Jedes Unangenehme hat auch sein Gutes

15. April 2009

Die Verwerfungen im Bankensektor und ihre dramatischen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben auch vor Russland nicht halt gemacht. In dieser weltweit schwierigsten Wirtschaftsphase seit sechs Jahrzehnten wird auch für Russland für das Jahr 2009 mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung gerechnet. Die Kreditbedingungen verschlechtern sich fortwährend, ausländisches Kapital wird aus dem russischen Markt abgezogen; der Kursverfall, der an der russischen Börse notierten Unternehmen hat Werte in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollar vernichtet.

In dieser Phase sollten wir uns an Dostojewski erinnern, der schrieb: Jedes Unangenehme hat auch sein Gutes. In der chinesischen Kultur drückt sich dieser Gedanke noch plastischer aus: Dort beinhalten die Worte für Krise und Chance dasselbe Schriftzeichen.

Die Chance in der Krise sollten wir auch in Russland sehen, wo die Defizite in der Krise deutlich geworden sind und nach einer raschen und nachhaltigen Bereinigung verlangen. Die Erkenntnis, dass die großen Probleme nur in enger internationaler Zusammenarbeit lösbar sind, setzt sich durch. Der Wille zur Umsetzung von Wirtschaftsreformen steigt und die oftmals angemahnten Verbesserungen der Rahmenbedingungen (u.a. Zoll, Migration, Steuern, Bürokratie) werden nun verstärkt angegangen. Russland steht vor einer gewaltigen Modernisierungsaufgabe und Deutschland kommt in dieser Entwicklung eine bedeutende Rolle zu. Allein der gemeinsame Handel, der im Jahr 2008 die neue Höchstmarke von 68 Milliarden Euro erreichte, zeigt schon die enge wirtschaftliche Verbindung beider Länder. Oftmals war und ist die Wirtschaft hierbei Brückenbauer in Zeiten politischer Krisen sowie Impulsgeber für Reformen beispielsweise in Verwaltungs- und Rechtsfragen.

Mittelfristig gibt es neben der steten Verbesserung der Rahmenbedingungen in Russland eine große Zahl von Kooperationsfeldern, die nicht nur für die Modernisierung Russlands von Bedeutung sind, sondern auch für Deutschland. Hierbei seien nur exemplarisch Energie- und Klimapolitik, das Gesundheitswesen, die demographische Entwicklung sowie Bildung und Wissenschaft genannt.

Durch die guten Kontakte auf politischer und wirtschaftlicher Ebene, die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen, Verbänden und auch die zunehmende Verflechtung der Zivilgesellschaften wird unsere Partnerschaft mit Russland auch in Krisenzeiten weiter intensiviert werden. Allerdings muss auch klar sein, dass die Ausbildung junger Menschen, dass Verständnis der Sprache und der gegenseitigen Kultur die Basis für zukünftiges Wachstum ist. Daher sollten wir uns um eine noch stärkere Kooperation im Ausbildungsbereich bemühen und den deutsch-russischen Jugendaustausch weiter fördern. Damit auch die nächsten Generationen in zwei modernen Staaten unsere Partnerschaft erfolgreich weiterleben.

Dr. Heinrich Weiss
Vorsitzender der Geschäftsführung, SMS GmbH