleunigt. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir am Ende des Jahres im Russlandhandel bei einem Exportminus von 20 bis 25 Prozent ankommen werden“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzender Eckhard Cordes. „Dies würde in Deutschland etwa 50.000 Arbeitsplätze gefährden.“ 

„Bereits die Diskussion über Sanktionen im Frühjahr war Gift für die schwächelnde Konjunktur in der EU und Russland. Es muss nun alles dafür getan werden, dass sich die Sanktionsspirale nicht weiter dreht, und wir durch konstruktive Gespräche wieder aus dem Sanktionsmodus herauskommen“, sagte Cordes. 

Sanktionsvorschriften verunsichern Lieferanten

In den deutschen Unternehmen gibt es weiterhin erhebliche Unsicherheiten, wie die Embargovorschriften auszulegen sind. Dies hat eine Umfrage des Ost-Ausschusses ergeben. Probleme gibt es beispielsweise bei Zulieferteilen für Rolltreppen, Bagger, Pumpen, Landmaschinen, Bohrmaschinen oder Eisenbahnen. „Während die Lieferung ganzer Maschinen oft unbedenklich ist, sind deren Ersatzteile wegen einer möglichen militärischen Verwendung plötzlich ein Problem“, sagte Cordes. „Diese Unsicherheit und zunehmende Verzögerungen bei der Lieferung führen dazu, dass sich russische Kunden reihenweise nach Lieferanten aus anderen Ländern umsehen. Wir müssen befürchten, dass sich große Teile der russischen Handelsstruktur Richtung Asien oder Lateinamerika verschieben.“

Um den Lieferprozess zu vereinfachen und zu beschleunigen fordert der Ost-Ausschuss eine Präzisierung der Embargovorschriften sowie individuelle Pauschalgenehmigungen für Unternehmen. Wichtig sei zudem, dass Sanktionen EU-weit einheitlich angewendet werden. Deutsche Agrar- und Lebensmittelproduzenten, deren Existenz durch russische Gegensanktionen in Gefahr gerate, sollten unbürokratisch Überbrückungshilfen erhalten. 

Im Ranking der wichtigsten osteuropäischen Abnehmerländer für deutsche Waren ist Russland im ersten Halbjahr erstmals hinter Polen und Tschechien an die dritte Stelle zurückgefallen. Auch die deutschen Exporte in die mit Russland über eine Zollunion verbundenen Länder Kasachstan (-12 Prozent) und Belarus (-21 Prozent) entwickelten sich negativ.

Positiver Trend in Mittel- und Südosteuropa

Positive Impulse für die deutschen Exporteure kamen im ersten Halbjahr 2014 aus Polen (+10 Prozent), Tschechien (+9 Prozent) und Ungarn (+12,5 Prozent).  Auch in Südosteuropa stehen die Zeichen auf Erholung, worauf die steigenden Exporte nach Rumänien (+11 Prozent), Bulgarien (+18 Prozent) und Serbien (+10 Prozent) hindeuten.

Eine Übersichtstabelle zur Handelsenwicklung mit den Ländern Osteuropas im ersten Halbjahr ist dieser Pressemitteilung angefügt oder lässt sich über die Web-Seite www.ost-ausschuss.de herunterladen.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft wurde 1952 als erste Regionalinitiative der deutschen Wirtschaft gegründet. Der Ost-Ausschuss führt jährlich eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen, Unternehmerreisen und Konferenzen in und über 21 Länder Mittel- und Osteuropas durch. Die Organisation mit Sitz in Berlin versteht sich als Kompetenzcenter der deutschen Wirtschaft für die osteuropäischen und zentralasiatischen Zukunftsmärkte. Der  Ost-Ausschuss wird von fünf großen Wirtschaftsverbänden sowie 200 Mitgliedsunternehmen getragen.