Nanotechnologie - Innovationen an der Schnittstelle zwischen Staat und Unternehmen

15. April 2009

Fachkonferenz mit Anatoloij Tschubais, ROSNANO

Bei der Diversifizierung und Modernisierung der Wirtschaft setzt die russische Regierung insbesondere auf die Nanotechnologie. Mit Zuschüssen von über drei Milliarden Euro sollen wichtige Impulse gesetzt werden, um den Umsatz mit Produkten dieses Hochtechnologiebereichs bis 2015 auf jährlich 20 Milliarden Euro zu steigern und Russland in dieser Zukunftstechnologie an die Weltspitze zu führen. Dieses ambitionierte Ziel bietet Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland herausragende Chancen zu einer Zusammenarbeit.

Aus diesem Anlass veranstaltete der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und dem Deutsch-Russischen Forum am 8. April in Berlin eine Vortragsveranstaltung und Paneldiskussion mit Anatolij Tschubais, Vorstandsvorsitzender ROSNANO.

Das Staatsunternehmen ROSNANO wurde vor zwei Jahren gegründet. Die Holding stellt in den nächsten fünf Jahren günstige Kredite im Volumen von über drei Milliarden Euro zur Verfügung, um lukrative Geschäftsmodelle im Bereich der Nanotechnologie zu fördern und hunderte von Projekten auf den Weg zu bringen. Die Förderung gilt gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen. Gerade hier gilt es in Russland eine existierende Lücke zu füllen. Auch deutsche Unternehmen können sich um diese Fördermittel bewerben, wenn sie in Russland produzieren. Einige haben dies bereits getan.

Bei den Projekten wird ROSNANO bis zu 90 Prozent der Investitionen finanzieren. Dabei beteiligt sich das Unternehmen an den Startups – maximal mit einem Anteil von 50 Prozent minus eine Aktie – oder vergibt günstige Kredite. Die Zinsen liegen zurzeit bei 13 Prozent, ein hervorragendes Angebot für den russischen Markt, werden doch zurzeit durchschnittliche Zinsen von 20 bis 25 Prozent verlangt. Seit der Gründung der Staatsholding wurden rund 1.000 Projektanträge gestellt. Derzeit werden die ersten zwölf Projekte mit einer Gesamtinvestitionssumme von 500 Millionen Euro gefördert. Besonders erfreulich ist, dass sich darunter drei Projekte mit deutscher Beiligung befinden. Mit der Optogan GmbH, die eine Pilotproduktion von LEDs in Dortmund unterhält, wird ein Projekt zur Produktion von LEDs in der Größenordnung von 77 Millionen Euro umgesetzt. Die Berliner VI Systems GmbH (VIS), ein Entwickler und Hersteller von ultraschnellen optoelektronischen Bauteilen, ist an einem deutsch-russischen Projekt in Höhe von 27 Millionen Euro beteiligt. Darüber hinaus beteiligt sich ROSNANO an XFEL – einer internationalen Laserforschungseinrichtung mit Sitz in Hamburg.

Deutschland muss sich auf dem Gebiet der Nanotechnologie nicht verstecken: Nach Angaben der OECD von 2008 stammen weltweit 8,8 Prozent der nanotechnologischen Patente aus Deutschland. Russland hatte damals einen Anteil von 0,5 Prozent. Dies dürfte sich aber schon bald, nicht zuletzt dank des Einsatzes von ROSNANO, ändern. Gerade innovative deutsche Mittelständler können von dieser dynamischen Entwicklung profitieren.