No farmers, no food, no future

19. Januar 2013

Global Forum for Food and Agriculture/Internationale Grüne Woche: Internationales Wirtschaftspodium leistet Beitrag zum Berliner Agrarministergipfel

„No farmers, no food, no future“, betonte Jervis Zimba, Vizepräsident der World Farmers’ Organisation auf dem Internationalen Wirtschaftspodium am 19. Januar 2013, das unter dem Thema “Investing in Food Security: Growing Needs and Opportunities“ stand. Die hochkarätigen Referenten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Gesellschaft waren sich einig: Die Investitionen in die Agrar- und Ernährungswirtschaft müssen weiter steigen, um die nachhaltige Sicherung der Welternährung zu erreichen. Steigende Agrarpreise am Weltmarkt erhöhen dabei den Anreiz für Investoren.

Um das vorhandene Potenzial für die Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung ausschöpfen zu können und vor allem den Zugang zu Nahrungsmitteln zu verbessern, müssen nach FAO-Angaben jährlich zusätzliche private und öffentliche Investitionen mit einem Volumen von 83 Mrd. Euro mobilisiert werden. Für Jomo Kwame Sundaram, Assistant Director-General der FAO, ist es dabei besonders wichtig, dass die Landwirte und nahrungsmittelverarbeitenden Betriebe den Großteil der erforderlichen Investitionen selbst tätigen können.

Nach Ansicht der Experten reicht eine höhere Produktivität auf Erzeugerstufe allein aber nicht aus. Investitionen müssen auch in Forschung, ländliche Entwicklung, Infrastruktur und Ausbildung fließen. Marktstrukturen müssen grundlegend verbessert und Transparenz hergestellt werden. Die stets geforderte Betonung des Kleinbauernsektors dürfe jedoch nicht dazu führen, dass dessen Strukturen konserviert und die Orientierung zur Subsistenzwirtschaft gefördert werde, warnte Prof. Matin Qaim von der Georg-August-Universität Göttingen.

Unterschiedliche Produktionsbedingungen benötigen differenzierte Finanzierungsmodelle, als Beispiele nennt Dr. Hermann Garbers, Geschäftsführer bei CLAAS, Mikrokredite oder die Kreditfinanzierung beim Absatzpartner. Auch Genossenschaften haben sich rund um den Globus als erfolgreiche Organisationsform für Kleinbauern erwiesen, so Jervis Zimba. Landwirtschaft, Kleinbauern und vor allem Frauen sind in vielen Partnerländern Ausgangspunkt und Motor einer umfassenden Entwicklung, so Cornelia Richter, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Dies zeigen die weltweiten Erfahrungen aus Vorhaben der GIZ in der ländlichen Entwicklung.

Unternehmen und der öffentliche Sektor müssen ihre Investitionen in die Ernährungssicherung sozial, umweltverträglich und nachhaltig gestalten. Investitionen in öffentliche und private Forschungsprojekte des Agrar- und Ernährungssektors müssen verstärkt auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zielen. In Folge zunehmender wirtschaftlicher und klimatischer Restriktionen forderte Liam Condon, Bayer CropScience, die „GreenER Revolution“ der Land- und Ernährungswirtschaft. Nur durch Investitionen in Innovationen könnten Umwelteinflüsse minimiert werden. Zentrale Aufgabe sei es somit, die Nahrungsmittelerzeuger mit den notwendigen Technologien und Wissen zur Anwendung auszustatten.

Investitionen im Agrar- und Ernährungssektor werden zudem maßgeblich von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmt. Mark van Driel, General Manager Frankfurt Branch der Rabobank International, betonte die Notwendigkeit, faire Marktbedingungen und Handelspraktiken durchzusetzen. 

Regierungen und internationale Organisationen sind aufgerufen, die rechtlichen und ordnungspolitischen Voraussetzungen für eine funktionierende Marktwirtschaft, Eigentumsrechte, Unternehmertum und effiziente  Markt- und Preismechanismen zu schaffen und damit die Chancen für nachhaltige Investitionen in die Ernährungssicherung zu verbessern. Die Einhaltung der Grundsätze von guter Regierungsführung („Good Governance“) kann entscheidend zur Verbesserung des Investitionsklimas beitragen. Ausländische Investitionen in den Agrar- und Ernährungssektor, insbesondere großflächige Landakquisitionen müssen nach international anerkannten Standards erfolgen.

Im Expertenpanel des diesjährigen „Internationalen Wirtschaftspodiums“ traten als weitere Redner Ken Ash, Director Trade and Agriculture Directorate der OECD, Gerhard Berssenbrügge, Vorstandsvorsitzender bei Nestlé Deutschland, Klaus Deininger, Lead Economist in der Development Research Group der Weltbank, Dr. Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, sowie German Vegarra, Associate Director des Global Agribusiness Department beim IFC auf.

Veranstalter des Internationalen Wirtschaftspodiums ist der GFFA Berlin e.V., der zur Koordinierung des Beitrages der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft für das Global Forum for Food and Agriculture Berlin sowie zur Förderung nachhaltiger Strategien zur weltweiten Ernährungssicherung und Nutzung der natürlichen Ressourcen von den Spitzenverbänden der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft, der GIZ und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gegründet wurde.

Beim anschließenden Internationalen Abendempfang der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft trafen die Teilnehmer des Internationalen Wirtschaftspodiums und des Berliner Agrarministergipfels zusammen. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft nutzte die Möglichkeit, den Dialog mit Delegationen aus aller Welt zu intensivieren.