Kommunikation im Museum

8. Juli 2011

Jahresempfang des Ost-Ausschusses mit Bundesminister Niebel und Staatssekretär Homann

Am 7. Juli fand in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank die Jahresmitgliederversammlung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft statt. Unter anderem wurden dabei sechs neue Mitgliedsunternehmen aufgenommen: Allianz, Otto, Georg Fritzmeier GmbH, Quarzwerke, Tognum und VTG. Neu in den Ost-Ausschuss-Vorstand gewählt wurde Harald Schwager, Vorstandsmitglied von BASF, anstelle seines Kollegen Hans-Ulrich Engel, der bei der BASF einen neuen Aufgabebereich übernommen hat. Markus Kerber, seit 1. Juli 2011 Hauptgeschäftsführer des BDI, stellte sich als neuer Schatzmeister des Ost-Ausschusses vor. Im Anschluss an die Gremiensitzungen trafen sich die Mitglieder und Partner des Ost-Ausschusses zum Abendempfang im Museum für Kommunikation. Gastredner waren  Bundesminister Dirk Niebel und Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann.

Die Postkutsche hoch über dem Eingang deutete es an: Wer in früheren Jahrhunderten kommunizierte, musste bisweilen eine Menge Zeit und Geduld aufbringen. Das Internet ermöglicht heute Kommunikation in Echtzeit, doch das persönliche Gespräch bleibt unverzichtbar. Dieses wurde beim traditionellen Jahresempfang des Ost-Ausschusses dann auch groß geschrieben. 150 Mitglieder und Partner des Ost-Ausschusses, darunter Botschafter, Bundestagsabgeordnete, Ministerialbeamte und Journalisten, konnten an 15 festlich gedeckten Tischen in der neobarocken Eingangshalle des 1897 eröffneten Museums für Kommunikation Platz nehmen.

In seiner Begrüßungsrede skizzierte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes drei Herausforderungen, welche die Arbeit des Ost-Ausschusses bestimmen: „die Vollendung des Transformationsprozesses im östlichen Europa, die Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung und die Schaffung eines gesamteuropäischen Wirtschaftsraumes“. Durch die schnelle Bewältigung der Wirtschaftskrise sei Deutschland in eine Vorbildrolle geschlüpft. „Dass ein breiter, innovativer Mittelstand das Rückgrat einer stabilen Wirtschaft ist, dass gesunde Haushalte die Basis für zukünftiges Wachstum legen, dass derjenige die Produkte von Morgen anbietet, der auf Nachhaltigkeit achtet“, dies seien Überzeugungen „Made in Germany“, die in Osteuropa zunehmend Beachtung fänden. Der nun auch in Osteuropa einsetzende Aufschwung sei eine Chance, den vor 20 Jahren begonnenen Transformationsprozess gemeinsam erfolgreich abzuschließen.

Beim Thema Rohstoffsicherheit erwähnte Cordes den Vorstoß des Ost-Ausschusses für eine Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan, die Modellcharakter für weitere Länder haben könne. „Der Rahmen steht, aber die Arbeit fängt gerade erst an. Jetzt braucht es Unternehmen, die dem Modell Leben einhauchen.“

Abschließend rief der Ost-Ausschuss-Vorsitzende dazu auf, weiter an der Architektur des europäischen Wirtschaftsraumes zu arbeiten, um den beiden Kraftzentren USA und China ein europäisches Gegengewicht gegenüberstellen zu können. Dazu gehöre auch die Beseitigung der Visa-Schranken in Europa: „Die Abschaffung der Visa-Pflicht für unsere osteuropäischen Partner wäre für die europäische Wirtschaft insgesamt ein Konjunkturprogramm zum Nulltarif.“

Starke Partner gesucht

Der Ost-Ausschuss arbeitet seit vielen Jahren eng mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen. Aktuell werden vier große Projekte gemeinsam umgesetzt: drei Beratungsprojekte zur Stärkung marktwirtschaftlicher Strukturen in Belarus, Moldau und der Ukraine sowie das Zoran-Djindjic-Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan, mit dessen Hilfe jährlich 60 Berufseinsteiger und Nachwuchsmanager aus den Balkanländern Praktika in deutschen Unternehmen absolvieren. Minister Dirk Niebel dankte in seiner Rede den Ost-Ausschuss-Mitgliedern für dieses Engagement und warb gleichzeitig um eine Ausweitung der Zusammenarbeit: „Deutsche Investitionen in Entwicklungsländern sind der beste Hebel, um dort Arbeitsplätze zu schaffen. Wir brauchen Sie als starke Partner.“ Sein Ministerium sei „nicht der Eine-Welt-Laden der Bundesregierung“, sondern verstehe sich insbesondere als Dienstleister und Wegbereiter für die deutsche Wirtschaft.

Die Schlussworte des Abends blieben Staatssekretär Homann vorbehalten, der im Bundeswirtschaftsministerium unter anderem für Außenwirtschaftspolitik, Energiepolitik und Technologiepolitik zuständig ist und damit die Arbeit von Bernd Pfaffenbach fortsetzt, der im Mai 2011 die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hatte. „Schönen guten Abend, ich bin der Neue“, stellte sich Homann vor und zitierte damit seinen Vorgesetzten, den neuen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Danach spannte er einen Bogen über die Themen Modernisierungspartnerschaft und Rohstoffpartnerschaft bis hin zum überfälligen WTO-Beitritt Russlands. „Das Zeitfenster für den Beitritt ist nicht mehr groß, aber ich bin von Haus aus Optimist.“ Beim Thema Visa-Freiheit signalisierte Homann Unterstützung und Sympathie für die Forderungen des Ost-Ausschusses: „Das ist für uns ein ganz wichtiges Thema, an dem wir dranbleiben.“

Andreas Metz
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft