Standortbestimmung in Stuttgart

22. Oktober 2014

Wirtschaftstag Kasachstan erkundet Kooperationsmöglichkeiten / Chancen nicht nur im Rohstoffsektor

Der Abschluss des Abkommens über die Partnerschaft im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich zwischen Deutschland und Kasachstan liegt über zwei Jahre zurück. Der Wirtschaftstag Kasachstan, der durch die Botschaft der Republik Kasachstan gemeinsam mit dem Honorarkonsulat des Landes in Baden-Württemberg, dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und mit Unterstützung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württembergs am 22. Oktober 2014 in Stuttgart durchgeführt wurde, bot einen guten Anlass für eine Standortbestimmung, einen „Uhrenvergleich“.

In seiner Begrüßung betonte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner die große Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen mit Kasachstan für die deutschen Unternehmen. Gerade im Hinblick auf die Entwicklungen in Russland und in der Ukraine habe man mit Kasachstan einen verlässlichen Wirtschaftspartner. Auch die zunehmende internationale Integration Kasachstans in die Weltwirtschaft werde von den Unternehmen positiv gesehen, so Lindner. Trotz der sehr positiven Entwicklungen gäbe es aber noch einige Herausforderungen zu lösen. Lindner nannte hier vor allem die noch immer ungeklärte Hermes-Problematik, die es für Unternehmen nahezu unmöglich macht, Exportkreditversicherungen zu erhalten. Der Ost-Ausschuss-Geschäftsführer zeigte sich aber zuversichtlich, dass dieses Problem in naher Zukunft gelöst werden könne.
Anschließend präsentierte der Staatssekretär des neu geschaffenen kasachischen Ministeriums für Investitionen und Entwicklung Bejbut Atamkulov einen ganzen Strauß an möglichen Kooperationsfeldern zwischen Kasachstan und Deutschland. Diese würden sich nicht nur auf das Thema Rohstoffe beschränken, sondern die gesamte Bandbreite der Branchen in Kasachstan betreffen. Man sei von der Innovationskraft und Qualität der deutschen Unternehmen überzeugt und erhoffe neueste technologische Lösungen, so Atamkulov.
In der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen Experten und Unternehmensvertreter über Möglichkeiten, das Rohstoffabkommen auf eine neue Ebene zu heben. Der Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hans-Joachim Kümpel präsentierte mit seinem kasachischen Kollegen, dem Vorsitzenden des Komitees für Geowissenschaften und Untergrundnutzung Bazarbay Nurabayev, die Ergebnisse der Untersuchung von 50 Lagerstätten in Kasachstan und berichtete über Erfahrungen in der Zusammenarbeit. Auf reges Interesse stieß der Vorschlag des Rektors der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Bernd Meyer nach mehr Kooperation im Ausbildungsbereich. Gleichzeitig warb Meyer dafür, das Thema Nachhaltigkeit im Rohstoffsektor Kasachstans noch stärker zu etablieren. Aus der Sicht der Unternehmen äußerte sich Dierk Paskert, Geschäftsführer der RA Rohstoffallianz GmbH, in der Diskussion. Dabei betonte er die Langfristperspektive von Bergbauprojekten und eines möglichen Engagements deutscher Unternehmen.
Insgesamt hat die Veranstaltung dazu beigetragen, die Sichtweisen der kasachischen und der deutschen Seite noch näher an einander auszurichten und neue Kooperationsfelder, vor allem im Ausbildungsbereich, zu identifizieren. Das Regierungsabkommen über die Partnerschaft im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich zwischen Deutschland und Kasachstan war im Februar 2012 unterzeichnet worden. Für Deutschland bietet das Abkommen die Chance auf eine bessere Absicherung der eigenen Rohstoffversorgung. Kasachstans Wirtschaft profitiert gleichzeitig vom Transfer von Technologie und innovativen Verfahren.


Eduard Kinsbruner,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft