Beziehungen noch nicht optimal

1. Oktober 2014

Kroatien will von EU-Beitritt profitieren / Deutsch-Kroatisches Investitionsforum in Berlin

Am 1. Oktober lud der Botschafter der Republik Kroatien Ranko Vilović gemeinsam mit der Deutschen Bank und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft zum Deutsch-Kroatischen Investitionsforum in Berlin. Im Rahmen des Forums trafen sich kroatische sowie deutsche Vertreter aus Wirtschaft und Politik um Investitionsmöglichkeiten für ausländische Investoren in Kroatien aufzuzeigen.

Nachdem rund 50 Teilnehmer ihren Weg in das Atrium der Deutschen Bank gefunden hatten, eröffnete Peter Tils, CEO für Zentral- und Osteuropa der Deutschen Bank AG, das Forum. In seinen Begrüßungsworten betonte Tils, dass es die Aufgabe des neusten EU-Mitglieds Kroatiens sei, ausländische Direktinvestitionen ins Land zu locken.  
Seit mehr als einem Jahr ist Kroatien Mitglied der EU. Dies sei ein offensichtlicher Vorteil des Landes, so der kroatische Botschafter Vilović. Dabei sieht er die damit einhergehenden strengen EU-Auflagen nicht als Bürde, sondern vielmehr tragen diese Mechanismen dazu bei, beispielsweise das kroatische Finanzsystem zu konsolidieren.

Eckhard Cordes, Vorstand des Ost- Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, betonte der Ost-Ausschuss habe den EU-Beitritt stets nachdrücklich begrüßt. Letztlich sei „die Integration in die EU der einzige Weg für das Land Wohlstand zu erreichen.“ Allerdings vergaß Cordes dabei nicht auf bestehende Probleme hinzuweisen. Nach sechs Jahren Rezession wird erst im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent erwartet. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land seien die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland nicht optimal, so Cordes. Er forderte daher dazu auf, sich mit der Situation nicht zufriedenzugeben. Vor allem Vertrauen und Zuverlässigkeit seien nun bedeutende Faktoren. Sowohl eine effiziente Verwaltung als auch ein funktionierender rechtlicher Rahmen seien unerlässlich für ausländische Investoren.
Der Vize-Premier Kroatiens Branko Grčić wies auf die erfolgreichen Schritte hin, die bereits zu einem attraktiveren Geschäftsklima beigetragen haben. So sei das Steuersystem stabil und vorhersehbar und der Arbeitsmarkt flexibler geworden. Zu guter Letzt kam Grčić auf die wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland zu sprechen. In den vergangenen 20 Jahren seien allein aus Deutschland drei Mrd. Direktinvestitionen nach Kroatien geflossen.
Sabine Škrtić vom kroatischen Wirtschaftsministerium hob das vor allem in der Metall-, IT-, Pharma- und Fertigungsindustrie existierende Investitionspotenzial hervor und präsentierte ambitionierte Projekte des kroatischen Staates um Investitionen zu steigern.

Im Verlauf der folgenden Diskussion waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass insbesondere eine stabile Währung auf Grundlage ausreichend hoher Devisenreserven, Kroatiens Lage als Brücke zwischen dem Balkan und Europa sowie eine junge, sehr gut ausgebildete Bevölkerung Anreize für ausländische Investoren darstellen.
Darüber hinaus allerdings wurden Hindernisse genannt, mit denen sich deutsche Unternehmer konfrontiert sehen. Gantenbrink, Inhaber des Unternehmens Fauna Selva k.d.  sprach von enorm hoher Bürokratie in der Holzwirtschaft.  Tolksdorf, Referatsleiter beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ergänzte, indem er die unter vielen Unternehmern vorherrschende Unsicherheit hervorhob, die Resultat des komplizierten Steuersystems sei. Cordes, Vorstand des Ost-Ausschusses betonte daraufhin, dass es in erster Linie wichtig sei die bestehenden Probleme zu erkennen.

Abschließend berichtete Gantenbrink aus dem Geschäftsalltag. „Für jedes Stück Wald, das abgeholzt werden soll, benötigen wir eine Genehmigung von der staatlichen Behörde. Der Staat ist zugleich allerdings unser einziger Konkurrent in der Hartholzindustrie“. Auch nach Jahren der Liberalisierung der kroatischen Wirtschaft, spielt der Staat noch immer eine omnipräsente Rolle auf dem Markt. Trotzdem sah sich Gantenbrink noch nie gezwungen  Bestechungszahlungen zu leisten.


Lisa Klinger
Ost-Ausschuss