Hunger nach Investitionen und Zusammenarbeit

22. Januar 2013

Grüne Woche: Ost-Ausschuss stellt Studie zu Agrarmärkten in Südosteuropa vor

Sonnige Zeiten für investitionsfreudige Europäer: Welche Sektoren in der Region besonders vielversprechend sind, welche Probleme noch bestehen und wie diese durch Kooperationen und Nachhaltigkeit angegangen werden können, behandelt die Studie „Agriculture and Food-Industry in South Eastern Europe: “Chances and Challenges of Investments and Co-Operations along the Value Chain”. Diese wurde vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Auftrag gegeben, von der Regional Rural Development Standing Working Group for South Eastern Europe (SWG) durchgeführt und im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture vorgestellt.

Die SWG-Studie untersucht in vier ausgewählten Ländern die produktivsten und wettbewerbsfähigsten Sektoren der Branche. In Albanien handelt es sich hierbei um medizinische und aromatische Pflanzen sowie Kräuter, in Kroatien sind Mandarinen und Oliven sowie Olivenöl der größte Zweig in der Agrarproduktion, Mazedoniens wichtigste Erzeugnisse sind Wein und Gemüse, Serbien hat besondere Stärken im Anbau von Beeren und Pflaumen. 

Unter anderem empfehlen die Verfasser der Studie im Falle Mazedoniens, auf hochqualitative Weine zu setzen und sich mit einer nationalen Exportstrategie Nischen auf dem EU-Markt zu erschließen. Serbien sollte beispielsweise die Produktion von Beeren in Gewächshäusern fördern, auf neue Sorten setzen und in die Weiterverarbeitung von Beeren zu Trockenfrüchten, Konzentraten oder Gefriergut investieren, um so im Inland neue Wertschöpfungsketten aufzubauen. Ein verbessertes Marketing für die eigenen Produkte spielt in allen vier Ländern eine Hauptrolle.  „Wenn man nach Südosteuropa kommt, dann sollte man auch investieren“, resümierte Boban Ilic, Generalsekretär der SWG, und verspricht: „Sie werden dort gut behandelt werden“. Der wachsende Agrarsektor in der Region biete Chancen, habe aber gleichzeitig einen dringenden Modernisierungsbedarf.

Wie die Bedingungen für Investoren in der Region aussehen und wie diese verbessert werden könnten, darüber diskutierten die Teilnehmer der
Ost-Ausschuss-Veranstaltung „Modernisierungspartnerschaft Südosteuropa – Verantwortungsvolle Investitionen und Kooperationen im Rahmen der Wertschöpfungskette“, darunter der Agrarminister aus Montenegro sowie hochrangige Ministerdelegationen aller Staaten des Westlichen Balkans.  Nach Ansicht von Thomas Kirchberg, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss erfahre die Region erst in den letzten Jahren gesteigertes Interesse; dabei läge großes Potential noch weitgehend brach. Vor dem Hintergrund des stetig wachsenden Ernährungsbedarfs in der Welt seien nachhaltige Projekte zur Produktionssteigerung und zu besserer Effizienz wünschenswert: „Agrarwirtschaft ist nicht nur eine Branche, Agrarwirtschaft bedeutet auch Verantwortung.“

Boban Ilic wies auf die sich ständig verbessernden Bedingungen für Investoren hin. So sei die Arbeit der Ministerien auf eine Annäherung an die EU ausgerichtet, und gesetzliche Änderungen schüfen einen sicheren Rechtsrahmen. Außerdem erreiche man über die bestehenden Freihandelsabkommen gleich einen viel größeren Absatzmarkt, als den meisten Investoren bewusst sei. Iwona Lisztwan, Vertreterin der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission,  informierte über IPARD, das Instrument for Pre-Accession Assistance in Rural Development. Sie verwies darauf, dass das  zum Ende 2013 auslaufende Programm  für Effizienz steigernde Modernisierungsprojekte, zum Beispiel für Kroatien, noch nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft sei. Dies läge unter anderem an der Unerfahrenheit der Südosteuropäer im Beantragen europäischer Mittel. Auch in dieser Hinsicht sei die vertiefte grenzüberschreitende Zusammenarbeit mehr als fruchtbar.

Der Agrarsektor nimmt in der Bruttowertschöpfung der Region traditionell eine große Rolle ein, Tendenz steigend. Damit ist er wichtiger Stabilisierungsfaktor der Region. Für die kleinen Betriebe, die typisch für die Region sind, gestaltet sich aber insbesondere der Zugang zu Finanzmitteln schwierig. Die ProCredit Bank engagiert sich seit Jahren in Übergangsregionen für die Kreditvergabe, und macht damit in Serbien gute Erfahrungen. Christoph Freytag aus dem Vorstand der ProCredit erklärte, wie der Zugang zu Kapital über langfristige Kredite die Unabhängigkeit der Landwirte stärkt. Das Erfolgsrezept seien zu Bankkaufleuten ausgebildete Landwirte, die treffsichere Prognosen über finanzierte Projekte gäben und somit das Ausfallrisiko auf fast ein Prozent reduzierten. Trotzdem bleibe die Finanzierung über Grenzen ein wichtiges Kriterium für Wachstum, da der regionale Finanzmarkt nur hohe Zinsen bieten könne. 

Südosteuropas Agrarwirtschaft hungert nach Investitionen und grenzüberschreitender Zusammenarbeit, so war der Tenor der Vortragenden, und in den Staaten wird einiges getan, um das Investitionsklima stetig zu verbessern. Die Studie kann in der rechten Spalte heruntergeladen werden.

Malin Wilkens
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft