Öko-Landbau in der Ukraine

13. Februar 2013

Podiumsveranstaltung des Ost-Ausschusses auf der BioFach 2013 in Nürnberg

Die Ukraine ist für Deutschland ein wichtiger Lieferant hochwertiger Agrarprodukte. Mit großflächigen, fruchtbaren Schwarzerdegebieten, großen Betriebsstrukturen und häufig extensiver Bewirtschaftung, bietet die Ukraine sehr gute Voraussetzungen für den Biolandbau. Durch die Nähe zum europäischen Markt und Möglichkeit große Mengen landwirtschaftlicher Produkte direkt vom Erzeuger zu erwerben, kann sich die Ukraine Wettbewerbsvorteile sichern, wenn es gelingt die Infrastruktur und das Image ihrer Produktion weiter zu verbessern.

 Im Rahmen des Wirtschafts- und Beschäftigungsförderungsprogramms Ukraine unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in der Ukraine. So wurden in den letzten Jahren mehrere gemeinsame Veranstaltungen, Agrarwirtschaftstage und Informationsreisen für deutsche Experten in ukrainische Regionen besonders Chernivci und Krim durchgeführt.

Auf dem Ukraine-Podium der BioFach 2013, das von Gerlinde Sauer, Geschäftsführerin der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss moderiert wurde, informierte der Projektpartner Tobias Eisenring vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), dass von den mehr als 35 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Ukraine, darunter 26 Millionen Hektar Ackerland, momentan etwa 1 Prozent (270.000 Hektar) ökologisch bewirtschaftet wird.

Auf dem europäischen Markt wächst besonders der Bedarf an ökologisch erzeugten Produkten wie Eiweiß- und Ölfrüchten. Die Zahl ukrainischer Unternehmen die von konventioneller auf ökologische Erzeugung umgestellt haben, wächst stetig. Zurzeit produzieren etwa 200 Betriebe entsprechend biologischer Richtlinien, vorrangig Getreide, Sonnenblume, Raps, Soja und Kürbis.

Die Zertifizierung der ökologischen Anbauflächen und Verarbeitungsbetriebe wird vorrangig durch die Zertifizierungsstellen ETKO (Türkei), IMO (Schweiz) und der mit Unterstützung der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit aufgebauten ukrainischen Zertifizierungsstelle Organic Standard vorgenommen, die innerhalb der Europäischen Union anerkannt wird.

Langsam aber stetig entwickelt sich auch der Binnenmarkt für Bio-Produkte in der Ukraine. So sind mittlerweile etwa 40 Bio-Produkte in ukrainischen Supermärkten und Bioläden erhältlich.

Fehlende Gesetzesgrundlage zum Ökolandbau

Die institutionelle Verankerung des Biolandbaus geht in der Ukraine bislang nur sehr schleppend voran. 2011 verabschiedete die Verhovna Rada eine erste Biogesetzgebung, die allerdings von Präsident Wiktor Janukowitsch gestoppt wurde. Ohne eine nationale gesetzliche Grundlage zum Ökolandbau wächst die Gefahr der Konsumententäuschung und des Missbrauchs des Begriffs „Bio“.

Anatolij Rudjuk vom Ministerium für Agrarpolitik der Ukraine wies in der Podiumsdiskussion darauf hin, dass es in Bezug auf das Ökolandbaugesetz entscheidend sei, die Frage der staatlichen Aufsicht für die Kontrolle der Ökostandards zu klären.

Maxim Burbak, Vorsitzender des Ersten Agrarclusters im Gebiet Chernivci, informierte, dass sein Verband in der Region eine Reihe von Projektvorschlägen für die Entwicklung des Ökolandbaus entwickelt habe. Wichtig sei eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für ökologische Produkte. Als erfolgsversprechend bewertete er insbesondere den Ansatz, eine Regionalmarke für die Karpaten zu entwickeln.

Jörg Lotz vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellte die aktuelle Förderpolitik für Ökolandbau in Deutschland dar und unterstrich, dass die Entwicklung des Sektors bis zum heutigen Niveau mehr als dreißig Jahre benötigt habe.

Der Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Betriebes im Gebiet Poltawa, Volodymyr Jaroschenko, berichtete, dass er bereits seit mehr als 20 Jahren mit Methoden der integrierten Landwirtschaft hochwertige Produkte für Kindernahrungsmittel produziert. Er wolle zukünftig ganz ohne Pflanzenschutzmittel produzieren. Durch eigene Anbauversuche konnte er bereits eine geeignete Sorte Soja für die ökologische Produktion identifizieren.

Ivan Tomenko, Inhaber des Lebensmittelverarbeiters Agropole, berichtete, dass sein Unternehmen seit einigen Jahren erfolgreich Bio-Hirse in die EU exportiert. Er unterstrich, dass die ukrainischen Biolandwirte Partner in der Wertschöpfungskette benötigen, um erfolgreich im Export tätig zu sein. Aufgrund der steigenden Nachfrage im Export sowie im Binnenmarkt plane er, die Produktion seines Unternehmens komplett auf Bioprodukte umzustellen.

Insgesamt nahmen in diesem Jahr auf Einladung des Ost-Ausschusses, der GIZ und des FiBL Delegationen von mehr als 60 Vertretern ukrainischer Unternehmen, Ministerien und Verbänden an der BioFach teil. Neben dem Besuch der Messe bereicherten Ausflüge zu den ökologischen Betrieben des Klosters Plankstetten sowie dem Brauhaus Riedenburg das Programm der Teilnehmer.

Für das nächste Jahr planen eine Reihe von ukrainischen Unternehmen gemeinsam mit der deutschen und Schweizer Entwicklungszusammenarbeit erstmalig die Realisierung eines ukrainischen Nationalstandes auf der BioFach.