Russlands oberster Mittelstandsförderer

6. Oktober 2016

Ost-Ausschuss-Runde mit Alexander Bravermann von der föderalen Agentur zur Unterstützung von KMU

Auf Einladung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft trafen sich am 6. Oktober am Rande des 6. Unternehmerkongresses Deutschland Russland in Berlin deutsche Mittelständler mit Alexander Bravermann, dem Generaldirektor der föderalen Agentur zur Unterstützung von KMU. Er stellte im Rahmen eines Frühstücks die umfangreichen Förderinstrumente seiner Agentur vor. Dazu zählt unter anderem die Vermittlung von Mittelständlern an große Staatsunternehmen. Nach der jüngsten Änderung der Gesetzgebung müssen bei jedem Staatsauftrag mindestens zehn Prozent an KMU vergeben werden.

Der Gesamtumfang der Förderung, von der die mittelständischen Unternehmen profitieren können, beträgt rund zehn Milliarden Euro. Dazu hat die Agentur mit nahezu allen großen Staatsunternehmen eine Zusammenarbeit vereinbart. Darüber hinaus sind Partnerschaften mit allen russischen Föderationssubjekten geplant, mit etwas über der Hälfte gibt es schon konkrete Vereinbarungen. Zurzeit können sich Interessenten in einem so genannten Business-Navigator zu Angeboten in 76 Städten mit einer Bevölkerung von über 250.000 Einwohnern und in 169 Städten mit einer Einwohnerzahl von über 100.000 informieren. Spätestens bis Jahresende sollen alle Föderationssubjekte Zugriff auf den Business-Navigator haben, um sich über das Portfolio der mittelständischen Unternehmen informieren zu können. Das Modul enthält auch Informationen zur Marketingunterstützung, zu speziellen Förderprogrammen und zu föderalen, regionalen oder lokalen Angeboten für KMU bereit und informiert über Bürgschaften und Garantien der örtlichen Finanzinstitute oder der Agentur selbst. Im laufenden Jahr wurden so bereits Garantien und Bürgschaften in Höhe von 800 Millionen Euro gestellt.
 
Ein Schlüsselelement des Programms sind zinsvergünstigte Kredite. Mit dem so genannten „6,5-Prozent-Programm“ werden Kredite mit einem Gesamtwert von 175 Milliarden Rubel (rund 2,5 Milliarden Euro) durch die Zentralbank zur Verfügung gestellt. Dabei gilt für Kleinunternehmer ein Zinssatz von 10,6 Prozent und für mittelständige Unternehmen ein Zinssatz von 9,6 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Besondere Priorität genießen die Bereiche Land- und Ernährungswirtschaft, Verarbeitende Industrie, die Energie- und die Bauwirtschaft, IT und Telekommunikation, der Tourismus und Hochtechnologien.
 
Besonders intensiv, so Bravermann, solle die Zusammenarbeit mit den deutschen Firmen gestalten werden, die für ihre hohe Innovationskraft, Zuverlässigkeit und Qualität  bekannt seien. In der Agentur stünden dafür Mitarbeiter für die Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen und Organisationen zur Verfügung.
 
Jens Böhlmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft