Kroatienveranstaltung auf der Fruit Logistica

6. Februar 2013

„Kroatien auf dem Weg in die Europäische Union – Potenziale und Perspektiven für das EU-Frischfruchtgeschäft“

Hochzufriedene Aussteller (2.543 aus 78 Ländern) sowie kompetente internationale Fachbesucher (mehr als 58.000 aus 130 Ländern) prägten das Bild der diesjährigen Weltleitmesse des internationalen Frischfruchtbusiness – FRUIT LOGISTICA 2013. In den vergangenen Jahren sind die Bedeutung der FRUIT LOGISTICA für ost-, mittelost- und südost-europäische Unternehmen sowie das internationale Interesse an den Ländern dieser Region stark gestiegen. Vor diesem Hintergrund veranstaltete der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der Messe Berlin GmbH am 6. Februar 2013 eine Veranstaltung zu Kroatien, an der etwa 70 internationale Vertreter für Obst- und Gemüsemarketing teilnahmen.

Der Anbau und die Verarbeitung von Obst und Gemüse sind für Kroatiens Wirtschaft von hoher Bedeutung. Das sowohl mediterrane als auch kontinentale Klima bietet beste Voraussetzungen für den Anbau vielfältiger Kulturen wie Wein, Oliven, Zitrusfrüchte, Feigen und Paprika sowie aller mitteleuropäischen Obst- und Gemüsekulturen. Äpfel und Mandarinen nehmen mit einer durchschnittlichen Gesamtproduktion von 103.000 Tonnen die Spitzenposition beim Obstanbau ein, während Kohl und Paprika mit 70.000 Tonnen den Gemüsesektor dominieren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beläuft sich auf insgesamt eine Million Hektar, die von rund 190.000 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet werden, wobei 63 Prozent der Betriebe nur über durchschnittlich 0,9 Hektar Fläche verfügen. 2010 wurden von Kroatien Agrarerzeugnisse, Nahrungsmittel und Getränke im Wert von 963,5 Millionen Euro ausgeführt. 

Der bevorstehende EU-Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013 übt einen großen Modernisierungsdruck auf die Branche aus, um im europäischen und internationalen Wettbewerb zu bestehen. Gleichzeitig eröffnet der Beitritt die Chance, die  Absatzmärkte für kroatisches Obst und Gemüse Richtung Westen auszuweiten. Stanko Barbarić, Repräsentant des kroatischen Unternehmens Fragaria d.o.o. arbeitete in seiner Präsentation die Vorteile, aber auch die bestehenden Herausforderungen der kroatischen Agrarwirtschaft und insbesondere des Obst- und Gemüsesektors deutlich heraus: Günstige geografische und klimatische Bedingungen sowie der wachsende Tourismussektor stehen einer stark fragmentierten und kleinteiligen Produktionsstruktur sowie nur gering organisierten und unstrukturierten Erzeugern gegenüber. Hinzu kommt ein Mangel an modernem Be- und Verarbeitungstechnik sowie unzulängliche Lagerkapazitäten.

Die frischen und verarbeiteten Obst- und Gemüseerzeugnisse Kroatiens haben in der Regel eine gute Qualität. Die hohe Bedeutung der Erlangung und Einhaltung von international anerkannten Qualitätsstandards und Produktzertifizierungen sowie nachhaltiger Erzeugerstrukturen und Produktionsprozesse hob Kerstin Uhlig, GLOBAL G.A.P.. in Ihrem Beitrag hervor. 2012 waren in Kroatien 141 Erzeuger zertifiziert. Viele jüngere Farmer sind bereit, sich an EU-Standards anzupassen, um ihre Produkte exportieren zu können und bessere Chancen auf dem EU-Markt zu haben. Für einzelne Farmer ist es jedoch schwierig, die geforderten Standards zu erfüllen. Auch hier würde sich ein höherer Organisationsgrad in Erzeugergemeinschaften positiv auswirken.

Tugomir Majdak vom Ministerium für Agrarwirtschaft der Republik Kroatien stellte in seiner Präsentation Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen des EU-Vorbeitrittsmittelprogramms IPARD vor. 

Als Hauptziele nannte er die Verbesserung der Markteffizienz und Umsetzung von gemeinsamen Standards, vorbereitende Maßnahmen für die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen, Investitionen in Produktionseinheiten, Maschinen und Anlagen sowie Investitionen in die Entwicklung des ländlichen Raumes.

Als Vertreter des Handelssektors präsentierte Angelo Turati sein Unternehmen Metro Cash & Carry Croatia. Das Unternehmen ist seit 2001 in Kroatien aktiv, kommt mittlerweile auf Filialen in acht Städten mit etwa 160.000 Kunden und rund 1.100 Lieferanten. Turati betonte in seinem Beitrag ebenfalls die günstigen Bedingungen für die Produktion von frischem Obst und Gemüse  und verwiesauf den hohen Versorgungsbedarf des Tourismusstandorts Kroatien. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Nachfrage in der Hauptsaison nicht völlig durch Eigenproduktion gedeckt werden könne. Grund dafür sind fehlende Nachernte-Kapazitäten und moderne Technologien in Lagerung, Transport und Verarbeitung. Außerdem sei eine Stärkung der regionalen Produkte durch gezielte Marketing- und Werbemaßnahmen notwendig. Hier könnten internationale Berater mit Ihren Erfahrungen eine wichtige Hilfestellung geben.

Zusammen mit der abschließenden Podiumsdiskussion bot die Veranstaltung insgesamt eine gute Plattform für Erfahrungsaustausch und Diskussion mit dem internationalen Publikum. Die enormen Potenziale des kroatischen Frischfruchtsektors, aber auch die zahlreichen Herausforderungen wurden in den verschiedenen Beiträgen klar herausgestellt. Insbesondere die Organisierung und Strukturierung effizienter Erzeugergemeinschaften in Kroatien hat sich hierbei als wichtige Aufgabe herauskristallisiert. Die Erfahrungen deutscher Erzeuger könnten in dieser Hinsicht für die Entwicklung in Kroatien von großem Wert sein.

FINAL SUMMARY

“Croatia on its way towards the European Union – Potential and Perspectives for the EU Fresh Fruit Business“
Supporting event of FRUIT LOGISTICA 2013
6 February 2013, 2.30pm – 4.30 pm
Trade Fair Grounds, Großer Stern, Madrid room

Highly satisfied exhibitors (2,543 from 78 countries) as well as competent international visitors (more than 58,000 from 130 countries) dominated the picture of this year's international trade fair of the international fresh fruit business - Fruit Logistica 2013. In recent years the importance of FRUIT LOGISTICA for Eastern, Central Eastern and Southeastern European companies, as well as international interest in the countries of this region has substantially increased. 

Against this background, the Committee on Eastern European Economic Relations jointly organized with Messe Berlin GmbH an event focusing on Croatia on 6 February 2013, in which approximately 70 agricultural experts of the international world of fruit and vegetable marketing participated.

The country‘s agriculture and food sector has vast business potential, the cultivation and processing of fruit and vegetables being particularly important in Croatia. The both Mediterranean and Continental climate provides optimal conditions for cultivating a wide range of produce, such as wine, olives, citrus fruits, figs and paprika, as well as all Central European fruit and vegetable products. With an average total production of 103,000 t, apples and mandarins are the most important in the fruit sector, while cabbage and paprika (70,000 t) dominate the vegetable sector. Agriculturally cultivated land occupies an area totaling 1 million hectares and is cultivated by approx. 190,000 agricultural businesses, whereby the average size of 63% of the areas cultivated by these businesses is only 0.9 hectares.  In 2010 exports of agricultural products, food and beverages totaled EUR 963.5 million. 

Croatia’s imminent EU accession on1 July 2013 is having a huge modernization impact on the branch to ensure it can keep pace with European and international competition. This also provides the opportunity to broaden the sales markets for Croatian fruit and vegetables towards the West. The potentials as well as the challenges of Croatian agriculture with a specific focus on fruits and vegetable were clearly presented and discussed by Stanko Barbaric, Fragaria d.o.o. He pointed out that good geographic and climatic conditions as well as the steadily growing sector of tourism are confronted with a fragmented structure. Additionally to that farmes are only to a limited amount well-organized and structured. Despite of that the branch is characterized by a lack of modern machinery and inadequate storage capacities.

Kerstin Uhlig, GLOBAL GAP, underlined the enormous importance of obtaining and adhering internationally recognized quality standards and product certification.  She addressed new development in the branch: 141 producers were certified in Croatia in 2012. Many of them are young farmes who are willing to adapt their productions and products European standards in order to be able to export their commodities successfully to the European market. Ms Uhlig pointed out the difficulties individual farmers are confronted with and emphasized the importance of producer organizations. 

Tugomir Majdak, Ministry of Agriculture of the Republic of Croatia, presented financial opportunities in the frame of the EU pre-accession funds, IPARD. 

Main goals of IPARD were identified as:
- Improving market efficiency and implementation of community standards
- Preparatory actions for implementation of the agri-environmental measures and local development strategies
- Development of rural economy (Investments in production units, machinery, technology)

Angelo Turati, Metro Cash & Carry Croatia, represented the retailing sector. Metro Cash & Carry Croatia was established in 2001 and has opened branches in eight towns with approximately 160,000 customers and approximately 1,100 suppliers. Mr. Turati also underlined the positive conditions for the production of fruits and vegetable as well as the high demand of products in the tourist season. Nevertheless, he also pointed out that Croatia is not self-sufficient due to the lack of post-harvest conditions and modern technology in storing, transporting and further processing. He is convinced that strengthening regional products by a specific marketing is of utmost importance. International cooperations as well as international advisors could support this process.

The event provided a positive platform for exchange and discussion, including an international audience. The enormous potential of the Croatian fresh fruit sector, but also the various challenges were clearly presented and discussed. One of the focal points has been the organization of producer groups and their sustainable work. Due to this, we are convinced that German expertise could certainly support the development and the support of these processes. 

Xenia Fix, Anke Zimdars, Antje Müller
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft