Junge Führungskräfte im intensiven Meinungsaustausch

15. Oktober 2012

5. Deutsch-Russische Gespräche Baden-Baden

Vom 8. bis 14. Oktober 2012 trafen sich 32 junge Führungskräfte aus Deutschland und Russland zu den 5. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden. Das jährlich stattfindende Intensivseminar im Palais Biron wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt veranstaltet.

Der deutsch-russische Handel eilt von Rekord zu Rekord. Dennoch ist das Potential der deutsch-russischen Beziehungen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Zur zukunftssicheren Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder hat der Ost-Ausschuss daher zusammen mit seinen Kooperationspartnern vor fünf Jahren die Deutsch-Russischen Gespräche als Dialogplattform für junge Manager und Unternehmer aus beiden Ländern geschaffen.

„Bei den Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden vernetzen wir junge Führungskräfte, die in wenigen Jahren die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen maßgeblich beeinflussen werden. Davon werden beide Volkswirtschaften profitieren." ist Klaus Mangold, ehemaliger Vorsitzender des Ost-Ausschusses und Mitglied des Beirats der Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden, überzeugt. 

Eröffnet wurden die Gespräche mit einem Welcome Dinner im Kurhaus Casino Baden-Baden. Als Dinner Speaker betonte Karl-Georg Wellmann, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, dass die europäische Integration eine notwendige Antwort auf die Globalisierung ist und dass auch Russland als Teil Europas daher aktiv einbezogen werden muss. Der Bundestagsabgeordnete warb in seiner Rede intensiv um eine „Modernisierungspartnerschaft auf Augenhöhe“.

Die Seminarwoche stand unter der spannenden Überschrift: „So viel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig?". Die Seminarteilnehmer diskutierten sechs Tage intensiv darüber, in welchem Verhältnis Staat, Wirtschaft und Bürger stehen sollten. 

Mit Themen wie Bürokratiebelastung, Rechtsstaatlichkeit und Compliance, Bürgerschaftliches Engagement, Bürgerprotest, Corporate Citizenship sowie Maßnahmen gegen die demographische Herausforderung und den Fachkräftemangel standen Fragen auf der Agenda, welche die russische und deutsche Gesellschaft gleichermaßen betreffen.

Top-Manager, Unternehmensgründer, Politiker und Wirtschaftsexperten aus Russland und Deutschland gaben in Fachvorträgen Denkanstöße und standen den jungen Führungskräften als Gesprächspartner zur Verfügung.

So präsentierte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft und einer der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler Deutschlands, den Seminarteilnehmern seine Vorstellungen zum richtigen Verhältnis von Staat, Wirtschaft und Bürger und gab einen Impuls für die anschließende einwöchige Seminararbeit.

Mit Nikolaus Knauf, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses des weltbekannten Bauzulieferers Knauf Gips KG, diskutierte eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit mit den Seminarteilnehmern darüber, welche Aufgabenverteilung zwischen Markt und Staat sinnvoll ist.

Von russischer Seite reisten unter anderen Ella Pamfilova, ehemalige Menschenrechtsbeauftragte des russischen Präsidenten, an, um die hoch aktuelle Frage zu erörtern, in welchem Umfang sich eine aktive Bürgergesellschaft in Russland entwickelt hat und welche Perspektiven bestehen.

„Mich hat die Bandbreite an Themen beindruckt. Es hat zu einer Fülle von guten Diskussionen geführt.“ resümiert Martin Wiedemann, Partner bei der Ernst & Young GmbH und Seminarteilnehmer, die Arbeit in den Panels und Workshops.

Das intensive Arbeitspensum im Palais Biron wurde durch ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzt. Ein Höhepunkt war der Besuch der Fischerwerke. Die Seminarteilnehmer erhielten hierbei exklusive Einblicke in die Produktion des Weltmarktführers für Befestigungssysteme und Automotive Systems. 

Der Unternehmensinhaber Klaus Fischer stellte den jungen Führungskräften die beeindruckende Unternehmensphilosophie und das umfangreiche soziale Engagement des mittelständischen Weltmarktführers persönlich vor. Auch beim anschließenden Abendessen auf Einladung des Unternehmens konnten die Seminarteilnehmer in persönlichen Gesprächen erleben, welche herausragende Bedeutung mittelständische Unternehmen für die deutsche Wirtschaft haben und wie sie hierbei oftmals in ganz besonderer Weise soziale Verantwortung wahrnehmen. Die Zusammenkunft mit der Unternehmerpersönlichkeit Klaus Fischer war für die jungen Führungskräfte ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.

Der Dialog hört nach der Seminarwoche in Baden-Baden nicht auf. Wer einmal bei den Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden dabei war, wird Teil eines Netzwerks, das aktiv an der Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen mitarbeitet. Das sehr aktive Alumni-Netzwerk zählt nach den 5. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden nun bereits etwa 150 junge Führungskräfte. 

Dass dieses Netzwerk trägt, davon zeugt auch, dass zahlreiche Alumni bereits für die letzten beiden Seminartage nach Baden-Baden anreisten, um die diesjährigen Teilnehmer kennenzulernen. Selbst aus dem fernen Novosibirsk reiste man hierzu in den Schwarzwald. Beim jährlichen Gesamttreffen aller Alumni Ende Mai 2013 in Russland sehen sich alle wieder und bleiben auch bis dahin in regem Kontakt.

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft