Dreierspitze wirbt um Investoren

30. Juni 2016
Unternehmergespräch des Ost-Ausschusses mit dem dreiköpfigen Staatspräsidium Bosnien und Herzegowinas/ Ost-Ausschuss unterstützt regionale Kooperation 
 
Am 30. Juni 2016 organisierte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft anlässlich des Besuches des kompletten Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina ein Unternehmergespräch. Der Einladung folgten etwa 14 Unternehmen, darunter Vertreter aus den Branchen Metallverarbeitung, Telekommunikation, Infrastruktur und IT.

Aus deutscher Perspektive werde Bosnien und Herzegowina nach wie vor von vielen Unternehmen mit einer durchaus komplexen politischen Struktur in Verbindung gebracht, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Büchele. Der Blick auf die wirtschaftlichen Potenziale werde dadurch manchmal leider verdeckt. Gleichwohl wachse die Wirtschaft des Landes, und der bilaterale Warenaustausch erreichte mit einem Gesamtvolumen von fast 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2015 einen neuen Spitzenwert.
 
Der derzeitige bosnische Vorsitzende des Staatspräsidiums Bakir Izetbegovic wünschte sich mehr Investitionen aus Deutschland und hofft hier auch auf die in Deutschland lebende Diaspora. Sein Land verfüge über ein stabiles und vorteilhaftes Steuersystem und natürliche Ressourcen wie etwa Eisen oder Holz. Gute Perspektiven sehe man auch in der Entwicklung des Tourismus. Auch Mladen Ivanic und Dragan Covic, die beiden anderen Mitglieder des Staatspräsidiums, die den serbischen und kroatischen Bevölkerungsanteil repräsentieren, verwiesen auf die verbesserten Rahmenbedingungen.
 
Die Präsidentin der Deutsch-Bosnischen Wirtschaftsgesellschaft Snjezana Köpruner betonte, dass Rechtssicherheit und Korruptionsbekämpfung von zentraler Bedeutung für Investoren seien. Zudem gäbe es hohen Nachholbedarf bei der Verbesserung des Ausbildungssystems. In den Wortbeiträgen der Unternehmensvertreter wurden diese Themen aufgegriffen und zugleich unterstrichen, dass man mit dem Standort Bosnien und Herzegowina insgesamt zufrieden sei. Dies spiegelt das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Delegation der Deutschen Wirtschaft wieder, wonach etwa 80 Prozent der befragten Unternehmen eine Verbesserung der Geschäftsaussichten und neun von zehn Unternehmen Erweiterungsinvestitionen planten, so der Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Bosnien und Herzegowina Gunther Neubert. 
 
Regionaler Austausch
 
Vereinbart wurde, den Dialog zu den bestehenden Problemen noch einmal zu intensivieren, und alle drei Mitglieder des Staatspräsidiums signalisierten großes Interesse an einem direkten Austausch. Gemeinsam war man sich darin einig, dass die regionale Zusammenarbeit, wie sie unter anderem im Rahmen des sogenannten Berlin-Prozesses vorangetrieben wird, von zentraler Bedeutung für die kleinen Märkte der Region ist, um sich gemeinsam zu positionieren, weitere Investitionen anzuziehen und grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte umzusetzen. Der Ost-Ausschuss engagiert sich in diesem Prozess seit dem ersten Gipfel, der 2014 auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin stattfand, und wird am 27. und 28. Oktober 2016 gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Montenegros erneut eine regionale Wirtschaftskonferenz organisieren. Einladungen an die Wirtschaftsminister wie auch die Präsidenten der Wirtschaftskammern der Region wurden im Rahmen der Wirtschaftskonferenz in Paris, wo am 4. Juli 2016 der dritte Westbalkan-Gipfel stattfand, ausgesprochen.
 
Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft