Lessons learned?

2. Dezember 2009

Osteuropa-Kongress im Rahmen der Euro Finance Week in Frankfurt
Als Plattform für Finanzmarktakteure in einem zusammenwachsenden Europa hat die Euro Finance Week insbesondere die Integration der europäischen Finanzmärkte zu ihrem Leitthema gemacht. Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung fand am 19. November in Frankfurt der Congress on Central and Eastern Europe statt, der in diesem Jahr erstmals vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mitveranstaltet wurde.

Unter dem Thema „Lessons from the crisis in Russia and the CEE Region“ wurden in mehreren Panels mit hochrangigen Vertretern der internationalen Finanz- und Wirtschaftswelt aktuelle Entwicklungen und Lösungsansätze zur Bewältigung der Finanzkrise diskutiert.

„Die Krise hat die Länder Osteuropas nach jahrelangem Wirtschaftswachstum stärker getroffen als jede andere Region“, so Klaus Mangold auf dem Osteuropa-Kongress. Ein Hauptproblem für Osteuropa läge sicherlich darin, dass der Zufluss an Direktinvestitionen aus dem Ausland infolge der Krise um über 50 Prozent zurückgegangen sei. Die daraus entstandenen externen Finanzierungslücken ließen sich durch den häufig schwach ausgeprägten Binnensektor nicht schließen, konstatierte Mangold.

Sergei Dubinin, Vorstandsmitglied der VTB Capital und ehemaliger Zentralbankchef Russlands bezweifelte, dass Russland bereits die nötigen Lehren für eine Reformierung seines Wirtschaftssystems gezogen hat. Ohne ein stabiles Bankensystem werde es kein solides Wirtschaftssystem geben. „Wir brauchen Stresstests auch für russische Banken und Bilanzprüfungen für 200 Schlüsselbanken“, forderte er als wichtigsten Punkt anstehender Reformen.

Andrei Borodin, Präsident der Bank of Moscow machte strukturelle Missverhältnisse und eine zu geringe Risikokontrolle für die Verschlimmerung der Krise in Russland verantwortlich. „Das russische Wachstum stützte sich fast ausschließlich auf Petrodollars und den Konsum“, stellte er fest. Ein weiteres Problem sei die hohe Inflationsrate, die nach Einschätzung der Notenbank 2009 zumindest unter zehn Prozent sinken soll.

Peter Tils, CEO Mittel- und Osteuropa der Deutschen Bank, nannte insbesondere das große Kreditwachstum im Osten als Schwachstelle in den Ländern Osteuropas. Die Krise habe zudem gezeigt, wie abhängig viele Länder der Region von der Entwicklung in der Eurozone seien. „Wenn die Eurozone leidet, dann leiden die neuen EU-Staaten und Südosteuropa mit“, so Tils.

Zwischen den jeweiligen Ländern des östlichen Europas gibt es derzeit deutliche Unterschiede in der Entwicklung. Während Polen die Krise relativ gut gemeistert hat, mussten Ungarn und Lettland in den vergangenen Monaten vom Internationalen Währungsfonds mit Notkrediten in Milliardenhöhe gestützt werden. Der ungarische Finanzminister, Péter Oszkó, nannte hohe Schulden und kleine Einkommen  in seinem Statement als Teil des Problems für die Krisenentwicklung in Ungarn. „Die Kreditvergabe der Banken war in der Vergangenheit viel zu freigiebig“, so Oszkó. Ungarn hatte sich als erstes Land nach Ausbruch der Krise an den IWF gewandt. Inzwischen seien allerdings keine weiteren IWF-Gelder mehr notwendig. „Nachhaltiges Wachstum kann nicht gleichzeitig mit Schuldenwachstum stattfinden. Das ist die Lektion, die Ungarn gelernt hat“, konstatierte der Finanzminister.

Die Experten warten unisono vor einem verfrühtem Optimismus angesichts einer leichten Stabilisierung der Märkte. „2010 wird es einen sehr langsamen Aufschwung geben", so Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen International. Die Krise sei noch lange nicht vorbei und die wirtschaftliche Lage in vielen Ländern Osteuropas noch sehr fragil. „Wir haben noch einen sehr, sehr langen Weg vor uns, ehe die Region wieder Boden unter den Füßen findet", sagte der Präsident der EBRD, Thomas Mirow. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte deshalb die in Osteuropa tätigen Banken erst vor wenigen Tagen davor gewarnt, die Risiken dort zu unterschätzen.

Dr. Christiane Schuchart
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft